In­seln der Ins r n

Nordwest-Zeitung - - WORI ZUM SONNTAG/ANZEIGEN - VON KARL JASBINSCHEK Karl Ja bin chek ist ka­tho­lisch1r Pfar­r1r in St. Wil­l1had, Nor­d1n­ham

Die Som­mer­fe­ri­en in Nie­der­sach­sen sind zu En­de. Aber im­mer noch sind vie­le Ur­lau­ber in der We­ser­marsch. Sie su­chen Ru­he und Er­ho­lung, Ab­wechs­lung und net­te Be­geg­nun­gen. Ich freue mich, dass ich ei­ni­ge Ur­lau­ber in un­se­ren Got­tes­diens­ten be­grü­ßen kann. Sie sind über­rascht von ei­ner le­ben­di­gen Kir­che hier in der Dia­spo­ra. Der star­ke und mit­rei­ßen­de Ge­sang der Ge­mein­de, der Frie­dens­gruß mit Hand­schlag und bis zu herz­li­chen Umar­mun­gen, die per­sön­li­che Ver­ab­schie­dung am Kir­ch­aus­gang, das und mehr ist für vie­le über­ra­schend und wohl­tu­end.

Vi­el­leicht ist es bei den Ur­lau­bern ein­fach das schö­ne Ge­fühl des Will­kom­mens in ei­nem an­de­ren Kir­chen­raum mit an­de­ren, frem­den Kir­chen­be­su­chern. Und die ei­ge­ne neu­gie­ri­ge Er­war­tung, die in der alt­ge­wohn­ten Hei­mat­ge­mein­de längst dem be­kann­ten „Kenn-ich-schon-Ge- fühl“ge­wi­chen ist. Oder auch die Frei­heit von Ver­pflich­tun­gen. Die­se Frei­heit gibt Raum für ein sen­si­bles auf­merk­sa­mes Hin­hö­ren und Mit­fei­ern.

Was im Ur­laub ge­lingt, kön­nen wir auch im All­tag er­fah­ren. Es uns nicht neh­men zu las­sen, neu­gie­rig zu sein auf das Schrift­wort und sei­ne Aus­le­gung, auf das Lied­gut und mein Mit­sin­gen, auf das Ge­heim­nis Got­tes und mei­ne Em­pa­thie da­für. Da ge­schieht Über­ra­schen­des. Ei­ne Ur­lau­be­rin sagt zu­frie­den: „Das ha­be ich jetzt noch ge­braucht.“Ein an­de­rer fühlt sich durch die Fei­er der Mes­se to­tal ent­las­tet und hat da­für kei­ne Er­klä­rung. Die Fei­er der Eucha­ris­tie wirkt in uns mehr, als ge­plant ist oder er­war­tet wird. Wir brau­chen In­seln der In­spi­ra­ti­on, Zei­t­räu­me der in­ne­ren Ein­kehr in der Flut der In­for­ma­tio­nen und Her­aus­for­de­run­gen, die auf uns ein­strö­men.

Wenn neue Er­fah­run­gen not­tun, war­um nicht ein­fach mal im All­tag den Kir­chort wech­seln und ei­nen an­de­ren Got­tes­dienst be­su­chen. Oder mal neu­gie­rig ei­nen Got­tes­dienst be­su­chen, auch wenn der letz­te Be­such schon lan­ge her ist. Die Fe­ri­en sind zu En­de, und die Ge­schich­te mit Gott? Hof­fent­lich noch nicht!

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.