Cha­os­ta­ge

VOs ?UNARS REICHENBACHS, BÜ­RO HAN­NO­VER

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG -

Jie Bun­des­tags­wahl ge­las­sen ab­war­ten, um dann im Land­tags­wahl­kampf los­zu­le­gen – ei­ne ein­zi­ge Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­te hat die Plä­ne al­ler Par­tei­en ein­ge­stampft. Der Über­tritt der 54-jäh­ri­gen El­ke Twes­ten zur CDU lässt Vor­be­rei­tun­gen mit ei­nem Fe­der­strich plat­zen – nicht nur die rot-grü­ne Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on. Nie­mand weiß, wie es wei­ter­ge­hen soll. Der Weg zu Neu­wah­len steht eben­so in den Ster­nen wie Ant­wor­ten auf Fra­gen, was an­ge­sichts ge­wech­sel­ter Mehr­heit im Land­tag über­haupt noch an drin­gend be­nö­tig­ten Ge­set­zen – Stich­wort: Hoch­was­ser­op­fer – ver­ab­schie­det wer­den kann. In der Lan­des­haupt­stadt re­giert seit die­sem schwar­zen Frei­tag das Cha­os. Vor al­lem: Wel­che Vor­tei­le ha­ben Nie­der­sach­sens Bür­ger da­von, dass ei­ne für Ja­nu­ar an­ge­setz­te Land­tags­wahl um nur we­ni­ge Wo­chen vor­ge­zo­gen wer­den soll? Kei­ne.

Span­nend wird, wie die Bür­ger auf die­sen po­li­ti­schen Coup re­agie­ren. Bringt die Über­läu­fe­rin der CDU wirk­lich Glück und Er­folg beim Wäh­ler? Selbst Uni­ons-Po­li­ti­ker pla­gen Zwei­fel. Dass die Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­te ihr Man­dat mit­ge­nom­men hat, könn­te sich noch als Da­na­er-Ge­schenk er­wei­sen – mit un­kal­ku­lier­ba­ren Spät­fol­gen.

Dass die SPD mit Ver­rä­ter- und In­tri­gen-Vor­wür­fen kon­tert – wer mag es der Re­gie­rungs­par­tei oh­ne Par­la­ments­macht ver­den­ken. Ganz si­cher wird die grü­ne Über­läu­fe­rin zum gro­ßen The­ma im kom­men­den Wahl­kampf, der zu­min­dest in Nie­der­sach­sen stär­ker un­ter Lan­des- als Bun­de­sas­pek­ten ste­hen dürf­te.

Und die Grü­nen? Schock­star­re und Sprach­lo­sig­keit be­le­gen, wie tief die Öko-Par­tei ge­trof­fen ist. Dass aus­ge­rech­net ei­nes ih­rer Mit­glie­der für ein po­li­ti­sches De­sas­ter in Nie­der­sach­sen sorgt, wird Wel­len bis in die Bun­des­po­li­tik schla­gen. Wel­cher Wäh­ler mag sich für das einst so hoch­ge­lob­te rot-grü­ne Pro­jekt noch be­geis­tern? Die Fas­zi­na­ti­on ten­diert zur Null-Li­nie. Aber auch als po­ten­zi­el­le Part­ner der Uni­on ha­ben die Grü­nen an Kre­dit ein­ge­büßt. Ei­ne Ko­ali­ti­on mit Un­zu­ver­läs­si­gen – Nein, dan­ke.

Die FDP wird’s freu­en. Die Li­be­ra­len be­fin­den sich im Auf­wind. Nie­der­sach­sen spielt ih­nen wei­ter in die Kar­ten – als neue Par­tei der Be­re­chen­ba­ren. Oh, Wun­der. Den Au­tor er­rei­chen Sie un­ter Reichenbachs@in­fo­au­tor.de

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