De­mo­kra­ten wü­tend auf US-Bun­des­po­li­zei

WAHL­KAMPF FBI er­mit­telt ge­gen Hil­la­ry Cl­in­ton – Do­nald Trump könn­te pro­fi­tie­ren

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG - VON FRIE­DE­MANN DIEDERICHS, BÜ­RO WA­SHING­TON

WA­SHING­TON – Ei­ne gu­te Wo­che vor dem of­fi­zi­el­len Wahl­tag hat das FBI über­ra­schend die Er­mitt­lun­gen in Hil­la­ry Cl­in­tons E-Mail-Af­fä­re wie­der auf­ge­nom­men und mit der Ver­kün­dung die­ses Schrit­tes für er­heb­li­chen Wir­bel im Wahl­kampf-End­spurt ge­sorgt. Da­bei schien ei­gent­lich schon al­les ge­lau­fen: Do­nald Trump lag in fast al­len Um­fra­gen deut­lich hin­ter der De­mo­kra­tin, die vor al­lem vom höchst frag­wür­di­gen Um­gang des Re­pu­bli­ka­ners mit Frau­en pro­fi­tiert hat.

Doch nun stellt sich die Fra­ge, in wel­chem Um­fang die­se spek­ta­ku­lä­re neue Ent­wick­lung Hil­la­ry Cl­in­ton scha­den könn­te. Ihr Ri­va­le Do­nald Trump sprach be­reits da­von, die Af­fä­re sei „schlim­mer als Wa­ter­ga­te“. Cl­in­ton und ih­re Mit­ar­bei­ter wie­der­um for­der­ten das FBI auf, un­ver­züg­lich al­le neu­en Fak­ten voll­stän­dig auf den Tisch zu le­gen, da­mit man Stel­lung be­zie­hen kön­ne.

Das Cl­in­ton-La­ger weiß al­ler­dings genau, dass dies dem FBI nicht bis zum Wahl­tag mög­lich sein wird, da erst Tau­sen­de neu­er E-Mails aus­ge­wer­tet wer­den müs­sen, die von Cl­in­tons engs­ter Ver­trau­ter Hu­ma Abe­din an ih­ren ExEhe­mann Ant­ho­ny Wei­ner ge­schickt wor­den wa­ren. Un­ter die­sen be­fin­den sich of­fen­bar auch Ko­pi­en von Cl­in­ton-EMails, in de­nen Staats­ge­heim­nis­se ent­hal­ten sind.

Der­zeit sträubt sich Be­rich­ten zu­fol­ge noch das US-Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um, das ei­ne Ver­öf­fent­li­chung der neu­en Er­mitt­lun­gen durch FBI-Chef Ja­mes Co­mey un­be­dingt ver­hin­dern woll­te, ge­gen ei­ne Aus­wer­tung der neu­ent­deck­ten Mails. Man be­mü­he sich noch um ei­nen Durch­su­chungs­be­schluss für die Un­ter­su­chung die­ser E-Mails, heißt es beim FBI.

Do­nald Trump hat­te in der Ver­gan­gen­heit stets US-Jus­tiz­mi­nis­te­rin Lo­ret­ta Lynch vor­ge­wor­fen, sie und ihr Par­tei­freund Ba­rack Oba­ma woll­ten ei­ne Straf­ver­fol­gung Cl­in­tons ab­blo­cken. Am Wo­che­n­en­de wies Trump er­neut auch dar­auf hin, dass es ein dann von Re­por­tern ent­deck­tes Ge­heim­tref­fen von Bill Cl­in­ton auf ei­nem Flug­platz im Bun­des­staat Ari­zo­na mit der Jus­tiz­mi­nis­te­rin ge­ge­ben ha­be, kurz be­vor die­se die Ein­stel­lung der Er­mitt­lun­gen ver­kün­det hat­te. Nicht we­ni­ge ver­mu­ten nun, dass der Mi­nis­te­rin vom Ehe­mann der Ver­däch­ti­gen da­mals die Fort­set­zung ih­rer Kar­rie­re in ei­nem zu­künf­ti­gen Cl­in­tonKa­bi­nett ver­spro­chen wur­de.

Am Wo­che­n­en­de kon­zen­trier­te sich die Kri­tik aus dem De­mo­kra­ten-La­ger vor al­lem auf den von Ba­rack Oba­ma ins Amt ge­hol­ten FBI-Di­rek­tor Ja­mes Co­mey. Der Re­pu­bli­ka­ner ha­be mit sei­ner An­kün­di­gung Ge­pflo­gen­hei­ten der Be­hör­de ver­letzt und wol­le of­fen­bar auf den Wahl­aus­gang Ein­fluss neh­men, mut­maß­te Cl­in­tons Chef­ma­na­ger John Po­des­ta. US-Me­di­en er­in­ner­ten al­ler­dings dar­an, wie sehr die De­mo­kra­ten noch vor kur­zer Zeit Co­mey ge­lobt hat­ten, als die­ser die Ein­stel­lung der Er­mitt­lun­gen emp­fahl.

Nach bis­he­ri­gem Kennt­nis­stand be­saß Cl­in­tons wich­tigs­te Hel­fe­rin Hu­ma Abe­din zeit­wei­se min­des­tens vier ver­schie­de­ne E-Mail-Kon­ten – dar­un­ter ei­nes, das sie da­für be­nutz­te, Di­enst-E-Mails nicht über den Ser­ver im Mi­nis­te­ri­um, son­dern den viel kri­ti­sier­ten Pri­vat-Ser­ver im Kel­ler der Cl­in­ton-Vil­la lau­fen zu las­sen. So wur­de ge­schickt die Ar­chi­vie­rungs­pflicht der Be­hör­de um­gan­gen.

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