„Exil­re­gie­rung“im Vi­sier

RECHTS­EX­TRE­ME Nie­der­sach­sens Ver­fas­sungs­schutz be­ob­ach­tet „Reichs­bür­ger“

Nordwest-Zeitung - - VORDERSEITE - VON GUNNARS REICHENBACHS, BÜ­RO HAN­NO­VER

Rich­ter und Ge­richts­voll­zie­her war­nen vor der ra­di­ka­len Be­we­gung. Ein er­schos­se­ner Po­li­zist wur­de in Nürn­berg bei­ge­setzt.

HAN­NO­VER – Nie­der­sach­sens Ver­fas­sungs­schutz be­ob­ach­tet in­ten­siv so­ge­nann­te „Reich­bür­ger“, die sich als „Exil­re­gie­rung Deut­sches Reich“in Nie­der­sach­sen ge­grün­det ha­ben. Das geht aus der Ant­wort der Lan­des­re­gie­rung auf ei­ne An­fra­ge der FDP-Land­tags­frak­ti­on her­vor.

Wäh­rend an­de­re „Reichs­bür­ger“laut Ver­fas­sungs­schutz eher als Ein­zel­per­so­nen, Trach­ten­ver­ei­ne oder eso­te­risch ge­präg­te Grup­pen auf­tre­ten, agie­ren die Mit­glie­der der „Reichs­re­gie­rung“deut­lich ge­fähr­li­cher. Rund 25 Per­so­nen rech­net der Ver­fas­sungs­schutz die­ser Grup­pie­rung zu, die die „Re­or­ga­ni­sa­ti­on des Deut­schen Rei­ches in den Gren­zen von 1937 an­strebt“. Die Bun­des­re­pu­blik wird als „Be­sat­zungs­macht“ver­un­glimpft. Die „Exil­re­gie­rung“ver­fügt nach Er­kennt­nis­sen des Ver­fas­sungs­schut­zes über „ver­fes­tig­te Struk­tu­ren“mit re­gel­mä­ßi­gen Tref­fen und Aus­flü­gen. Be­ob­ach­ter stel­len in den letz­ten Jah­ren ei­ne deut­li­che Zu­na­me von Ak­ti­vi­tä­ten fest. Da die­se „Reichs­bür­ger“staat­li­ches Han­deln nicht ak­zep­tie­ren, „sind mög­li­che ge­walt­tä­ti­ge Ak­tio­nen ein­zu­kal­ku­lie­ren“, warnt der Ver­fas­sungs­schutz.

Der Nie­der­säch­si­sche Rich­ter­bund zeigt sich be­sorgt. „Wir brau­chen ei­ne Stra­te­gie, wir wir den ,Reichs­bür­gern‘ ent­ge­gen­tre­ten kön­nen“, sag­te der Vor­sit­zen­de Frank Bor­ne­mann.

Der Deut­sche Ge­richts­voll­zie­her­bund wirft der Po­li­tik vor, die Be­we­gung der „Reichs­bür­ger“zu lan­ge un­ter­schätzt zu ha­ben. Bis­her sei­en Ge­richts­voll­zie­her häu­fig be­lä­chelt wor­den, wenn sie von dem The­ma be­rich­tet oder sich an über­ge­ord­ne­te Stel­len ge­wandt hät­ten. Das sei als Que­ru­lan­ten­tum ab­ge­tan wor­den: „Die Kol­le­gen ha­ben sich häu­fig al­lein ge­las­sen ge­fühlt.“In­zwi­schen ge­be es ei­ne neue Qua­li­tät der Be­dro­hung, sagt ein Ver­bands­spre­cher. Ge­gen Ge­richts­voll­zie­her und de­ren Fa­mi­li­en wer­de zu­neh­mend psy­chi­sche Ge­walt aus­ge­übt. Sie wür­den be­schimpft und be­droht.

Un­ter­des­sen ha­ben am Sams­tag mit ei­nem Trau­er­got­tes­dienst in Nürn­berg An­ge­hö­ri­ge und über 1000 Kol­le­gen von dem 32-jäh­ri­gen Po­li­zis­ten Ab­schied ge­nom­men, der vor ein­ein­halb Wo­chen von ei­nem „Reichs­bür­ger“ge­tö­tet wur­de.

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