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Nordwest-Zeitung - - MEINUNG - VON HANS BEGEROW @ Den Au­tor er­rei­chen Sie un­ter Begerow@in­fo­au­tor.de

Die Ne­ben­ein­künf­te von Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten sind ver­öf­fent­li­chungs­pflich­tig. Lei­der sind die Re­geln, nach de­nen das ge­sche­hen muss, nicht wirk­lich hilf­reich. Die Ab­ge­ord­ne­ten müs­sen ih­re Ne­ben­ein­künf­te in Ka­te­go­ri­en an­ge­ben mit Mi­ni­mal- und Ober­gren­zen. Die ge­naue Sum­me wis­sen nur sie selbst. Und dass bei Land­wir­ten die Um­sät­ze an­ge­ge­ben wer­den, er­höht die Trans­pa­renz auch nicht. Un­ter­neh­mensum­sät­ze sind nicht wie Auf­sichts­ratstan­tie­men zu be­han­deln. Das ver­zerrt das Bild. Es schürt auch den Neid.

Was aber die Bür­ger in­ter­es­siert, sind An­ga­ben über wirt­schaft­li­che Ver­flech­tun­gen. Wenn et­wa die Bun­des­tags­prä­si­den­tin Ul­la Schmidt (SPD) als Ver­wal­tungs­rä­tin der Schwei­zer Phar­ma­fir­ma Sieg­fried Hol­ding im Mo­nat mehr als 3500 Eu­ro er­hält oder Bun­des­tags­prä­si­dent Nor­bert Lam­mert (CDU) und der Ab­ge­ord­ne­te Joachim Poß (SPD) von der Ruhr­koh­le AG für ih­re Auf­sichts­rat­s­tä­tig­keit jähr­lich zwi­schen 30 000 und 60 000 Eu­ro pro Jahr er­hal­ten. Schmidt, das wä­re der Vor­wurf, kann als ehe­ma­li­ge Ge­sund­heits­mi­nis­te­rin dem Phar­ma­kon­zern nütz­li­che In­for­ma­tio­nen ver­schaf­fen.

Die gan­ze The­ma­tik ver­dient ei­ne dif­fe­ren­zier­te Be­trach­tung. Et­was an­de­res als Ein­künf­te aus Lob­by-Tä­tig­keit sind die Sum­men, die die Selbst­stän­di­gen im Bun­des­tag er­hal­ten. Sie ha­ben Fir­men ge­grün­det oder sich als An­wäl­te oder Un­ter­neh­mer ei­ne Exis­tenz auf­ge­baut. Die kön­nen sie nicht von ei­nem auf den an­de­ren Tag auf­ge­ben, oh­ne ih­re spä­te­re Exis­tenz nach ei­nem Aus­schei­den aus dem Par­la­ment zu ge­fähr­den. Und das wä­re ge­nau der Punkt, der ge­än­dert wer­den müss­te. Für die Zeit nach ih­rer Par­la­ment­s­tä­tig­keit er­hal­ten die Ab­ge­ord­ne­ten üp­pi­ge Pen­sio­nen. Ge­gen ei­ne üp­pi­ge Be­zah­lung wäh­rend ih­rer Par­la­ments­zu­ge­hö­rig­keit spricht nichts. Ei­ne reich­li­che Be­zah­lung ver­hin­dert, dass sie Ver­lo­ckun­gen er­lie­gen. Sie soll­ten aus ih­ren Diä­ten ih­re Al­ters­vor­sor­ge be­strei­ten. War­um nach kur­zer par­la­men­ta­ri­scher Tä­tig­keit aber Pen­si­ons­an­sprü­che ent­ste­hen, die ein nor­mal ver­si­che­rungs­pflich­ti­ger Ar­beit­neh­mer nie­mals er­ar­bei­ten kann, ist nicht zu ver­ste­hen.

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