Ein Le­ben lang

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG - VON HANS BEGEROW @ Den Au­tor er­rei­chen Sie un­ter Begerow@in­fo­au­tor.de

Es war ei­ne der auf­se­hen­er­re­gends­ten Straf­ta­ten der Nach­kriegs­zeit, die Ent­füh­rung und Er­mor­dung des Ban­kier­sohns Jakob von Metz­ler. Nicht nur die Nie­der­tracht des Tä­ters, ein Be­kann­ter der Fa­mi­lie des Op­fers, hat die Men­schen be­wegt. Auch der Ver­such des da­ma­li­gen Frank­fur­ter Po­li­zei­prä­si­den­ten, der dem Tat­ver­däch­ti­gen Ge­walt an­droh­te, um das Ver­steck des Ent­führ­ten zu er­fah­ren, hat Spu­ren hin­ter­las­sen.

15 Jah­re ist der we­gen der Tat ver­ur­teil­te Magnus Gäf­gen nun in Haft. Sei­nen Na­men darf man in den Me­di­en un­ge­straft schrei­ben, er hat ihn näm­lich ge­än­dert (bei an­de­ren hin­dert da das Recht auf Re­so­zia­li­sie­rung). Jetzt hat Gäf­gen sei­ne Ent­las­sung auf Be­wäh­rung be­an­tragt, ein un­ge­wöhn­li­cher Vor­gang, weil in sei­nem Fall die be­son­de­re Schwe­re der Schuld fest­ge­stellt wur­de, was ei­ne Ent­las­sung nach 15 Jah­ren Haft ei­gent­lich nicht er­laubt. Es stellt sich bei Ge­walt­ta­ten an Kin­dern im­mer wie­der die Fra­ge nach dem Um­gang mit den zu Langs­tra­fen Ver­ur­teil­ten. Für die An­ge­hö­ri­gen ist ei­ne Frei­las­sung schwer zu er­tra­gen. Sie tra­gen an dem Trau­ma des Ver­lus­tes ihr Le­ben lang. Und ver­mut­lich län­ger als die Ver­ur­teil­ten.

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