Dreist

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG - VON ALEX­AN­DER WILL

Po­li­ti­scher Ver­rat ist nie ei­ne ap­pe­tit­li­che An­ge­le­gen­heit. Was die ehe­ma­li­ge Grü­ne und zu­künf­ti­ge CDU-Ab­ge­ord­ne­te El­ke Twes­ten in Han­no­ver auf­ge­führt hat, sprengt die­se Be­schrei­bung noch ein­mal. Sel­ten sah man ei­nen dreis­te­ren und ego­is­ti­sche­ren Sei­ten­wech­sel. Da­bei geht es nicht dar­um, ob Twes­ten das „darf“oder nicht – es geht um po­li­ti­sche Hy­gie­ne und de­mo­kra­ti­sche Kul­tur.

Twes­ten war schlicht sau­er, dass die Grü­nen ihr ein Di­rekt­man­dat ver­wei­ger­ten. Das gab sie of­fen zu. Ih­re po­li­ti­sche Kar­rie­re wä­re wohl (vor­erst) vor­bei ge­we­sen. Ein Sei­ten­wech­sel lie­fer­te al­so zum ei­nen Ge­le­gen­heit zur Ra­che an den Ex-Par­tei­freun­den und zum an­de­ren die Chan­ce, ir­gend­wie wei­ter gut be­zahl­te Po­li­tik zu trei­ben. Twes­ten träum­te da in al­ler Öf­fent­lich­keit von ei­nem Bun­des­tags­oder Eu­ro­pa­man­dat. Sol­ches Den­ken und Han­deln dis­kre­di­tiert das de­mo­kra­ti­sche Sys­tem, und des­we­gen ist der CDU drin­gend zu emp­feh­len, Twes­ten nicht da­für zu be­loh­nen. Das wür­de mit Recht auf die Par­tei zu­rück­fal­len. Twes­ten aber soll­te über ei­nen Satz Ju­li­us Cä­sars nach­den­ken: „Ich lie­be den Ver­rat, aber has­se den Ver­rä­ter.“

@ Den Au­tor er­rei­chen Sie un­ter Will@in­fo­au­tor.de

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