„Sol­da­ten mer­ken: Es be­wegt sich was“

Mi­nis­te­rin Ur­su­la von der Ley­en über den Um­bau der Bun­des­wehr

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG - VON NI­CO POINTNER

FRA­GE: Sex-Skan­da­le, die Af­fä­re um den rechts­ex­tre­men Oberst­leut­nant Fran­co A., nun ein töd­li­cher Hub­schrau­ber­ab­stur in Ma­li – mal ehr­lich: Macht Ih­nen ihr Job ei­gent­lich noch Spaß( VON DER LEY­EN: Ja, ich bin sehr ger­ne Ver­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin. Denn im­mer wenn ich nah bei der Trup­pe bin, weiß ich, war­um ich das tue. Es gibt im­mer wie­der schö­ne Mo­men­te im Ge­spräch mit Sol­da­ten. Das sind oft klei­ne Be­mer­kun­gen, das ist mal ein Dank. Das trägt stär­ker als al­le Pro­ble­me, die der All­tag mit sich bringt. FRA­GE: Aber der Wi­der­stand in der Trup­pe wächst, auch viel Un­mut ge­gen ih­re Per­son wur­de ge­äu­ßert – ha­ben Sie noch ge­nug R0ck­halt in der 1un­des­wehr, um 2er­tei­di­gungs­mi­nis­te­rin u blei­ben( VON DER LEY­EN: Ja. Das spü­re ich vor al­lem in die­sen Wo­chen, die nicht leicht ge­we­sen sind. Die Sol­da­ten mer­ken: Es be­wegt sich was, beim Per­so­nal, bei der Mo­der­ni­sie­rung des Ma­te­ri­als und auch bei den Fi­nan­zen. Und ich spü­re,

was uns eint: Näm­lich der ge­mein­sa­me Auf­trag, die­ses Land zu ver­tei­di­gen. Ich freue mich, dass auch in der Ge­sell­schaft die An­er­ken­nung wächst für die Leis­tung, die die­se Frau­en und Män­ner oft un­be­merkt er­brin­gen. Das gibt­vielAn­trieb. FRA­GE: 3s heißt, der Stuhl des 2er­tei­di­gungs­mi­nis­te­ri­ums sei ein Schleu­der­sit . Stimmt das( VON DER LEY­EN: Es ist das schwers­te Amt, das ich je in­ne­hat­te – gar kei­ne Fra­ge. Mir ist klar, dass in der welt­weit ak­ti­ven Bun­des­wehr mit ih­ren 250 000 Men­schen je­den Tag et­was pas­sie­ren kann, was die Amts­zeit be­en­det. Aber so darf man nicht den­ken. Für mich ist wich­tig: Die Trup­pe hat ver­dient, dass ich be­harr­lich für ih­re Mo­der­ni­sie­rung wer­be, denn sie braucht In­ves­ti­tio­nen, sie braucht Zu­wen­dung, sie braucht die An­er­ken­nung, den schwe­ren Auf­trag aus­zu­füh­ren, den sie durch das Par­la­ment be­kommt. FRA­GE: R0ck­bli­ckend auf ih­re Amts eit: 4en­nen Sie bit­te drei 5in­ge, die Sie aus heu­ti­ger Sicht an­ders ma­chen w0r­den. VON DER LEY­EN: Wir ha­ben in die­ser Le­gis­la­tur enorm viel ge­schafft, aber ich ha­be erst spät rea­li­siert, dass zwar rein mi­li­tä­ri­sche Auf­trä­ge sehr ge­ra­de von der Spit­ze bis in die letz­ten Win­kel ei­nes Stand­orts ver­stan­den und aus­ge­führt wer­den, aber dass wir bei emo­tio­na­len und so­zia­len The­men in der in­ter­nen Kom­mu­ni­ka­ti­on viel bes­ser wer­den müs­sen. Der zwei­te Punkt: Es wä­re leich­ter ge­we­sen, wenn wir von An­fang an ei­nen bes­se­ren Über­blick ge­habt hät­ten, wie aus­ge­dünnt das Ma­te­ri­al der Bun­des­wehr ist. Dann hät­te ich frü­her mit der Agen­da Rüs­tung, den Trend­wen­den Ma­te­ri­al, Per­so­nal und Fi­nan­zen be­gon­nen. Drit­tens: Ich wünsch­te, ich hät­te von An­fang an ge­wusst, wie we­nig di­gi­ta­li­siert die Bun­des­wehr ist. Es hat ei­ne Wei­le ge­dau­ert, bis ich ver­stan­den ha­be, dass wir zum Bei­spiel Kran­ken­ak­ten noch per Hand füh­ren und auch nicht per Knopf­druck Ab­fra­gen kön­nen, wie die Ein­satz­be­reit­schaft der Pan­zer und Flug­zeu­ge ist. Trend­wen­den, Di­gi­ta­li­sie­rung und der Auf­bau des Cy­ber-Be­reichs sind nun auf den Weg ge­bracht.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.