In­nen­stadt im „Sum­mer of Lo­ve“-Fie­ber

Ol­den­burg fei­ert die 60-er-Jah­re und 50 Jah­re Fuß­gän­ger­zo­ne

Nordwest-Zeitung - - STADT OLDENBURG - VON JE­NI­FER LANGHORST

Das Pro­gramm lock­te zahl­rei­che Gäs­te in die Stadt. Es gab Mu­sik und Tanz auf den Büh­nen.

OL­DEN­BURG – Sams­tag, das Wo­che­n­en­de lockt zahl­rei­che Be­su­cher in die Ol­den­bur­ger In­nen­stadt. Der Tag be­ginnt mit blau­em Him­mel, nur hier und da ein paar Wol­ken. Die Son­ne scheint. Und heu­te ist die Ci­ty be­son­ders voll – die Men­schen schlen­dern durch die Fuß­gän­ger­zo­ne, vor­bei an den Ge­schäf­ten und blei­ben an den Schau­fens­tern ste­hen. In den Ca­fés sind die Plät­ze drau­ßen schon be­legt. Vor 50 Jah­ren, am 1. Au­gust 1967, sperr­ten die Ol­den­bur­ger ih­re In­nen­stadt für Au­tos und Bus­se und ei­ne der schöns­ten Fuß­gän­ger­zo­nen Deutsch­lands ent­stand. Ein Grund zum Fei­ern.

Auf dem Rat­haus­platz tum­meln sich die Men­schen an den zahl­rei­chen Stän­den des städ­ti­schen Wo­chen­markts – heu­te bunt ge­schmückt im „Hip­pie-Stil“der 60-er Jah­re. Mot­to des Ju­bi­lä­ums ist „Sum­mer of Lo­ve“. Schon seit dem Früh­ling kann man in der In­nen­stadt die klei­nen Gär­ten zum The­ma be­wun­dern. Heu­te er­war­tet die Ol­den­bur­ger ein Pro­gramm aus Mu­sik, Kunst, Mo­de und Ku­li­na­rik. Ei­ne Büh­ne am Lef­fer­s­eck sorgt für Mu­sik und Stim­mung. Björn de Vil und sein Stel­zenc­a­brio lau­fen durch die Stra­ßen und ver­brei­ten gu­te Lau­ne. Die Burg­stra­ße hat noch ihr ei­ge­nes klei­nes Stra­ßen­fest mit ei­ner Büh­ne di­rekt vor dem Die­ter-Boh­lenGraf­fi­ti. Der Her­b­art­gang steht un­ter dem Mot­to „Her­b­art’s Re­vi­val – Back to the six­ties“und bie­tet ei­ne Rei­se in die Zeit vor 50 Jah­ren an. Die Be­su­cher kön­nen ty­pi­sche Mo­de und Mö­bel aus den 60ern be­wun­dern, be­glei­tet von pas­sen­der Mu­sik vom Plat­ten­spie­ler.

Für vie­le ist es so­gar ei­ne ganz per­sön­li­che Zei­t­rei­se.

Ur­su­la Lim­bach und In­ga Gros­bach ha­ben den Wan­del zur Fuß­gän­ger­zo­ne selbst mit­er­lebt. Die bei­den Rent­ne­rin­nen er­zäh­len von da­mals. „Ich weiß noch, als wir auf dem Markt­platz in den Bus ein­ge­stie­gen sind“, er­in­nert sich Lim­bach. Die jetzt 80Jäh­ri­ge hat auch da­mals schon in Ol­den­burg ge­lebt. Heu­te las­sen sich die bei­den ein we­nig durch die Gas­sen und Stra­ßen trei­ben. „Die Gär­ten wol­len wir uns noch ein letz­tes Mal an­gu­cken, die sind je­des Jahr so schön“, schwärmt sie. Ab die­sen Mon­tag wer­den sie ab­ge­baut. Bei­de ge­nie­ßen es sehr, durch die

Fuß­gän­ger­zo­ne zu schlen­dern. „Es ist schön, dass die In­nen­stadt und die Alt­stadt ver­bun­den sind. Man kann al­les gut er­rei­chen“, fin­det Gros­bach. „Nur feh­len ein paar mehr Ge­schäf­te für Äl­te­re“, er­gänzt ih­re Freun­din.

Doch nicht nur die alt­ein­ge­ses­se­nen Ol­den­bur­ger er­freu­en sich an dem be­leb­ten Trei­ben in ei­ner der ers­ten Fuß­gän­ger­zo­nen Deutsch­lands. Ka­trin Kee­s­ler und ihr Mann kom­men aus Bux­te­hu­de und ver­brin­gen ein Wo­che­n­en­de hier. „Es ist ei­ne sehr schö­ne In­nen­stadt mit we­nig Leer­stand“, sie ist zum ers­ten Mal hier. Ihr Mann hat

schon den Weih­nachts­markt be­sucht.

Auf der Lan­gen Stra­ße hat sich ei­ne Rei­he Old­ti­mer auf­ge­stellt, die be­wun­dert wer­den kön­nen und dar­an er­in­nern sol­len, dass frü­her ein­mal die Au­tos hier ge­fah­ren sind. Zwi­schen den Schmuck­stü­cken aus Lack und Chrom sit­zen Hei­ko Ol­den­dorf und Sig­fried Wal auf ih­ren Cam­ping­s­tüh­len und ge­nie­ßen die Son­ne. Ol­den­dorf ist Be­sit­zer des Au­di 100 Avant ne­ben ihm und Sig­fried ge­hört der VW Kä­fer zwei Au­tos wei­ter. Stolz prä­sen­tie­ren sie ih­re „Ol­dies“. „Wir freu­en uns hier ein­fach mit un­se­ren Au­tos ste­hen zu

dür­fen“, so Ol­den­dorf. Er ist Ol­den­bur­ger – „seit dem ers­ten Tag“, sagt er la­chend. „Die Ol­den­bur­ger In­nen­stadt ist ein­fach toll auf­ge­baut und pu­bli­kums­freund­lich“, schwärmt der 69-Jäh­ri­ge. Auch er kann sich noch an die Zeit vor der Fuß­gän­ger­zo­ne er­in­nern. „Frü­her sind wir im­mer nach Bre­men ge­fah­ren, jetzt kom­men die Bre­mer zu uns. Erst wa­ren vie­le skep­tisch und man wuss­te gar nicht wo man par­ken soll­te, das wa­ren an­de­re Zeiten.“Wal ist erst 38 Jah­re alt und kennt die In­nen­stadt nur als Fuß­gän­ger­zo­ne, die sie heu­te ist. Trotz­dem fas­zi­niert ihn die Zeit. Der Kä­fer ist sein gan­zer Stolz. „Der ist Kult. Das De­sign ist ein­fach und es ist ein schö­nes Fah­ren.“Sein Au­to ist 66-er-Bau­jahr.

Heu­te kann sich kaum ei­ner mehr vor­stel­len, dass sich frü­her ein­mal Au­tos und Bus­se zwi­schen den Ge­schäf­ten hin­durch­zwäng­ten und die Ab­ga­se den Pas­san­ten qua­si die Luft zum At­men nah­men. Da­mals war es je­doch ein mu­ti­ger Schritt Au­tos zu ver­ban­nen und ei­ne rei­ne Fuß­gän­ger­zo­ne zu er­öff­nen – ein mu­ti­ger Schritt, den heu­te kei­ner mehr be­reut.

BILD: STÜBER

Sum­mer Of Lo­ve (v.l.): An­ge­li­na, Nee­le, Kris­ti­na, Micha­el und Frank von der Sta­ge-Aca­de­my tra­ten auf.

BILD: SA­SCHA STÜBER

Wie vor 50 Jah­ren im Her­b­art­gang beim le­gen­dä­ren Eis­stand (v.l.): Pas­cal, Chi­a­ra, Ju­le und San­dro gönn­ten sich ein Eis.

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