Grü­ne wol­len Zir­kus oh­ne ge­fähr­li­che Tie­re

An­trag f6r Um­welt­aus­schuss – Stadt Ha­meln ver­liert Rechts­streit

Nordwest-Zeitung - - STADT OLDENBURG - VON THOMAS HUSMANN

OL­DEN­BURG – Ol­den­burg ge­nießt bei Zir­kus­un­ter­neh­men ei­nen gu­ten Ruf. Ein Gast­spiel an der Hun­te ga­ran­tiert gu­te Be­su­cher­zah­len. Das macht die Stadt at­trak­tiv für Auf­trit­te auch gro­ßer Un­ter­neh­men mit klang­vol­len Na­men.

Das könn­te sich bald än­dern. Auf An­trag der Grü­nen sol­len nur noch Zir­kus­se auf städ­ti­schen Flä­chen gas­tie­ren dür­fen, die kei­ne Wild­tie­re mit­füh­ren, von de­nen ei­ne Ge­fahr in- und/oder au­ßer­halb der Ein­rich­tung aus­geht oder für die ei­ne art­ge­rech­te Un­ter­brin­gung nicht mög­lich ist. „Wild­tie­re in die­sem Sin­ne sind ins­be­son­de­re Bä­ren, Ele­fan­ten, Fluss­pfer­de, Af­fen (nicht-mensch­li­che Pri­ma­ten), Nas­hör­ner, Groß­kat­zen, Ge­par­den, Pu­mas und Gi­raf­fen, heißt es in dem Grü­nen­An­trag für den nächs­ten Um­welt­aus­schuss (Don­ners­tag, 10. Au­gust, 17 Uhr, Al­tes Rat­haus). Die Ver­wal­tung wird um ei­ne Recht­s­ein­schät­zung ge­be­ten. In der Ver­gan­gen­heit hat­te sich die Tier­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Pe­ta so­gar ve­he­ment ge­gen den Auf­tritt von Tie­ren in Zir­kus­sen aus­ge­spro­chen. Bald Ge­schich­te? Die Grü­nen wol­len Gast­spie­le von Zir­kus­sen mit ge­fähr­li­chen Tie­ren ver­bie­ten.

Wild­tie­re kön­nen nach Ein­schät­zung der Grü­nen in rei­sen­den Be­trie­ben prak­tisch nicht tier­ge­recht ge­hal­ten wer­den. Die Hal­tungs­an­for­de­run­gen für Wild­tie­re sei­en an­spruchs­voll. Da­her ha­be der Bun­des­rat be­reits 2003, 2011 und 2016 je­weils ei­ne Ent­schlie­ßung für ein Ver­bot von Wild­tie­ren in Zir­kus­be­trie­ben ge­fasst. Mehr als 70 Städ­te hät­ten be­reits Be­schlüs­se ver­ab­schie­det, wo­nach öf­fent­li­che Ein­rich­tun­gen und Flä­chen Zir­kus­be­trie­ben mit Wild­tie­ren nicht mehr zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den. „18 eu­ro­päi­sche Län­der, dar­un­ter

die Nie­der­lan­de, Ös­ter­reich und Bel­gi­en, ha­ben aus Grün­den des Tier­schut­zes be­reits be­stimm­te Tier­ar­ten im Zir­kus ver­bo­ten“, tei­len die Grü­nen wei­ter mit.

Hin­ter­grund des Vor­sto­ßes der Grü­nen ist ein Rechts­streit zwi­schen der Stadt Ha­meln und dem Zir­kus Knie. Das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Lü­ne­burg hat­te mit Be­schluss vom 2. März 2017 ( Az.: 10 ME 4/17) ent­schie­den, dass ei­ne Kom­mu­ne ei­nem rei­sen­den Zir­kus­un­ter­neh­men, das über ei­ne tier­schutz­recht­li­che Er­laub­nis zum Mit­füh­ren von Wild­tie­ren ver­fügt, nicht die Gast­spiel­erlaub­nis Zir­ku­s­auf­füh­rung ver­sa­gen darf.

Der Rat der Stadt Ha­meln hat­te am 15. Ju­ni 2016 dem­ge­gen­über be­schlos­sen, dass kom­mu­na­le Flä­chen nur noch für Zir­kus­be­trie­be zur Ver­fü­gung ge­stellt wer­den sol­len, die kei­ne Tie­re wild­le­ben­der Ar­ten (wie Ze­bras, La­mas und Kän­gu­rus) mit sich füh­ren.

Nach Ein­schät­zung der Ham­bur­ger Rechts­an­wäl­te Gün­ther kön­nen sich die Ge­mein­den al­ler­dings dar­auf zu­rück­zie­hen, „Zir­kus­se mit sol­chen Wild­tie­ren von der Nut­zung kom­mu­na­ler öf­fent­li­cher Ein­rich­tun­gen aus­zu­schlie­ßen, die po­ten­zi­ell ge­fähr­lich sind. Hier­bei han­delt es sich um Ele­fan­ten, Groß­bä­ren, Nas­hör­ner, Fluss­pfer­de, Af­fen (nicht-mensch­li­che Pri­ma­ten). Dar­über hin­aus geht auch von Groß­kat­zen (al­so Lö­wen, Ti­ger, Leo­par­den, Ja­gua­re) so­wie Ge­par­den und Pu­mas ein ho­hes Ge­fah­ren­po­ten­zi­al aus, wie sich et­wa aus Ge­fahr­tier-Ver­ord­nun­gen auf Bun­des­land- und Kom­mu­nal­ebe­ne er­gibt“, heißt es in ei­ner Stel­lung­nah­me der Kanz­lei. für ei­ne aus tier­schutz­recht­li­chen Grün­den

BILD/AR­CHIV: TORS­TEN VON REEKEN

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