Ein ganz be­son­de­rer Ort zum Ex­pe­ri­men­tie­ren

KO­OPE­RA­TI­ON Das Tei­len von Räu­men spielt ei­ne be­son­de­re Rol­le in dem Pro­jekt

Nordwest-Zeitung - - NIEDERSACHSEN - VON CHRIS­TI­NA STICHT

HAN­NO­VER – Auch bei trü­bem Wet­ter hat das Con­tai­ner­dorf in der Nä­he des Lin­de­ner Ha­fens in Han­no­ver ei­nen be­son­de­ren Charme: Zwi­schen bun­ten Blech­hüt­ten wird ge­wer­kelt, an vie­len Ecken ste­hen selbst ge­bau­te Bän­ke. Das vor gut zwei Jah­ren ge­grün­de­te Platz­pro­jekt sieht sich als Ort zum Ex­pe­ri­men­tie­ren. Für ei­ne Mie­te von mo­nat­lich 60 Eu­ro kön­nen sich hier Krea­ti­ve an­sie­deln. Mit­ma­chen kann je­der mit ei­ner in­no­va­ti­ven Idee, der auch be­reit ist, sich in die Ge­mein­schaft ein­zu­brin­gen. In­zwi­schen ste­hen et­wa zwei Dut­zend Über­seeCon­tai­ner auf dem Ge­län­de ne­ben ei­nem Ska­ter-Park. Das Pro­jekt wird vom Bund ge­för­dert und ist nach An­ga­ben der Initia­to­ren deutsch­land­weit ein­ma­lig.

Das Tei­len von Räu­men spielt ei­ne gro­ße Rol­le. Die Mas­sa­ge­box von Le­na Re­cke­werth zum Bei­spiel kann von Pro­fis und Lai­en ge­bucht wer­den. Das Trek­kers Huus ist ein öko­lo­gi­sches Hos­tel, wo die Über­nach­tungs­gäs­te so viel zah­len kön­nen, wie sie wol­len. Au­ßer­dem gibt es ei­ne ge­mein­sa­me Werk­statt, ein Tat­too-Stu­dio und so­gar ein al­ter­na­ti­ves Be­stat­tungs­in­sti­tut. Der „Kin­der­wa­gen“bie­tet Kin­der­be­treu­ung an, Ko­ope­ra­tio­nen gibt es auch mit Flücht­lings­in­itia­ti­ven.

Die meis­ten Teil­neh­mer sind zwi­schen 20 und 40 Jah­re alt, vie­le gera­de mit dem Stu­di­um fer­tig. Die Mehr­zahl be­treibt das Con­tai­ner-Pro­jekt ne­ben­be­ruf­lich. So geht es den Brü­dern Ke­vin und Erik Höing von der Fahr­rad­ma­nu­fak­tur Pi­ra­te Cy­clex. In zwei über­ein­an­der­ge­sta­pel­ten Con­tai­nern ha­ben sie Werk­statt und Ver­kaufs­raum ein­ge­rich­tet. „Das gan­ze Pro­jekt ist to­tal span­nend. Mit dem Nach­bar, der Surf­bret­ter baut, kann ich mich zum Bei­spiel über Ma­te­ria­li­en aus­tau­schen“, sagt Ke­vin Höing.

In­zwi­schen gibt es auch Was­ser, Strom und so­gar ei­nen In­ter­net-Zu­gang auf dem Ge­län­de. In der Brau­kis­te kön­nen Grup­pen die Kunst des Bier­brau­ens ler­nen. Aus den Rück­stän­den wird Brot ge­ba­cken.

Das Ge­län­de hat der Ver­ein Platz­pro­jekt von der Me­tro AG ge­pach­tet. So­mit ist die Zu­kunft un­ge­wiss. Al­ler­dings hat die Stadt Han­no­ver sich mit dem Un­ter­neh­men in Ver­bin­dung ge­setzt, um „even­tu­el­le Ver­kaufs­ab­sich­ten des Ge­län­des sei­tens der Me­tro AG ab­zu­klä­ren“, wie die Spre­che­rin des Ober­bür­ger­meis­ters er­klärt. Zu­dem wird das Platz­pro­jekt seit März 2014 für drei Jah­re mit ins­ge­samt 120000 Eu­ro vom Bun­des­in­sti­tut für Bau-, Stadt- und Raum­for­schung ge­för­dert. In der Rei­he „Ju­gend.Stadt.La­bor“wur­de es als ei­nes von acht Pro­jek­ten bun­des­weit aus­ge­wählt.

Für Han­no­ver ist das Pro­jekt ein Aus­hän­ge­schild, das zei­ge, dass es vie­le Ko­ope­ra­ti­ons­mög­lich­kei­ten mit der Ver­wal­tung ge­be und ei­ne Kul­tur ge­lebt wer­de, die es jun­gen Krea­ti­ven er­mög­li­che, ih­re Plä­ne um­zu­set­zen. Die Stadt­ver­wal­tun­gen von Bremerhaven und Ham­burg be­such­ten be­reits das Pio­nier­pro­jekt in Han­no­ver. An­ge­sagt ha­ben sich zu­dem vier jun­ge Ar­chi­tek­ten aus dem fran­zö­si­schen Rou­en, die ei­ne Zeit lang im „Ar­tist Re­si­den­cy Con­tai­ner“woh­nen wol­len, um da­nach ei­nen ähn­li­chen Platz in ih­rer Hei­mat­stadt zu grün­den.

DPA-BIL­DER: STRA­TEN­SCHUL­TE

Ke­vin (links) und Eric Höing auf ih­ren Con­tai­nern mit der Fahr­rad­ma­nu­fak­tur Pi­ra­te Cy­clex.

Die Fahr­rad­ma­nu­fak­tur Pi­ra­te Cy­clex von Ke­vin und Eric Höing ist Teil des Pro­jek­tes.

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