„Ich ha­be die Höl­le ge­se­hen“

Schon wie­der ein schwe­res Be­ben in Ita­li­en – Rund 20 Ver­letz­te

Nordwest-Zeitung - - PANORAMA - VON LE­NA KLIMKEIT

Es ist das schwers­te Be­ben seit 1980. Vie­le Men­schen ver­lie­ren al­les, kom­men aber wie durch ein Wun­der mit dem Le­ben da­von.

NOR­CIA – Sie kni­en auf den hel­len St­ei­nen auf der Piaz­za San Be­nedet­to, die Hän­de ge­fal­tet, den Blick auf ih­re Kir­che ge­rich­tet. Bes­ser ge­sagt auf das, was nach dem schwe­ren Erd­be­ben am Sonn­tag­mor­gen von dem ma­le­ri­schen Bau aus dem 14. Jahr­hun­dert noch üb­rig ist. In ih­rem Ge­bet dürf­ten die Be­woh­ner des klei­nen Or­tes Nor­cia in Mit­tel­ita­li­en Gott dan­ken, dass sie das schwers­te Erd­be­ben im Land seit 1980 über­lebt ha­ben. Auch wenn um sie her­um nicht mehr vie­les steht.

„Wir sind da­von­ge­kom­men“, sagt ei­ne klei­ne, äl­te­re Non­ne ei­nem Fern­seh­sen­der. „Wir sind al­le bes­ter Ge­sund­heit.“Ein Ka­ta­stro­phen­hel­fer zieht mit ihr von dan­nen. Ent­lang des Hau­ses ne­ben den bei­den türmt sich der Schutt. Das Zen­trum des Be­bens mit ei­ner Stär­ke von 6,5, das die Be­woh­ner in der Re­gi­on süd­öst­lich von Peru­gia am Sonn­tag ge­gen 7.40 Uhr auf­schreck­te, lag nur we­ni­ge Ki­lo­me­ter von Nor­cia ent­fernt.

Die Re­gi­on kommt nicht zur Ru­he, auf Erd­be­ben folgt Erd­be­ben: Nicht ein­mal ei­ne Wo­che sind die letz­ten Erd­stö­ße in der ber­gi­gen Re­gi­on her, da wer­den die Be­woh­ner er­neut zu To­de er­schreckt. Das Zen­trum liegt nur et­was wei­ter nörd­lich von der Ge­gend, die bei dem ver­hee­ren­den Be­ben am 24. Au­gust ver­wüs­tet wur­de. Im Som­mer star­ben dort fast 300 Men­schen, die meis­ten von ih­nen in dem Bergstädt­chen Ama­tri­ce.

Die­ses Mal wer­den rund 20 Men­schen ver­letzt, zu­nächst gibt es kei­ne Be­rich­te über To­te. Auch wenn der Zi­vil­schutz noch nicht aus­schlie­ßen kann, dass es Ver­schüt­te­te un­ter den Trüm­mern gibt: Es scheint, als sei­en die al­ler­meis­ten am Sonn­tag mit dem Schre­cken da­von­ge­kom­men.

Und die Angst bleibt: „Die Men­schen sind in Pa­nik“, hört man den Bür­ger­meis­ter Ser­gio Pi­roz­zi am Sonn­tag im Ra­dio sa­gen. In Ama­tri­ce hat der schwe­re Erd­stoß nun ei­nen Kirch­turm zum Ein­sturz ge­bracht. An Wie­der­auf­bau ist auch hier nicht zu den­ken. „Wir wis­sen gar nicht, wie wir wei­ter­ma­chen sol­len“, sagt ein Be­trof­fe­ner dem Ra­dio­sen­der Rai. „Es ist ei­ne dra­ma­ti­sche Si­tua­ti­on“, be­rich­tet ein an­de­rer. „Die Er­de hat sich ge­öff­net“, wird der Bür­ger­meis­ter der Stadt Cas­tel­s­ant­an­ge­lo sul Ne­ra, Mau­ro Fal­cuc­ci, von der Zei­tung „La Re­pubb­li­ca“zi­tiert.

„Es ist al­les ein­ge­stürzt“, sagt der Bür­ger­meis­ter von Us­si­ta, Mar­co Ri­nal­di, der Nach­rich­ten­agen­tur An­sa. „Ich se­he ei­ne Rauch­säu­le, es ist ein De­sas­ter, ein De­sas­ter! Ich ha­be im Au­to ge­schla­fen und die Höl­le ge­se­hen.“

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