Die stil­le Ve­rän­de­rung der USA

Do­nald Trump krem­pelt das Land me­tho­disch und gründ­lich um

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG - VON MAR­TIN BIALE­CKI

Sei­ne Um­fra­ge­wer­te mö­gen im Kel­ler sein, das Image in der Welt rui­niert, al­le gro­ßen Vor­ha­ben in der Sack­gas­se – und doch hat Do­nald Trump in den sechs Mo­na­ten sei­ner Prä­si­dent­schaft sehr viel er­reicht. Zwar steht die his­to­ri­sche Steu­er­re­form in den Ster­nen, ist „Oba­ma­ca­re“noch am Le­ben, macht die Russ­land-Af­fä­re Trump das Le­ben schwer. Aber ein Blick auf die Fel­der Um­welt, Energie oder Jus­tiz zeigt, wie kon­se­quent und wo­mög­lich lang­fris­tig sei­ne Re­gie­rung Ame­ri­ka um­baut. Die Skan­dalSchein­wer­fer ver­bren­nen fast al­len Sau­er­stoff der öf­fent­li­chen Auf­merk­sam­keit.

Trump baut das Jus­tiz­sys­tem um, er schreibt die Um­welt­und Ein­wan­de­rungs­ge­setz­ge­bung neu, er de­re­gu­liert, was im­mer mög­lich ist, bringt ge­wal­ti­ge Bau­pro­jek­te auf den Weg und be­freit Wirt­schaft und Un­ter­neh­men von dem, was er „Fes­seln“nennt. Die­se Po­li­tik ist in al­lem das Ge­gen­teil von Ba­rack Oba­ma, und vie­le sa­gen, genau dar­um ge­he es ja. Sei­ne An­hän­ger sind be­geis­tert.

44 Pro­zent un­ter den An­hän­gern der Re­pu­bli­ka­ner sag­ten dem Pew-In­sti­tut in ei­ner Um­fra­ge, ihr Le­ben sei heu­te bes­ser als vor 50 Jah­ren. Vor ei­nem Jahr lag der Wert in die­ser Grup­pe bei 18 Pro­zent.

Mit der An­kün­di­gung des US-Rück­zugs aus dem Kli­ma­ab­kom­men mach­te Trump ein wei­te­res Wahl­ver­spre­chen wahr. Die EPA, ei­gent­lich ei­ne Be­hör­de zum Schutz der Um­welt, will Stück für Stück Oba­mas „Cle­an Po­wer Plan“zer­le­gen, der die Emis­sio­nen von Kraft­wer­ken re­gelt.

Bald soll es auch wie­der mög­lich sein, in Ark­tis und At­lan­tik nach Öl zu boh­ren. Klei­ne Ge­wäs­ser und Was­ser­we­ge sol­len dem Schutz des Bun­des ent­zo­gen wer­den. Die Re­gu­lie­rung von Metha­n­emis­sio­nen soll zu­rück­ge­baut wer­den, eben­so CO2- und Ef­fi­zi­enz­vor­schrif­ten für Au­tos, Last­wa­gen und Treib­stoff – sehr zum Wohl­ge­fal­len der In­dus­trie im Au­to­fah­rer­land der wei­ten We­ge. Die „New York Ti­mes“hat zu­sam­men­ge­zählt, dass al­lein die EPA 30 Um­welt­re­gu­lie­run­gen auf­ge­ho­ben, blo­ckiert oder ins Jen­seits ver­scho­ben hat.

391 Re­gu­lie­run­gen ha­be man den Gar­aus ge­macht, brüs­te­te sich das Wei­ße Haus im Ju­li. Wenn Chef­stra­te­ge Ste­ve Ban­non das mit dem „Ab­schaf­fen des ad­mi­nis­tra­ti­ven Staa­tes“ge­meint ha­ben soll­te, dann ist er in vol­lem Gang. Und er­folg­reich. Vie­le wei­te­re Ket­ten wür­den ge­sprengt wer­den, twit­ter­te Trump wie­der­holt, freie Fahrt für freie Un­ter­neh­mer. Mehr Wachs­tum, mehr Fa­b­ri­ken, mehr Pro­fit – um die­se Na­be kreist sein Po­li­tik­ver­ständ­nis.

Be­son­ders ef­fek­tiv ist das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um. Jeff Ses­si­ons, in Per­so­nal­uni­on Jus­tiz­mi­nis­ter und Chef­an­klä­ger, ist für die Erz­kon­ser­va­ti­ven die fleisch­ge­wor­de­ne Er­fül­lung ih­rer Hoff­nun­gen – und Alb­traum der De­mo­kra­ten. Mit har­ter Hand soll die Po­li­zei durch­grei­fen, Be­sitz leich­ter be­schlag­nah­men kön­nen. Auch kleins­te Dro­gen­de­lik­te wer­den wie­der aufs Här­tes­te be­straft. Städ­te sol­len Mi­gran­ten kei­nen Schutz mehr bie­ten, wer­den mit dem Ent­zug von Gel­dern be­droht.

Um 20 Pro­zent sind die Zah­len il­le­ga­ler Ein­wan­de­rer im Ver­gleich zum Vor­jah­res­zeit­raum laut ei­nem Grenz­schutz­be­richt (CBP, Cust­oms and Bor­der Pro­tec­tions) ge­sun­ken. Dass Tei­le von Trumps Ein­wan­de­rungs­stopp für man­che Mus­li­me ge­gen viel Wi­der­stand über­haupt ins Werk ge­setzt wer­den, ist Neil Gor­such zu ver­dan­ken, Trumps Kan­di­dat am Su­pre­me Court. Die­se Be­set­zung hat sehr lang­fris­ti­ge Fol­gen, sie ist ei­ner der größ­ten Er­fol­ge des Prä­si­den­ten. Es gibt Kri­tik an den tra­di­tio­nel­len US-Me­di­en, dass sie über all die­se Po­li­tik nicht oder nur we­nig be­rich­ten.

Der­weil än­dert sich das Land, hat ein Wah­l­er­geb­nis ech­te Kon­se­quen­zen. Ben Car­son, Mi­nis­ter für Woh­nen und Stadt­ent­wick­lung: „Ich bin froh, dass Trump das gan­ze Feu­er auf sich zieht. Wäh­rend­des­sen krie­ge ich mei­ne Sa­chen ge­re­gelt“.

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