At­lan­tik­schlacht for­dert 100 000 To­te Die Al­li­ier­ten re­agier­ten mit Ge­leit­zug­tak­tik: Kriegs­schif­fe schütz­ten die Schiffs­ver­bän­de. Die Wen­de im U-Boot-Krieg brach­ten zu­dem das Ra­dar und die De­chif­frie­rung des deut­schen UBoot-Co­des „Enig­ma“.

DAS BOOT Mit U-Boot-An­grif­fen auf al­li­ier­te Schif­fe will Na­zi-Deutsch­land die Ver­sor­gung En­g­lands kap­pen

Nordwest-Zeitung - - IM NORDWESTEN - VON GER­RIT REI­CHERT

OL­DEN­BURG – „8000 BRT Pas­sa­gier­damp­fer, 5000 BRT sin­kend ge­horcht“. Das Zähl­maß der U-Boot-Waf­fe wa­ren die ver­senk­ten Brut­to­re­gis­ter­ton­nen (BRT): Flug­zeu­ge, Fahr­zeu­ge, Kriegs­ma­te­ri­al al­ler Art, Roh­stof­fe, Treib­stoff.

Hin­ter dem heu­ti­gen Ta­ge­buch­ein­trag Fried­rich Gra­des steht kon­kret die Ver­sen­kung der „Ben­ne­kom“: Acht Men­schen ster­ben, 47 über­le­ben. Von De­zem­ber 1940 bis März 1942 ver­senkt U 96 un­ter dem Kom­man­do von Ka­pi­tän­leut­nant Hein­rich Leh­mann-Wil­len­brock 26 Schif­fe mit ins­ge­samt 215000 BRT. Da­bei ster­ben min­des­tens 1278 Men­schen, min­des­tens 1511 über­le­ben.

Im­mer mehr U-Boo­te

Seit dem Kriegs­ein­tritt En­g­lands und Frank­reichs am 3. Sep­tem­ber 1939 ist es er­klär­tes Ziel der deut­schen Ma­ri­ne­füh­rung, die See­ver­sor­gung des eng­li­schen Mut­ter­lan­des aus sei­nen Ko­lo­ni­en vor al­lem mit­tels der U-Boo­te zu zer­stö­ren. Zu Kriegs­be­ginn ste­hen da­für nur ein Dut­zend U-Boo­te zur Ver­fü­gung. Das VII C-Boot wird erst ab Som­mer 1940 in Di­enst ge­stellt, U96 war das vier­te über­haupt. En­de 1940 be­steht die deut­sche U-Boot-Waf­fe aus 25 Boo­ten, von de­nen im Schnitt acht Boo­te „am Feind“stan­den, wie es da­mals hieß.

Im Zei­t­raum Ju­li bis No­vem­ber 1940 wird der My­thos der deut­schen U-Boot-Waf­fe ge­bo­ren. Die sehr klei­ne An­zahl von Boo­ten ver­senkt 217 Han­dels­schif­fe, nur zwei UBoo­te wer­den ver­senkt. In Fol­ge stellt die bri­ti­sche Ma­ri­ne­füh­rung auf die Ge­leit­zug­tak­tik um: Kriegs­schif­fe und Flie­ger flan­kie­ren die Schiffs­ver­bän­de und sol­len so die Si­cher­heit der für En­g­land le­bens­wich­ti­gen Trans­por­te er­hö­hen.

Ho­he Ver­lus­te

Da die USA En­g­land mit Schif­fen und Ma­te­ri­al mas­siv un­ter­stüt­zen, ver­la­gert sich der U-Boot-Krieg von den eng­li­schen Ho­heits­ge­wäs­sern in den Nord­at­lan­tik. Hier steht ei­ner ste­tig stei­gen­den An­zahl von deut­schen U-Boo­ten ein ste­tig stei­gen­des Vo­lu­men al­li­ier­ter Trans­por­te ge­gen­über. En­de 1941, dem Kriegs­ein­tritt der USA, ope­rie­ren 81 deut­sche U-Boo­te im At­lan­tik, ei­nes von ih­nen ist U96. Ins­ge­samt be­trägt ih­re An­zahl jetzt 288, von de­nen 122 ein­satz­fä­hig sind.

Im Herbst 1942 wird der Hö­he­punkt der At­lan­tik­schlacht er­reicht. Der No­vem­ber ist mit 700000 BRT ver­senk­ter Ton­na­ge der Mo­nat mit der höchs­ten Ver­sen­kungs­und Ver­nich­tungs­ra­te. Je­des sieb­te U-Boot geht da­bei ver­lo­ren.

In­ten­siv ar­bei­ten die Al­li­ier­ten an ih­rer mi­li­tä­ri­schen Ru­del­tak­tik, der Ent­wick­lung des Ra­dars und an der De­chif­frie­rung des deut­schen UBoot-Co­des „Enig­ma“zur ab­hör­si­che­ren Kom­mu­ni­ka­ti­on. Ab Mai 1943 ist der Co­de ge­knackt, das Ra­dar ent­wi­ckelt und die star­ke Ge­leit­zug­si­che­rung den deut­schen An­grei­fern über­le­gen.

In Fol­ge sin­ken die deut­schen Ver­sen­kungs­zah­len bei si­gni­fi­kan­tem An­stieg der UBoots-Ver­lus­te, die Schlacht um die Ver­sor­gung En­g­lands ist zu­guns­ten der Al­li­ier­ten ent­schie­den.

Der Ta­ge­buch­ein­trag des 31. Ok­to­ber 1941 „8000 BRT Pas­sa­gier­damp­fer, 5000 BRT sin­kend ge­horcht“ist ein Ein­zel­wert, der sich bis Kriegs­en­de auf ins­ge­samt 14333082 BRT sum­mie­ren wird. Mehr als 100000 Men­schen ver­lie­ren auf 2882 al­li­ier­ten Fracht­schif­fen, 175 al­li­ier­ten Kriegs­schif­fen und 784 deut­schen U-Boo­ten ihr Le­ben – weil ei­ne na­tio­nal­so­zia­lis­ti­sche Reichs­re­gie­rung mit ih­ren fa­schis­ti­schen Bünd­nis­part­nern Ita­li­en und Ja­pan der üb­ri­gen Welt ei­nen ver­bre­che­ri­schen Krieg er­klärt hat­te.

BIL­DER: DEUT­SCHES U-BOOT-MU­SE­UM/U-BOOT-AR­CHIV CUX­HA­VEN-ALTENBRUCH/FOTOLIA

Blick von U 96 auf ein tor­pe­dier­tes Schiff.

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