Wir in­di­vi­du­ell darf es sein?

So ver­än­dern per­so­na­li­sier­te Pro­duk­te den Han­del

Nordwest-Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON ERICH REI­MANN

Maß­ge­schnei­dert statt Mas­sen­wa­re – das scheint vie­len Ver­brau­chern zu ge­fal­len. Und ein Groß­teil greift da­für auch gern et­was tie­fer ins Porte­mon­naie.

DÜSSELDORF – Die ganz per­sön­li­che Müs­li-Mi­schung, die selbst­ge­stal­te­ten Snea­ker oder die Haut­creme in der Fo­to­dose mit dem Bild des ei­ge­nen Kin­des: Wer will, kann im­mer mehr All­tags­pro­duk­ten in­zwi­schen ei­ne ganz in­di­vi­du­el­le No­te ge­ben. Denn vie­le Her­stel­ler bie­ten ih­ren Kun­den in­zwi­schen die Mög­lich­keit, bei der Gestal­tung mit­zu­re­den. Al­ler­dings las­sen sich die Her­stel­ler das oft teu­er be­zah­len.

„Kon­su­men­ten sind be­reit, mehr zu be­zah­len, um ein maß­ge­schnei­der­tes Pro­dukt zu er­hal­ten“, sagt Kai Hu­detz,

Ge­schäfts­füh­rer des Köl­ner In­sti­tuts für Han­dels­for­schung. Nach ei­ner Markt­stu­die, die kürz­lich von der Un­ter­neh­mens­be­ra­tung KPMG ge­mein­sam mit dem IFH durch­ge­führt wur­de, fin­det mehr als die Hälf­te der Ver­brau­cher in­di­vi­dua­li­sier­ba­re Pro­duk­te in­ter­es­san­ter als gleich­wer­ti­ge Mas­sen­pro­duk­te.

Und ein Groß­teil von ih­nen ist auch be­reit, da­für tie­fer in die Ta­sche zu grei­fen. Nur je­der Vier­te lehn­te der­ar­ti­ge An­ge­bo­te ka­te­go­risch ab. Kein Wun­der, dass die Per­so­na­li­sie­rung von Pro­duk­ten vie­len Han­dels­ex­per­ten in­zwi­schen als ei­ner der Wachs­tums­märk­te der Zu­kunft gilt. Vor al­lem bei Le­bens­mit­teln, Tex­ti­li­en und Schu­hen sind die An­ge­bo­te zur In­di­vi­dua­li­sie­rung in­zwi­schen viel­fäl­tig.

Bei­spiel Le­bens­mit­tel: Wer will, kann sich im In­ter­net nicht nur ein in­di­vi­du­el­les Müs­li mi­xen las­sen oder ei­ne ganz in­di­vi­du­el­le Ta­fel Scho­ko­la­de

kre­ieren, auch Mett­wurst und Maul­ta­schen kann man dort in­zwi­schen nach ei­ge­nem Gus­to ge­stal­ten und nach Hau­se lie­fern las­sen.

Bei­spiel Tex­til: „Mehr und mehr Fir­men, ins­be­son­de­re aus dem Lu­xus- und Pre­mi­um­be­reich um­gar­nen ih­re Kund­schaft, in­dem sie ih­nen er­mög­li­chen, die Pro­duk­te mit­zu­ge­stal­ten“, be­ob­ach­tet das Bran­chen­fach­blatt „Tex­til­wirt­schaft“. Der ita­lie­ni­sche Ba­de­mo­den­her­stel­ler Cal­ze­do­nia et­wa bie­tet seit ei­ni­gen Mo­na­ten Kun­den die Mög­lich­keit, Ba­de­an­zü­ge mit selbst kre­ierten Schrift­zü­gen zu ver­se­hen.

Sport­her­stel­ler wie Adi­das oder Ni­ke ge­hen noch wei­ter. Sie bie­ten ih­ren Kun­den in­zwi­schen die Chan­ce, Sport­schu­he oder Snea­ker durch die Kom­bi­na­ti­on ver­schie­dens­ter Far­ben und Ma­te­ria­len zum ganz per­sön­li­chen Mo­de­state­ment zu ma­chen.

Al­ler­dings hat die Sa­che ei­nen Ha­ken: Wer bei der Gestal­tung

mit­be­stim­men will, muss da­für häu­fig tie­fer in die Ta­sche grei­fen. Schließ­lich ist die Her­stel­lung des Ein­zel­stücks deut­lich auf­wen­di­ger als die Mas­sen­pro­duk­ti­on.

Die in­di­vi­du­ell ge­stal­te­te Scho­ko­la­de et­wa kos­tet schnell ein Viel­fa­ches ei­ner Ta­fel aus dem Su­per­markt. Nicht an­ders ist es beim Müs­li. Und wer Ni­vea-Cre­me in ei­ner in­di­vi­du­ell ge­stal­te­ten Fo­to­dose – et­wa mit dem Bild des jüngs­ten Kin­des – ab­ge­füllt ha­ben will, muss mehr als das Dop­pel­te des Nor­mal­prei­ses zah­len.

Ei­nes der Haupt­mo­ti­ve da­für, so tief in die Ta­sche zu grei­fen, ist der KPMG-Stu­die zu­fol­ge der Wunsch, sich von der Mas­se ab­zu­he­ben. Doch gibt es nach An­ga­ben der Markt­for­scher auch noch ei­nen deut­lich selbst­lo­se­ren Grund, den hö­he­ren Preis für in­di­vi­dua­li­sier­te Pro­duk­te zu zah­len. Oft ge­he es auch ein­fach dar­um, Ge­schen­ken ei­ne per­sön­li­che No­te zu ge­ben.

DPA-BILD: SE­BAS­TI­AN KAH­NERT

Ganz nach Kun­den­ge­schmack: Müs­li, das nach per­sön­li­chen Vor­lie­ben zu­sam­men­ge­stellt wur­de

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