Ju­gend­stra­fe für bru­ta­le Schlä­ger

An­ge­klagt nach Schloss­platz­ge­walt

Nordwest-Zeitung - - OLDENBURG - VON FRANZ-JO­SEF HÖFFMANN

OL­DEN­BURG – Das zu be­wer­ten war nicht ein­fach. Mit un­vor­stell­ba­rer Bru­ta­li­tät ha­ben vier jun­ge Män­ner am 10. Mai auf dem Schloss­platz Pas­san­ten und Hel­fer teils be­wusst­los ge­schla­gen und ge­tre­ten, dar­un­ter ei­nen Po­li­zei­stu­den­ten, der Op­fern hel­fen woll­te.

Am Mitt­woch en­de­te vor dem Amts­ge­richt die ju­ris­ti­sche Au­f­ar­bei­tung des Un­fass­ba­ren. Wäh­rend das Ju­gend­schöf­fen­ge­richt un­ter Vor­sitz von Rich­ter Kai Goh­la be­reits vor zwei Wo­chen den 21-jäh­ri­gen Haupt­tä­ter zu zwei­ein­halb Jah­ren Ju­gend-Ge­fäng­nis ver­ur­teilt hat­te, wur­den die drei ver­blie­be­nen An­ge­klag­ten im Al­ter zwi­schen 18 und 20 Jah­ren ges­tern eben­falls zu Ju­gend­stra­fen ver­ur­teilt: zwei auf Be­wäh­rung, ei­ner zu 21 Mo­na­ten oh­ne Be­wäh­rung.

Die An­ge­klag­ten sind vor­be­straft, ha­ben teils schon mal ge­ses­sen, lei­den un­ter Per­spek­tiv­lo­sig­keit und ha­ben ein Al­ko­hol- und Dro­gen­pro­blem. Das Ju­gend­straf­recht hat in ers­ter Li­nie den Er­zie­hungs­ge­dan­ken im Vor­der­grund. Und so schnür­te das Ge­richt ein gan­zes Bün­del an Maß­nah­men, „da­mit so et­was nie wie­der pas­siert“, so Rich­ter Goh­la. Ar­beits­auf­la­gen, Teil­nah­me an so­zia­len Trai­nings­kur­sen, Sucht­be­ra­tun­gen so­wie Mit­ar­beit in der Haft zur Vor­be­rei­tung von The­ra­pi­en sol­len die An­ge­klag­ten wie­der auf den rech­ten Weg zu­rück­brin­gen. Wut und Al­ko­hol hat­ten bis­her die An­ge­klag­ten be­glei­tet, in ers­ter Li­nie wohl Wut auf sich selbst. Un­ge­hal­ten war auch die An­kla­ge­ver­tre­te­rin. „Das macht mich rich­tig wü­tend“, sag­te Staats­an­wäl­tin Mund an­ge­sichts der Tat­sa­che, dass die An­ge­klag­ten auch die Hel­fer teils bis zur Be­wusst­lo­sig­keit at­ta­ckiert hat­ten.

Die Zu­ord­nung der Trit­te und Schlä­ge war nicht ein­fach. Das Ge­richt war über­zeugt, dass zwei ers­te Pas­san­ten von al­len at­ta­ckiert wor­den sind. Al­le ha­ben auch den Chef der bei­den ers­ten Op­fer, der nur hel­fen woll­te, ge­schla­gen und ge­gen den Kopf ge­tre­ten. Trit­te ge­gen den Kopf des Po­li­zei­stu­den­ten da­ge­gen konn­ten nur dem 21-jäh­ri­gen Haupt­tä­ter an­ge­las­tet wer­den. Das Op­fer hat­te zwar meh­re­re Fü­ße ge­se­hen, die zu­ge­tre­ten hat­ten, ei­ne Zu­ord­nung auf die je­wei­li­gen An­ge­klag­ten war aber nicht mög­lich.

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