Fried­voll das Le­ben los­las­sen

Lei­dens­druck durch Trau­ma­ta im Ster­be­pro­zess pro­fes­sio­nell auf­lö­sen

Nordwest-Zeitung - - BEISTAND - VON SWANTJE SAGCOB

Ein leid­vol­les Hin­der­nis im Ster­be­pro­zess sind un­ver­ar­bei­te­te Trau­ma­ta eben­so wie fa­mi­liä­re Pro­ble­me. Ei­ne fach­li­che Be­glei­tung kann hel­fen, die Ener­gieblo­cka­den zu lö­sen.

OL­DEN­BURG – „Wenn ein Mensch mit Lie­be los­las­sen kann, schläft er auch fried­lich ein“, weiß Ser­pil Tü­mer aus ih­rer Er­fah­rung. Die So­ma­tic Ex­pe­ri­en­cing®-Trau­ma­the­ra­peu­tin hat vor al­lem de­men­ti­ell er­krank­te Men­schen beim Ster­ben be­glei­tet. „Ich konn­te die Angst in ih­ren Au­gen le­sen und im Kör­per spü­ren“, be­rich­tet die aus­ge­bil­de­te Heil­prak­ti­ke­rin für Psy­cho­the­ra­pie ih­re wert­vol­len Er­fah­run­gen in Lü­beck und Ol­den­burg. Wer sich ge­gen das Ge­hen sträu­be, kämp­fe oft mit Ängs­ten. „Um die­sen in­ne­ren Wi­der­stand zu über­win­den, ge­he ich mit den Be­trof­fe­nen nicht in die für sie trau­ma­ti­schen Erlebnisse di­rekt hin­ein, die bei be­tag­ten Men­schen oft in Kriegs­er­in­ne­run­gen, aber all­ge­mein auch in Un­fäl­len, Krank­hei­ten oder un­be­wäl­tig­ten Fa­mi­li­en­er­leb­nis­sen be­grün­det sein kön­nen. Ein trau­ma­ti­sches Er­leb­nis kann nicht nur über den Kopf, son­dern vor al­lem über die Kör­per­emp­fin­dun­gen be­ar­bei­tet wer­den“, er­klärt Tü­mer.

Wich­tig sei, so die zer­ti­fi­zier­te SE®-Trau­ma­the­ra­peu­tin nach Dr. Pe­ter Le­vi­ne, dass die Ster­ben­den in ih­rer Angst nicht al­lei­ne ge­las­sen wür­den und of­fe­nes Ver­ständ­nis da­für er­füh­ren. Durch ein­fühl­sa­me, Be­rüh­run­gen, das be­wuss­te Wahr­neh­men der Emp­fin­dun­gen so­wie be­ru­hi­gen­den, ver­ständ­nis­vol­len Zu­spruch kön­ne es ge­lin­gen, die Ängs­te und Sor­gen nach und nach zu über­win­den und die da­mit ver­bun­de­nen Ge­füh­le er­lö­send zu­zu­las­sen.

Wür­den Be­trof­fe­ne die Nah­rungs­auf­nah­me ver­wei­gern, sei dies häu­fig ein ver­kann­tes In­diz da­für, dass sie kei­ne As­so­zia­ti­on mehr zum Le­ben ha­ben und ger­ne ge­hen möch­ten. Manch­mal wür­den Ster­ben­de auch von vi­sio­nä­ren Fa­mi­li­en­mit­glie­dern ab­ge­holt. Das er­wei­se sich meist als gro­ße Un­ter­stüt­zung beim ver­trau­ens­vol­len Los­las­sen vom Le­ben.

Wer hin­ge­gen viel in al­ten Mus­tern und Pro­ble­men im ei­ge­nen Sys­tem fest­ste­cke, weh­re sich mehr und blo­ckie­re so­mit den ei­ge­nen Ener­gie­und na­tür­li­chen Le­bens­fluss. „Pro­fes­sio­nel­les Au­f­ar­bei­ten der Ver­gan­gen­heit kann hel­fen, für den Ab­schied Frie­den zu schlie­ßen. Blen­den auch die An­ge­hö­ri­gen die End­lich­keit aus, weil sich kei­ner ger­ne mit dem Ver­lust von Le­ben be­schäf­tigt und lie­ber dem Mys­te­ri­um des Ster­bens ver­schließt“, er­wei­se sich die auf­klä­ren­de Be­glei­tung auch in der An­ge­hö­ri­gen­ar­beit als wich­ti­ger Baustein.

„Tie­re kön­nen die Schock­star­re ein­fach ab­schüt­teln, wir Men­schen spal­ten die in Schock er­starr­ten An­tei­le zum Über­le­ben ab, müs­sen die­se blo­ckier­ten Ener­gi­en aber nach­träg­lich wie­der lö­sen. Wo die na­tür­li­che Wi­der­stands­kraft dies nicht er­mög­li­che, kön­ne ei­ne the­ra­peu­ti­sche Be­glei­tung hel­fen, um in ei­ne fried­vol­le Re­so­nanz des Los­las­sens zu ge­lan­gen. P@ www.ser­pil-tu­e­mer.de

SE®-Trau­ma­the­ra­peu­tin Ser­pil Tü­mer

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