Streit um Is­ra­el-Kri­tik ent­zweit Leh­rer­ge­werk­schaft

Kreis­vor­stand in der Kri­tik – Stel­lung­nah­me für und ge­gen Chris­toph Glanz ver­fasst

Nordwest-Zeitung - - STADT OLDENBURG -

OL­DEN­BURG/LR/CKI – Im Streit um den is­ra­el-kri­ti­schen Be­richt von GEW-Mit­glied Chris­toph Glanz in der Mit­glie­der­zeit­schrift Pa­ed-Ol hat ei­ne De­bat­te in­ner­halb der Ge­werk­schaft für Er­zie­hung und Wis­sen­schaft aus­ge­löst. Vor­sit­zen­der Heinz Bühr­mann ist so­wohl bei Kri­ti­kern als auch Un­ter­stüt­zern in die Kri­tik ge­ra­ten.

Sa­bi­ne Nier, Schatz­meis­te­rin des GEW Kreis­ver­bands, nahm die BDS-Kam­pa­gne in Schutz. „Wir soll­ten auf­pas­sen, dass wir nicht die ver­ba­len Ge­wohn­hei­ten von Men­schen über­neh­men, die die Welt in Freun­de und Fein­de auf­tei­len“, schreibt die Päd­ago­gin in ei­ner Stel­lung­nah­me zum Be­richt „Schul­be­hör­den prü­fen Vor­wür­fe ge­gen Leh­rer Glanz“(Ð vom 11. Ok­to­ber).

„Die BDS-Kam­pa­gne, die – le­dig­lich – ei­nen Boy­kott for­dert, ist we­der is­ra­el­feind­lich noch an­ti­se­mi­tisch. Oder be­zeich­nen wir uns jetzt als Russ­land­fein­de oder An­ti­chris­ten, weil un­se­re EU Russ­land we­gen der Be­set­zung der Krim tat­säch­lich boy­kot­tiert?“Nier kri­ti­siert die GEW-Bun­des­zen­tra­le, die die Ver­öf­fent­li­chung der Mit­glie­der­zeit­schrift mit dem Auf­satz von Glanz ver­bo­ten ha­be.

Die GEW-Schatz­meis­te­rin ver­weist auf ei­nen Auf­ruf von Ho­lo­caust-Über­le­ben­den und -Nach­fah­ren im Au­gust 2014 in der Zei­tung „New York Ti­mes“. Dort wer­de Is­ra­el kri­ti­siert we­gen „Mas­sa­ker an den Pa­läs­ti­nen­sern“. „Völ­ker­mord be­ginnt mit dem Schwei­gen der Welt“hei­ße es dort, er­klärt Nier mit Ver­weis auf Pres­se­be­rich­te und fragt: „Sind die­se Men­schen des­we­gen An­ti­se­mi­ten?“

Dem­ge­gen­über greift ein von GEW-Mit­glied Rolf Jor­dan ein­ge­reich­tes Schrei­ben an die Ð den Vor­stand an. Mit sei­nen Äu­ße­run­gen im Be­richt „Ge­werk­schaft stellt sich hin­ter Leh­rer Glanz“(Ð vom 15. Ok­to­ber) spre­che Vor­sit­zen­der Bühr­mann „nicht in un­se­rem Na­men“, heißt es in dem Brief, den ne­ben Jor­dan auch Han­ne Boyn, Gui­do Früh­auf, Bar­ba­ra Hal­ler­bach, Rai­mund He­they, Chris­ti­an Katz, Jan-Ole Kliem, Li­sa Sche­re­met und Mar­tin Via­lon un­ter­zeich­net ha­ben.

„Wir ma­chen uns kei­ne Il­lu­si­on über die Grün­de der Nicht-Ver­öf­fent­li­chung des ge­plan­ten Wer­be­ar­ti­kels für die an­ti­se­mi­tisch kon­no­tier­te BDS-Kam­pa­gne in der Mit­glie­der­zeit­schrift Pa­edol“,

schrei­ben die GEW-Mit­glie­der. Dies sei le­dig­lich auf äu­ße­ren Druck er­folgt, nicht aus in­ne­rer Ein­sicht der ört­li­chen GEW No­men­kla­tu­ra.

Der Lan­des­vor­sit­zen­de der GEW, Eber­hard Brandt, ha­be in­ter­ve­niert, nach­dem Bühr­mann ihn um Un­ter­stüt­zung ge­be­ten ha­be. Ei­ne sol­che In­ter­ven­ti­on sei „ein Ar­muts­zeug­nis“für den Kreis­vor­stand. „Die So­li­da­ri­sie­rung mit Herrn Glanz, das vor­he­ri­ge Hin- und Her, deu­ten auf ei­nen Macht­kampf im We­serEms-Be­zirk der GEW hin“, schrei­ben die Mit­glie­der.

Der­zeit se­he es so aus, als hät­ten sich „Ge­sin­nungs­ge­nos­sen von Herrn Glanz“durch­ge­setzt, „das heißt die­je­ni­gen al­ten Lin­ken, die ei­ne ,of­fe­ne’ Dis­kus­si­on über den glo­ba­len Aus­schluss Is­ra­els aus je­der aka­de­mi­schen, sport­li­chen, kul­tu­rel­len und öko­no­mi­schen Ge­mein­schaft for­dern“. Sol­che „dem­ago­gi­schen und hass­för­dern­den For­de­run­gen“soll­ten un­ter­bun­den wer­den; sie hät­ten in ei­ner Ge­werk­schafts­zei­tung „nichts zu su­chen“.

Glanz ist Mit­glied der Kam­pa­gne BDS (Boy­kott, Des­in­ves­ti­tio­nen und Sank­tio­nen), die we­gen der Men­schen­rechts­ver­let­zun­gen an den Pa­läs­ti­nen­sern zum Boy­kott von Is­ra­el auf­ru­fen. Un­ter an­de­rem der is­rae­li­sche Bot­schaf­ter in Deutsch­land, Ya­kov Ha­das-Han­dels­man, hat die BDS als an­ti­se­mi­tisch kri­ti­siert.

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