Fal­sche Po­li­zis­ten ma­chen Kas­se

Er­spar­nis­se äl­te­rer Men­schen er­gau­nert – Hal­be Mil­li­on Eu­ro Scha­den

Nordwest-Zeitung - - OLDENBURGER - VON FRANZ-JO­SEF HÖFFMANN

Ei­ne in­ter­na­tio­nal agie­ren­de Bande hat Se­nio­ren mit ei­nem hin­ter­lis­ti­gen Trick be­tro­gen. Zwei Mit­glie­der sind jetzt in Ol­den­burg an­ge­klagt.

DEL­MEN­HORST/CLOP­PEN­BURG/ OL­DEN­BURG – Mit ei­nem hin­ter­lis­ti­gen Trick hat sich ei­ne in­ter­na­tio­nal agie­ren­de Be­trü­ger­ban­de die ge­sam­ten Er­spar­nis­se von äl­te­ren Men­schen er­gau­nert. Jetzt müs­sen sich zwei mut­maß­li­che Mit­glie­der aus Del­men­horst vor dem Ol­den­bur­ger Land­ge­richt ver­ant­wor­ten. Ih­nen wird ge­werbs- und ban­den­mä­ßi­ger Be­trug in et­li­chen Fäl­len zur Last ge­legt. Die Hin­ter­män­ner sit­zen in der Tür­kei.

Im Dis­play stand 110

Aus ei­nem Cal­lcen­ter rie­fen sie die meist äl­te­ren Ge­schä­dig­ten (ei­ne Da­me war 93 Jah­re alt) in Bre­men, Clop­pen­burg, Ham­burg und Wil­helms­ha­ven an, ga­ben sich als Po­li­zis­ten aus und er­klär­ten, Ver­bre­cher hät­ten es auf ihr

Ver­mö­gen ab­ge­se­hen. Man ha­be bei Die­ben ih­re An­schrift ge­fun­den. Auch ge­be es Bank­mit­ar­bei­ter, die ih­re Kon­ten plün­dern woll­ten. Al­le Ver­mö­gens­wer­te müss­ten so­fort der Po­li­zei aus­ge­hän­digt wer­den.

Der fie­se Trick da­bei: Die Bande nutz­te das so­ge­nann­te Call-ID-Spoo­fing-Ver­fah­ren. Auf dem Te­le­fon­dis­play der

Ge­schä­dig­ten er­schien die Num­mer „110“. Das mach­te die Be­trü­ger glaub­wür­dig. Die Ge­schä­dig­ten ta­ten, wie be­foh­len und ho­ben al­les Geld ab. Bei den „Be­am­ten“, die al­les ab­hol­ten, soll es sich um die bei­den An­ge­klag­ten aus Del­men­horst han­deln.

Die 93-Jäh­ri­ge hat­te 140 000 Eu­ro be­reit­ge­stellt. Im Sep­tem­ber vo­ri­gen Jah­res soll­te die Ma­sche ei­nen 77Jäh­ri­gen aus Clop­pen­burg tref­fen. Auch er hat­te 86000 Eu­ro von sei­nem Kon­to ab­ge­ho­ben, weil im Dis­play die Num­mer der Clop­pen­bur­ger Po­li­zei stand. Doch der Herr war stut­zig ge­wor­den und wand­te sich an die ech­te Po­li­zei. Als die fal­sche Po­li­zei wie­der an­rief, sag­te der 77-Jäh­ri­ge, er kä­me zum Über­ga­be­ort am Park­platz des Ver­brauch­mark­tes in Clop­pen­burg.

Be­trü­ger aus­ge­trickst

Im Kof­fer wa­ren aber nur Pa­pier­schnip­sel ge­we­sen. Die ech­te Po­li­zei nahm die fal­sche Po­li­zei fest. Die An­ge­klag­ten sol­len auch an­de­re Ban­den­mit­glie­der als Geld­ab­ho­ler ein­ge­setzt ha­ben. Ei­ner von ih­nen kam auf­grund ei­nes Miss­ver­ständ­nis­ses mit we­ni­ger Geld zu­rück als ei­gent­lich be­stellt.

Weil der Ver­dacht be­stand, er ha­be das Geld un­ter­schla­gen, sol­len die An­ge­klag­ten die­sen Geld­ab­ho­ler ein­ge­sperrt, mit ei­ner Kreis­sä­ge und ei­nem Base­ball­schlä­ger be­droht und aus­ge­plün­dert ha­ben. Der Geld­ab­ho­ler tritt in dem jet­zi­gen Ver­fah­ren als Ne­ben­klä­ger auf

DPA-BILD: JU­LI­AN STRATENSCHULTE

Be­trü­ger ge­ben sich am Te­le­fon als Po­li­zis­ten aus und er­beu­ten so jähr­lich Mil­lio­nen Eu­ro.

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