Mit spit­zer Fe­der ge­gen den Tod

HU­MOR Ka­ri­ka­tu­ren­band „Der letz­te Str(e)ich“zu Ster­ben und Be­stat­tung

Nordwest-Zeitung - - KULTUR - VON SA­BI­NE KLEYBOLDT

Men­schen ver­such­ten im­mer schon, dem Sen­sen­mann ein Schnipp­chen zu schla­gen. Ein mit­un­ter un­ter­halt­sa­mes Un­ter­fan­gen, wie ein Ka­ri­ka­tu­ren­band zeigt.

DÜS­SEL­DORF – „Ich schaff’ es lei­der nicht al­les“, meint der di­nie­ren­de To­des­kan­di­dat zum Scharf­rich­ter. „Wür­den Sie mir den Rest bit­te ein­pa­cken?“Die Ka­ri­ka­tur „Hen­kers­mahl­zeit“von Axel Bier­wolf of­fen­bart ganz spe­zi­el­len Gal­gen­hu­mor. Zu fin­den ist sie im Buch „Der letz­te Str(e)ich – Ka­ri­ka­tu­ren zu Tod und Be­stat­tung“. Die 93 Blät­ter von fünf Künst­lern zei­gen nicht nur wit­zi­ge bis bit­ter­bö­se Car­toons rund um Sen­sen­mann und Co., son­dern wer­fen auch ein kri­ti­sches Licht auf den Um­gang der Deut­schen mit der „Ent­sor­gung“ih­rer lie­ben Verb­li­che­nen.

So spießt die Zeich­ne­rin Kirs­ten van Al­phen den Trend zu an­ony­men Be­stat­tun­gen auf: „Oma hät­te heu­te Ge­burts­tag, aber ich weiß nicht genau, wo sie liegt“, sagt ein Mäd­chen, das auf ei­nem Ur­nen­feld plan­los Blu­men ver­teilt. Kom­men­tar der Künst­le­rin: „Ist es für An­ge­hö­ri­ge wirk­lich ei­ne Last, ei­nen kon­kre­ten Ge­denk­ort für die Ver­stor­be­nen zu ha­ben? Ein Gr­ab ist mehr Ent­las­tung als Be­las­tung.“

Die aus der „Frank­fur­ter All­ge­mei­nen Zei­tung“be­kann­ten Ka­ri­ka­tu­ris­ten Gre­ser & Lenz war­nen vor bö­sen Über­ra­schun­gen bei der „Su­per­spar­preis“-Be­er­di­gung: „Das Loch müs­sen Sie schon sel­ber gra­ben“, meint der To­ten­grä­ber, als er den Trau­ern­den Schau­fel und Ha­cke aus­hän­digt.

Axel Bier­wolf greift in „QRMa­nia“den Trend zu In­ter­net-Co­des auf Gr­ab­stei­nen auf. „Du, das ist tat­säch­lich Va­ters Gr­ab“, staunt ein Mann auf dem Fried­hof. Von Kirs­ten van Al­phen stammt wie­der­um die Idee des „Sar­go­mat“: Man führt in das Au­to­ma­ten­fach den Ver­stor­be­nen ein und hat bei der „Ver­pa­ckung“die Wahl zwi­schen Ei­che rus­ti­kal, Fich­te mo­dern, Alu­mi­ni­um und schwar­zem Lack.

Das ent­spricht selbst­ver­ständ­lich nicht dem Ethos der Bran­che, wie die Her­aus­ge­ber vom Fach­ver­lag des Be­stat­tungs­ge­wer­bes be­to­nen. Aber so­viel ist klar: Ster­ben ist zwar ei­ne erns­te An­ge­le­gen­heit, doch hat es ei­ne „be­frei­en­de Kraft, dem Tod ins An­ge­sicht zu la­chen“, sagt Oli­ver Wirth­mann, Ge­schäfts­füh­rer des Ku­ra­to­ri­ums Deut­sche Be­stat­tungs­kul­tur. „Der Hu­mor an­ge­sichts des To­des hat­te zu al­len Zei­ten sei­ne Be­rech­ti­gung und darf auch in Zu­kunft sei­nen Platz nicht ver­lie­ren, nur um dem zu­neh­men­den und frag­wür­di­gen Hang zu po­li­ti­scher Kor­rekt­heit und Ab­wä­gung nach al­len Sei­ten Rech­nung zu tra­gen.“

Wie sich die tra­di­tio­nel­le To­des­sym­bo­lik in der Kunst hin zur ka­ri­kie­ren­den Darstel­lung ent­wi­ckelt hat, skiz­zier­te schon die Kunst­his­to­ri­ke­rin An­ne-Ma­rie Wer­ner. Im Mit­tel­al­ter ge­winnt dem­nach der Tod durch re­li­giö­se Vor­stel­lun­gen sei­nen bild­li­chen Aus­druck als Sie­ger oder Be­sieg­ter. Auf sol­che Al­le­go­ri­en stütz­ten sich die Ka­ri­ka­tu­ris­ten des 20. Jahr­hun­derts. Die Rea­li­tät von zwei Welt­krie­gen, die po­ten­zi­el­le Ver­nich­tung der Mensch­heit durch die Atom­bom­be oder die Ver­brei­tung von Aids ha­be dann ei­nen frucht­ba­ren Bo­den für die Ka­ri­ka­tur ge­bo­ten.

„Der letz­te Str(e)ich“fo­kus­siert auf den ge­sell­schaft­li­chen Um­gang mit den letz­ten Din­gen und will nach­denk­lich ma­chen, wie die Her­aus­ge­ber er­läu­tern. So wie et­wa die Ka­ri­ka­tur „Um­zugs­plä­ne“von Kirs­ten van Al­phen: „Ich räum’ schon mal ein“, sagt der En­kel zur sie­chen Groß­mut­ter. „Ma­ma sagt, du stirbst bald, dann krieg’ ich dein Zim­mer.“

Der Band „Der letz­te Str(e)ich – Ka­ri­ka­tu­ren zu Tod und Be­stat­tung“, hrsg. von Oli­ver Wirth­mann und Eva Schmidt, Fach­ver­lag des Be­stat­tungs­ge­wer­bes, Düs­sel­dorf, 206 S., 93 Ab­bil­dun­gen, in­klu­si­ve CD mit al­len Ab­bil­dun­gen, 54,50 Eu­ro.

BILD: FVB

Ka­ri­ka­tu­ren von wit­zig bis bit­ter­bö­se: „Ei­ner geht noch“von Ari Pli­kat (Tu­sche und di­gi­tal) aus dem Band „Der letz­te Str(e)ich“

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