Fa­ta­les Si­gnal

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG - VON LARS RECKERMANN

Die CDU-Vor­sit­zen­de und Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel kommt En­de nächs­ter Wo­che nicht als Gast­red­ne­rin zum Par­tei­tag der Schwes­ter­par­tei CSU. Es soll kei­nen Streit we­gen der Flücht­lings­po­li­tik auf of­fe­ner Büh­ne ge­ben. Beim CSU-Par­tei­tag im ver­gan­ge­nen Jahr war es auf der Par­tei­tags­büh­ne ja fast zum Eklat ge­kom­men, weil See­ho­fer nach Mer­kels Re­de ih­re Po­li­tik kri­tisch kom­men­tier­te, wäh­rend sie ne­ben ihm stand.

Mein Gott, sie stand ne­ben ihm. Er hat ihr al­so qua­si die Mei­nung ins Ge­sicht ge­sagt. Ja das geht ja gar nicht. Lie­ber hin­ter­rücks Ver­bal­pfei­le ab­feu­ern, dann fällt im Vier-Au­gen-Ge­spräch das „So-ha­be-ich-es-ja-gar-nicht-ge­meint“leich­ter.

Ich bin kein See­ho­fer-Fan. Ich hal­te ihn, an­ders als EUKom­mis­sar Gün­ther Oet­tin­ger, nicht nur für ei­nen „Po­pu­lis­ten light“, son­dern für ei­nen Po­pu­lis­ten, Punkt – es folgt kei­ne ver­nied­li­chen­de Er­gän­zung.

Die­se Aus­la­dung, oder bes­ser Nicht-Ein­la­dung der Kanz­le­rin zum CSU-Par­tei­tag, macht das Di­lem­ma un­se­rer po­li­ti­schen Kul­tur deut­lich. Die Ar­gu­men­te sol­len vor der Wahl bloß nicht öf­fent­lich aus­ge­tauscht wer­den. Bloß kein Streit und schon gar nicht vis-a-vis. Für wie blö­de hal­ten die Unio­nis­ten den Wäh­ler ei­gent­lich? Gleich­wohl: Es sind ja nicht nur die C-Par­tei­en, die so den­ken. Streit in­ner­halb ei­ner Par­tei darf es nicht ge­ben, al­so nicht öf­fent­lich.

Da­bei tä­ten mehr öf­fent­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen in­ner­halb ei­ner Par­tei gut. Das macht die Ar­beit trans­pa­ren­ter und gibt mir die Mög­lich­keit, even­tu­el­le Ent­schei­dun­gen bes­ser nach­voll­zie­hen zu kön­nen.

Ich fin­de das Si­gnal von CSU und CDU fa­tal, ja so­gar be­schä­mend. Wes­sen Mei­nung ich nicht mag, mit dem dis­ku­tie­re ich nicht. Ich brin­ge mei­nen Kin­dern gera­de genau das Ge­gen­teil bei.

@ Den Au­tor er­rei­chen Sie un­ter Reckermann@in­fo­au­tor.de

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