Schwe­re Vor­wür­fe ge­ge) Weil

VW durf­te 2015 Re­gie­rungs­er­klä­rung zur Die­sel-Af­fä­re vor­ab le­sen und auch än­dern

Nordwest-Zeitung - - NIEDERSACHSEN - VON ANDRE­AS HER­HOLZ

Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil kommt nicht zur Ru­he. Er muss sich nun wei­te­ren Vor­w7r­fen im VW-Die­selskan­dal stel­len.

HAN­NO­VER/BER­LIN – Hat sich Nie­der­sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil ei­ne Re­gie­rungs­er­klä­rung zur Ab­gas­af­fä­re vom Vor­stand des Volks­wa­gen­kon­zerns re­di­gie­ren und um­schrei­ben las­sen? Wur­de die Re­de, die der SPDPo­li­ti­ker am 13. Ok­to­ber 2015 zur VW-Kri­se im Land­tag ge­hal­ten hat­te, von den Au­to­bos­sen re­gel­recht zen­siert und ent­schärft? Wie die „Bild am Sonn­tag“un­ter Be­ru­fung auf VW-Mit­ar­bei­ter be­rich­te­te, soll Weil sei­ne Re­gie­rungs­er­klä­rung vier Ta­ge vorher dem VW-Vor­stand zur Prü­fung vor­ge­legt ha­ben. Re­den­schrei­ber des Kon­zerns hät­ten sie „fri­siert“und kri­ti­sche Pas­sa­gen zum VW-Skan­dal ge­än­dert.

Schwe­re Vor­wür­fe ge­gen den SPD-Po­li­ti­ker, der die­se je­doch am Sonn­tag zu­rück­wies. Die nie­der­säch­si­sche Lan­des­re­gie­rung ha­be VW da­mals le­dig­lich um ei­ne Prü­fung der Fak­ten und recht­li­cher Fra­gen ge­be­ten. „Wir ha­ben kri­tisch ge­prüft, wel­che Rück­mel­dun­gen von VW recht­li­che Grün­de hat­ten und wo Kri­tik ab­ge­mil­dert wer­den soll­te“, sag­te Weil, der für das Land Nie­der­sach­sen im Auf­sichts­rat sitzt. Recht­li­che Klar­stel­lun­gen ha­be man nach­voll­zo­gen, „die Kri­tik ist Nie­der­sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) muss sich nach dem Ver­lust sei­ner rot-grü­nen Ko­ali­ti­ons­mehr­heit wei­te­ren Vor­wür­fen im VW-Die­selskan­dal stel­len.

drin­ge­blie­ben“, ver­tei­dig­te der SPD-Po­li­ti­ker das Vor­ge­hen. Im Kern sei der Text sei­ner Re­de un­ver­än­dert ge­blie­ben. „Des­we­gen hal­te ich die jetzt er­ho­be­nen Vor­wür­fe für völ­lig un­be­grün­det“, wehr­te sich der Mi­nis­ter­prä­si­dent und wit­tert ei­nen Zu­sam­men­hang mit dem be­vor­ste­hen­den Wahl­kampf.

Fak­ten­check oder Dik­tat des VW-Kon­zerns? SPD-Po­li­ti­ker Weil ge­rät mäch­tig un­ter Druck. Nach dem Pau­ken­schlag am ver­gan­ge­nen Frei­tag, als sei­ne rot-grü­ne Lan­des­re­gie­rung mit dem Wech­sel der grü­nen Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten El­ke Twes­ten zur

CDU die Mehr­heit ver­lo­ren hat­te, wer­den jetzt schwe­re Vor­wür­fe ge­gen die Staats­kanz­lei und den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten laut. „Das war kein Fak­ten­check, wir ha­ben die Re­de um­ge­schrie­ben und weich ge­spült“, wird ein Mit­ar­bei­ter zi­tiert. Weil hat­te am Frei­tag ei­nen Rück­tritt ab­ge­lehnt und will Neu­wah­len an­stre­ben.

Am Abend ver­öf­fent­lich­te die Staats­kanz­lei ei­nen Ver­gleich des Re­de­ent­wurfs mit der von Weil im Ok­to­ber 2015 vor dem Land­tag ge­hal­te­nen Re­de. Zu er­ken­nen sind zahl­rei­che Än­de­run­gen, die teils vom Haus­an­walt der Re­gie­rung

vor­ge­nom­men wur­den, teils auf An­re­gung von VW.

Bun­des­po­li­ti­ker an­de­rer Par­tei­en üb­ten har­sche Kri­tik: „Wenn Mi­nis­ter­prä­si­dent Weil ei­ne Re­gie­rungs­er­klä­rung von Volks­wa­gen ab­ni­cken lässt, ist das Fun­da­ment un­se­rer Markt­wirt­schaft be­droht“, er­klär­te Grü­nen-Chef Cem Öz­de­mir. Die Ver­qui­ckung von Po­li­tik und Au­to­mo­bil­wirt­schaft scha­de dem Wirt­schafts­stand­ort Deutsch­land, warn­te er. Öz­de­mirs Par­tei­freund, der frü­he­re Bun­des­um­welt­mi­nis­ter Jür­gen Trit­tin, for­der­te Weil auf, für Klar­heit zu sor­gen und bei­de Re­de-Fas­sun­gen zu ver­öf­fent­li- chen. „Der Auf­sichts­rat heißt nicht Auf­sichts­rat, weil er sich der Auf­sicht des Vor­stands un­ter­wirft“, kri­ti­sier­te der Grü­ne den Mi­nis­ter­prä­si­den­ten, der für das Land Nie­der­sach­sen im Auf­sichts­rat des VW-Kon­zerns sitzt. Auch FDPChef Chris­ti­an Lind­ner for­der­te scho­nungs­lo­se Auf­klä­rung. „Wenn Herr Weil ge­lo­gen hat, wä­re das ein An­lass für ei­nen Rück­tritt, un­ab­hän­gig von den be­vor­ste­hen­den Neu­wah­len“, er­klär­te der Li­be­ra­le.

Der Vor­sit­zen­de des Wirt­schafts­aus­schus­ses des Deut­schen Bun­des­ta­ges, Pe­ter Ram­sau­er (CSU), nann­te die Vor­wür­fe „höchst merk­wür­dig“. „In der baye­ri­schen Staats­kanz­lei je­den­falls wä­re das nicht pas­siert. Dort wä­re es auf kei­nen Fall not­wen­dig, ei­ne Re­de des Mi­nis­ter­prä­si­den­ten in der Au­di-Zen­tra­le In­gol­stadt oder bei BMW in Mün­chen re­di­gie­ren zu las­sen“, sag­te er. „Trä­fen die Vor­wür­fe aber zu, wä­re dies ein Ar­muts­zeug­nis für Nie­der­sach­sens Mi­nis­ter­prä­si­dent Weil“, er­klär­te der CSU-Po­li­ti­ker. „In je­dem an­de­ren Bun­des­land wä­re das un­denk­bar“, sag­te er im Ge­spräch mit un­se­rer Ber­li­ner Re­dak­ti­on.

Bun­des­fa­mi­li­en­mi­nis­te­rin Ka­ta­ri­na Bar­ley (SPD) ver­tei­dig­te Weil: „Ich fin­de es zu­dem be­fremd­lich, dass die CDU jetzt mit ei­ner Ge­schich­te aus dem Jahr 2015 in den Wahl­kampf zieht. Das sieht mir doch sehr nach ei­ner kon­zer­tier­ten Ak­ti­on aus, um den gu­ten Ruf von Ste­phan Weil als Mi­nis­ter­prä­si­dent zu be­schä­di­gen“, sag­te die Ex-SPDGe­ne­ral­se­kre­tä­rin.

DPA-BILD: STEF­FEN

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