Ge­lähmt

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG - VON GUNARS REICHENBACHS, BÜ­RO HAN­NO­VER

Nie­der­sach­sens Po­li­tik tau­melt schwie­ri­gen Wo­chen ent­ge­gen. Die Re­gie­rungs­kri­se nach dem Über­tritt ei­ner Grü­nen-Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten zur CDU lähmt das Land. We­der ver­fügt die bis­he­ri­ge rot-grü­ne Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on von Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil über ei­ne Mehr­heit im Land­tag, noch ver­mag es die CDU, die rech­ne­ri­sche Mehr­heit mit der FDP zu nut­zen, um ein Miss­trau­ens­vo­tum im Par­la­ment durch­zu­set­zen und Spit­zen­kan­di­dat Bernd Al­t­hus­mann zum neu­en Re­gie­rungs­chef zu wäh­len. Die FDP sträubt sich, sol­che Spiel­chen mit­zu­ma­chen. Völ­lig zu Recht. Die Fol­ge: Nie­der­sach­sen wird nur noch ver­wal­tet und nicht mehr re­giert. Kein gu­ter Zu­stand. Das ha­ben die Bür­ger nicht ver­dient.

Den Neu­wahl­ter­min auf den 15. Ok­to­ber zu le­gen und nicht auf den 24. Sep­tem­ber, den Tag der Bun­des­tags­wahl, ist trotz­dem ei­ne gu­te Ent­schei­dung. Neu­wah­len im Hopp­la-Hopp-Stil hät­ten das Cha­os noch ver­grö­ßert und je­de Men­ge Chan­cen ge­bo­ten, dass Rich­ter noch die­sen Schweins­ga­lopp stop­pen.

Durch­ein­an­der auch im Nie­der­säch­si­schen Land­tag: Sämt­li­che Aus­schüs­se müs­sen neu zu­sam­men­ge­setzt wer­den, da­mit sie die neue po­li­ti­sche Mehr­heit im Par­la­ment wi­der­spie­geln. Was macht die Op­po­si­ti­ons-Ko­ali­ti­on mit die­ser Mehr­heit? Paukt sie Ge­set­ze durch, für die es bis­her kei­ne Zu­stim­mung gab? Viel­leicht mit weit­tra­gen­den fi­nan­zi­el­len Fol­gen? Wie geht es wei­ter mit den bei­den Par­la­men­ta­ri­schen Un­ter­su­chungs­aus­schüs­sen? In ei­nem wird die Is­la­mis­ten-Ge­fahr in Nie­der­sach­sen be­leuch­tet, im an­de­ren Ver­ga­be-Af­fä­ren der Lan­des­re­gie­rung. Ver­zich­ten CDU und FDP auf Be­fra­gun­gen und Zeu­gen?

Ant­wor­ten gibt es bis­lang kei­ne. Schwarz/Gelb ist von der Re­gie­rungs­kri­se eben­so über­rascht wor­den wie Rot/ Grün. Da­für fehlt in den Schub­la­den je­de Blau­pau­se.

Bleibt nur zu wün­schen, dass sich bis zur Neu­wahl ein biss­chen Ver­nunft durch­setzt. Dass un­ab­hän­gig vom po­li­ti­schen Ge­zänk we­nigs­tens die Hoch­was­ser-Op­fer ei­ne fi­nan­zi­el­le Ent­schä­di­gung er­hal­ten. Den Rest soll­ten der nächs­te Land­tag und die nächs­te Re­gie­rung ent­schei­den.

@ Den Au­tor er­rei­chen Sie un­ter Reichenbachs@in­fo­au­tor.de

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