LEU­TE VON HEU­TE

Nordwest-Zeitung - - STADT OLDENBURG -

Des­we­gen hör­te auch Je­hu­di ihr zu, ob­wohl er im­mer noch ver­wirrt war und in Sor­ge und in Ge­dan­ken bei Ab­ad­don und dem schutz­lo­sen Ka­ter und dem Hund.

„Je­hu­di aber“, fuhr Uri­el fort, und jetzt wur­de ihr Ge­sicht um ei­ne Schat­tie­rung dunk­ler, „Je­hu­di hat Hil­fe bei Ab­ad­don ge­sucht.“

Die an­de­ren Er­z­en­gel hol­ten tief Luft und sa­hen er­schro­cken zu ihm hin­über.

„Ab­ad­don ist . . . er ist nicht mehr, der er war!“, rief Je­hu­di, aber er hör­te selbst, wie flach sich das hier oben auf ein­mal an­hör­te.

„Wir al­le kön­nen nicht lü­gen“, nahm Uri­el wie­der das Wort, „des­we­gen wis­sen wir, dass Je­hu­di genau das glaubt. Aber Ab­ad­don ist ei­ner der mäch­tigs­ten Dä­mo­nen­fürs­ten der Höl­le. Wie wahr­schein­lich ist es, dass er dem Him­mel die­nen will? Und wie wahr­schein­lich ist es da­ge­gen, dass all dies von An­be­ginn an ein per­fi­der, aus­ge­klü­gel­ter Plan des Fürs­ten der Dun­kel­heit ist, um die Apo­ka­lyp­se zu ent­fes­seln?“

Wulf in Me­di­en­an­stalt

Der frü­he­re Land­tags­ab­ge­ord­ne­te Wolf­gang Wulf (SPD) ist in die Ver­samm­lung der Nie­der­säch­si­schen Lan­des­me­di­en­an­stalt (NLM) be­ru­fen wor­den. Zum ers­ten Mal nach der Än­de­rung des Me­di­en­ge­set­zes sei jetzt auch ein Ver­tre­ter der Bür­ger­sen­der ver­tre­ten, teil­te die Ge­schäfts­füh­re­rin von Oeins, Wieb­ke Schnei­de­wind, mit. Zu den Je­hu­di war ein En­gel. Er rief nicht ein­fach em­pört Nein. Er über­leg­te, ob Uri­el recht ha­ben konn­te. Ob wirk­lich al­les nur ein von An­be­ginn ge­plan­tes Spiel ge­we­sen war, in das er sich hat­te hin­ein­zie­hen las­sen. Und war es nicht so, wie er sel­ber ge­sagt hat­te: Ab­ad­don konn­te lü­gen. Er nicht. Sei­ne Ge­dan­ken wir­bel­ten licht­schnell, aber sie wir­bel­ten im Kreis. Es konn­te so sein, wie Uri­el sag­te. Es konn­te aber auch sein, dass . . .

In die­sem Au­gen­blick un­ter­brach Uri­el sei­ne Über­le­gun­gen. Ih­re Stim­me hob sich jetzt wie ein sehr gro­ßer Vo­gel und füll­te den Him­mel. „Die Schöp­fung ist aus den Fu­gen“, sag­te sie, „des­halb öff­nen sich die Pfor­ten. Nichts ist, wie es war. Ei­ne See­le ist ver­lo­ren ge­gan­gen. Die Apo­ka­lyp­se naht. Aber Gott der Herr“, klang es jetzt wie ein all­um­fas­sen­der Sturm, „Gott der Herr ist ge­kom­men, nur um uns zu ver­las­sen. Die Po­sau­ne ist er­schol­len. Das Buch wird ge­öff­net. Die Sie­gel wer­den ge­bro­chen. Aber Gott der Herr ruht wie am sieb­ten Tag. Er ruht, Auf­ga­ben der Me­di­en­an­stalt ge­hört un­ter an­de­rem die Zu­las­sung pri­va­ter Rund­funk­ver­an­stal­ter. Die kon­sti­tu­ie­ren­de Sit­zung hat­te am 21. Sep­tem­ber statt­ge­fun­den.

Stif­tun­gen in Sor­ge

Droht Stif­tun­gen in Deutsch­land die Al­ters­ar­mut? – un­ter die­sem The­ma stand ei­ne Dia­log-Ver­an­stal­tung der Stif­tun­gen Nord-West. Die und wir sind al­lein im An­ge­sicht des Wel­ten­des.“

Nicht nur He­le­na war jetzt voll­kom­men durch­ein­an­der. Auch die an­de­ren Er­z­en­gel wirk­ten so, als kä­me ih­nen jetzt erst zu Be­wusst­sein, dass Uri­el recht hat­te. Al­le See­len blick­ten sich su­chend um. Je­hu­di hat­te zum ers­ten Mal in sei­nem Da­sein als En­gel das Ge­fühl, als ver­lö­re er die Ge­wiss­heit des Glau­bens, und das ist wohl das Schlimms­te, was ei­nem En­gel pas­sie­ren kann, der ei­gent­lich weiß und nicht glaubt.

„Und weil aber“, fuhr Uri­el fort, und ih­re Stim­me war wie ein mäch­ti­ger Cho­ral, dem sich nie­mand ent­zie­hen konn­te, „weil aber die gött­li­che Ord­nung Be­stand ha­ben muss, ist es das Eben­bild Got­tes, das uns lei­ten wird, die Schöp­fung zu be­wah­ren.“

Nicht ein­mal Je­hu­di ver­stand, was Uri­el mein­te, als EWE Stif­tung ver­an­stal­tet das Fo­rum in Ko­ope­ra­ti­on mit der OLB Treu­hand­stif­tung We­serEms seit 2007. Ne­ben den Aus­wir­kun­gen des de­mo­gra­fi­schen Wan­dels auf Stif­tungs­und Ver­eins­gre­mi­en war die an­hal­ten­de Nied­rig­zins­po­li­tik ein Schwer­punkt. Die Ex­per­ten Lutz Strat­mann (Nie­der­säch­si­sche De­mo­gra­fie­agen­tur) und Dirk Schau­er (CMS Ha­sche Sig­le) lie­fer­ten Im­puls­vor­trä­ge. He­le­na sich von Uri­els Hand in die Mit­te des Krei­ses ge­scho­ben fühl­te, dort eben­so ver­wirrt wie er stand und erst zu ah­nen be­gann, als Uri­el sie an­sah, kühl wie stets, und dann in ei­ner Dre­hung um sich selbst, die den ge­sam­ten Him­mel ein­schloss, ru­hig und al­les durch­drin­gend be­fahl: „Beugt die Knie wie einst, als Gott den Men­schen schuf. Beugt die Knie vor der Her­rin der Herr­lich­keit, dem Eben­bild Got­tes.“

He­le­na, so, wie Gott sie wohl er­schaf­fen hat­te, sah, wie rings­um­her al­le We­sen in Nicht­be­grei­fen er­starrt wa­ren und sich ein be­klem­men­des Schwei­gen aus­dehn­te. Nie­mand rühr­te sich. Nie­mand, selbst Je­hu­di nicht, woll­te be­grei­fen, was Uri­el eben von ih­nen ge­for­dert hat­te. Es war nichts an­de­res als die größ­te Hä­re­sie von al­len. Es war der Ab­fall von Gott. He­le­na such­te, im­mer noch in ei­nem Ge­fühl un­ge­heu­rer Un­wirk­lich­keit ge­fan­gen, Je­hu­dis Blick, der aber selbst wie be­täubt im Rund stand und ihn nicht er­wi­dern konn­te. Da trat Uri­el vor He­le­na hin, blick­te sie mit ih­ren küh­len, grau­en Au­gen durch­drin­gend an, neig­te dann den Kopf und sank in groß­ar­ti­ger An­mut fast schwe­re­los vor ihr in die Knie. Ei­ne Se­kun­de spä­ter be­gann ein Rau­schen im Him­mel, ein im­mer stär­ker wer­den­des Rau­schen wie von ei­ner un­ge­heu­ren Wel­le bis zu dem Au­gen­blick, wenn sie, hoch auf­ge­türmt, zu bre­chen be­ginnt, als al­le See­len, al­le En­gel und al­le Er­z­en­gel in im­mer wei­te­ren Krei­sen vor He­le­na nie­der­knie­ten.

Al­le au­ßer Je­hu­di, der un­be­ach­tet von al­len an He­le­na und Uri­el vor­bei­ging und Micha­els Flam­men­schwert von der Gar­de­ro­be nahm.

Nürn­berg „Äh, und jetzt?“, frag­te The­re­sa nicht be­son­ders geist­reich.

Ab­ad­don, mit Kurt Mül­ler im Arm, sah hoch zur Mau­er­kro­ne, auf der Mo­ham­mad, Abu und The­re­sa hock­ten und sich an­ein­an­der fest­hiel­ten, um nicht in den Gar­ten hin­un­ter­zu­fal­len. Mit Aus­nah­me von The­re­sa war das ein ziem­lich stu­pi­des Ver­hal­ten, denn au­ßer ihr konn­te aus ver­schie­de­nen Grün­den kei­ner der an­de­ren mehr durch ei­nen Un­fall ster­ben. Ab­ad­don war durch sei­ne lan­ge Ver­ban­nung nicht so sehr an stu­pi­des mensch­li­ches Ver­hal­ten ge­wöhnt wie Je­hu­di, des­halb schnapp­te er kurz an­ge­bun­den, dass sie al­le die­sen Blöd­sinn las­sen soll­ten. Der Ka­ter kratz­te wild an sei­nen Ar­men. Er woll­te of­fen­sicht­lich wie­der zu sei­ner Kat­ze oder zu­min­dest auf den Bo­den. Ab­ad­don hielt ihn noch fes­ter und gab ihm ei­nen un­ge­dul­di­gen Klaps auf den Kopf, was aber nicht da­zu führ­te, dass Kurt sei­ne Kral­len ein­zog. Ganz im Ge­gen­teil fauch­te er wild, und sein Schwanz schlug hin und her. Es war klar, dass er von dem Dä­mo­nen­fürs­ten we­nig be­geis­tert war.

BILD: PIET MEY­ER

Hat­ten in Lam­ber­ti das Wort (v.l.): Dr. Cor­du­la Weiß­köp­pe, Ni­gar Yar­dim, An­net­te-Chris­ti­ne Lenk, Dr. Andrea Schrimm-Heins, Dr. Cor­ne­lia Johns­dorf, Prof. Dr. Ur­su­la Rud­nick, Ga­b­rie­le Rüsch-Till­manns, Ed­da Bos­se und Sa­bi­ne Schi­cke

BILD: ASSANIMOGHADDAM

Stif­tungs­er­fah­ren: Schau­er Dirk

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