„Die Klin­ge war kom­plett im Blut“

0utach­te­rin­nen er­klä­ren Be­weis­mit­tel – 8äter-DNA am Mes­ser?

Nordwest-Zeitung - - IM NORDWESTEN - VON MAR­CO SENG

In der Rechts­me­di­zin wur­den kei­ne ein­deu­ti­gen Hin­wei­se für Fremd­ver­schul­den beim 8od von Ger­da Basse ge­fun­den. Wer die Zi­ga­ret­ten am 8at­ort ge­raucht hat, ist wei­ter­hin un­klar.

AU­RICH/LEER – Eie Beis­ten Blut­sprit­zer fin­den sich an der drit­ten Sitz­grup­pe. „Das Op­fer muss schon am Bo­den ge­hockt oder ge­le­gen ha­ben, weil al­le Ein­tra­gun­gen nur im un­te­ren Be­reich sind“, sagt die Gut­ach­te­rin.

Der Bar­ho­cker kom­me als mög­li­ches Schlag­werk­zeug in Be­tracht. „Man sieht kei­nen dy­na­mi­schen Tat­ver­lauf. Das Op­fer ist nicht durch den Saal ge­lau­fen.“

Der Tä­ter ha­be mut­maß­lich noch ver­sucht, den Tat­ort zu rei­ni­gen, er­klärt die Mo­le­ku­lar­bio­lo­gin. Da­durch sei das Blut in den Schacht un­ter dem Bo­den ge­lau­fen. „Der Tep­pich ist im Nach­hin­ein da hin­ge­legt wor­den.“

So könn­te Ger­de Basse ge­stor­ben sein, in der Nacht auf den 22. Ok­to­ber 2016, in ih­rem Ga­le­rie-Café in LeerBingum. Nur ein hy­po­the­ti­scher Ta­t­ab­lauf, be­tont die Gut­ach­te­rin „Aber er wür­de sich mit den Blut­spu­ren de­cken.“

Vor dem Land­ge­richt Au­rich wur­de am Mon­tag der Pro­zess um die Tö­tung der Mil­lio­nä­rin aus Leer fort­ge­setzt. Die Rechts­me­di­zi­ne­rin Ca­ro­lin Ed­ler und die Mo­le­ku­lar­bio­lo­gin Ani­ta Nan­dy er­klä­ren die ge­fun­de­nen Spu­ren und Be­weis­mit­tel.

Ob auch ein Sturz als Ur­sa­che für die Blut­sprit­zer in­fra­ge kom­me, will Rich­ter Da­ni­el Huns­mann wis­sen. Nan­dy schüt­telt den Kopf. Nein, da hat je­mand mehr­fach zu­ge­schla­gen. Auf ei­nem Bild­schirm im Ge­richts­saal sieht man Fotos vom Tat­ort.

Der tat­ver­däch­ti­ge Chris­ti­an I. sitzt wie im­mer fast reg­los auf der An­kla­ge­bank. Die Staats­an­walt­schaft Au­rich wirft dem ehe­ma­li­gen Mie­ter von Basse vor, der 66-Jäh­ri­gen nach ei­nem Streit im Ga­le­rieCa­fé mit ei­nem Mes­ser die Hals­schlag­ader durch­trennt und mit ei­nem Ho­cker auf sie ein­ge­schla­gen zu ha­ben. Das Op­fer sei durch den mas­si­ven Blut­ver­lust ge­stor­ben.

Die Blut­spu­ren am Mes­ser und am Bar­ho­cker deu­ten dar­auf hin, dass es so ge­we­sen sein könn­te. „Die Klin­ge war

von bei­den Sei­ten kom­plett im Blut“, sagt Nan­dy. Zu­dem wur­den am Griff des 31 Zen­ti­me­ter lan­gen Mes­sers DNASpu­ren von Chris­ti­an I. ge­fun­den.

Die Rechts­me­di­zi­ne­rin Ed­ler be­tont al­ler­dings, dass es

bei der To­ten „kei­ne ein­deu­ti­gen Spu­ren für ein Fremd­ver­schul­den“ge­be. Was un­ter Um­stän­den da­mit zu­sam­men­hängt, dass die Lei­che ein hal­bes Jahr lang in ei­nem Wald­stück in See­ve­tal bei Ham­burg lag, vom Tä­ter un­ter Grün­ab­fäl­len ver­steckt. In die­ser Zeit sei­en Kopf und Hals von Tie­ren an­ge­fres­sen wor­den.

Ver­tei­di­ger Se­bas­ti­an Wendt fragt die Gutachterinnen, ob Bas­ses Kopf­ver­let­zun­gen auch beim Trans­port der Lei­che im Au­to ent­stan­den sein könn­ten. Ed­ler über­legt. Da­für ge­be es kei­ne Hin­wei­se.

Auch der mög­li­che Al­ko­hol­pe­gel von Basse wird im Ge­richts­saal lan­ge dis­ku­tiert. Nach Zeu­gen­aus­sa­gen sol­len Op­fer und Tat­ver­däch­ti­ger am frag­li­chen Abend be­trun­ken ge­we­sen sein. Die Rechts­me­di­zi­ne­rin nennt ho­he Pro­mil­le­wer­te bei Basse. Doch weil es Bak­te­ri­en gibt, die beim Ver­we­sungs­pro­zess Al­ko­hol pro­du­zie­ren und an­de­re, die ihn ab­bau­en, sa­gen die­se Wer­te am En­de we­nig aus. „Ge­naue Men­gen sind nicht mehr zu be­stim­men“, er­klärt Ed­ler.

Of­fen bleibt auch die Fra­ge, wer die Zi­ga­ret­ten ge­raucht hat, die im Ga­le­rie-Café ge­fun­den wur­den. Nach An­ga­ben der Mo­le­ku­lar­bio­lo­gin fin­den sich dar­an DNA-Spu­ren von zwei un­be­kann­ten Män­nern. War in den vier Ta­gen zwi­schen der Tö­tung von Ger­da Basse und dem Trans­port im Au­to au­ßer Chris­ti­an I. noch je­mand im Café?

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