Kei­ne Ge­fahr durch Nas­horn, Ele­fant & Co.

Ak­ti­ons­bünd­nis for­dert von Städ­te­tag Stel­lung­nah­me ge­gen kom­mu­na­le Wild­tier­ver­bo­te

Nordwest-Zeitung - - STADT OLDENBURG -

OL­DEN­BURG/NIG – Der Streit zwi­schen Schau­stel­lern und Tier­schüt­zern um Wild­tie­re im Zir­kus geht seit ei­ni­ger Zeit in ei­ne neue Run­de. Das Ak­ti­ons­bünd­nis „Tie­re ge­hö­ren zum Cir­cus“hat sich des­halb jetzt mit ei­nem of­fe­nen Brief an den Deut­schen Städ­te­tag ge­wandt. Hin­ter­grund ist un­ter an­de­rem der Vor­stoß der Grü­nen im Rat der Stadt Ol­den­burg, Zir­kus­se mit Wild­tie­ren aus Grün­den der Ge­fah­ren­ab­wehr nicht mehr auf öf­fent­li­chen Flä­chen gas­tie­ren zu las­sen. Nach An­sicht des Vor­sit­zen­den von „Tie­re ge­hö­ren zum Cir­cus“, Dr. Da­ni­el Bu­row, ist dies ein of­fen­kun­di­ger Ver­such, die gel­ten­de Rechts­la­ge aus­zu­he­beln.

Ei­nem Zir­kus, der über die tier­schutz­recht­li­che Er­laub­nis zum Mit­füh­ren von Wild­tie­ren ver­fügt, dür­fen Kom­mu­nen kei­ne Vor­füh­run­gen aus tier­schutz­recht­li­chen Grün­den ver­bie­ten. Zu die­sem Ur­teil kam im März das Ober­lan­des­ge­richt Lü­ne­burg und spä­ter das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Greifs­wald. Ein ju­ris­ti­sches Gut­ach­ten aus dem Früh­jahr, dass die da­ma­li­ge Lan­des­tier­schutz­be­auf­trag­te von Ba­den Würt­tem­berg, Dr. Cor­ne­lie Jä­ger, in Auf­trag gab, rät Kom­mu­nen, sich bei Ver­bots­be­grün­dun­gen des­halb künf­tig auf die Ge­fah­ren­ab­wehr zu be­ru­fen.

„Ab­ge­se­hen da­von, dass die Be­grün­dung of­fen­sicht­lich vor­ge­scho­ben ist, hält sie auch ei­ner in­halt­li­chen Prü­fung nicht stand“, ist Bu­row über­zeugt. „Groß­wild­tie­re wie Ele­fan­ten, Nas­hör­ner oder Fluss­pfer­de, die von ei­nem Wild­tier­ver­bot im Zir­kus be­trof­fen wä­ren, sind man­gels Vor­komm­nis­sen in kei­nem ein­zi­gen deut­schen Bun­des­land auf den Lis­ten ge­fähr­li­cher Tier­ar­ten ge­führt. Die Un­fall­zah­len durch Wild­tier­hal­tung wer­den bei wei­tem do­mi­niert durch die Rep­ti­li­en in Pri­vat­haus­hal­ten. Un­fäl­le mit Zir­kus­tie­ren spie­len prak­tisch kei­ne Rol­le.“

Von ei­ner Ge­fähr­dung der öf­fent­li­chen Si­cher­heit durch die Wild­tier­hal­tung im Zir­kus kön­ne des­halb kei­ne Re­de sein. „Hier wird ein Pro­blem kon­stru­iert, das nach­weis­lich kei­nes ist“, so Bu­row.

Ga­rant für ei­ne si­che­re Tier­hal­tung im Zir­kus, ist laut Bu­rows ein in­ten­si­ves Ver­trau­ens­ver­hält­nis zwi­schen Mensch und Tier. „Tier­leh­rer sind Fach­leu­te, die ih­re Tie­re von klein auf ken­nen. Des­halb ist es nicht über­ra­schend, dass ge­fähr­li­che Zwi­schen­fäl­le im We­sent­li­chen bei pri­va­ten Haus­tier­hal­tern auf­tre­ten, nicht aber im pro­fes­sio­nel­len Tier­hal­tungs­be­trieb Zir­kus.“

Das Ak­ti­ons­bünd­nis bit­tet den Deut­schen Städ­te­tag des­halb, sich auf Ba­sis der gel­ten­den Recht­spre­chung zu kom­mu­na­len Wild­tier­ver­bo­ten klar zu po­si­tio­nie­ren. „Zir­kus­un­ter­neh­men sind klei­ne und mitt­le­re Be­trie­be, die auf Rechts­si­cher­heit bei der Aus­übung ih­rer Tä­tig­keit an­ge­wie­sen sind“, be­grün­det Bu­row. „Für sie ist es zer­mür­bend und exis­tenz­be­dro­hend, re­gel­mä­ßig in recht­li­che Aus­ein­an­der­set­zun­gen mit Kom­mu­nen ver­wi­ckelt zu sein. Nicht zu­letzt neh­men Wild­tier­ver­bo­te den Bür­gern auch ein nach wie vor be­lieb­tes kul­tu­rel­les An­ge­bot in ih­ren Städ­ten.“Da­bei be­ruft sich das Bünd­nis auch auf ei­ne Pe­ti­ti­on, die der Cir­cus Kro­ne kürz­lich in Bay­ern durch ge­führt hat. Dort spra­chen sich dem­nach über 50000 Men­schen ge­gen kom­mu­na­le Wild­tier­ver­bo­te aus.

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