Land­tag will sich selbst auf­lö­sen

Al­le Frak­tio­nen ei­nig – Be­schluss kommt am 21. Au­gust – Hef­ti­ge De­bat­te

Nordwest-Zeitung - - NIEDERSACHSEN - VON GUNARS REICHENBACHS, BÜ­RO HAN­NO­VER

Die Über­läu­fe­rin Twes­ten steht im Feu­er der Kri­tik. Rot/Grün klagt die Ex-Grü­ne an.

HAN­NO­VER – Im Ziel sind sich die 137 Land­tags­ab­ge­ord­ne­ten ei­nig: Das Par­la­ment will sich am 21. Au­gust selbst auf­lö­sen nach dem Wech­sel der Ex-Grü­nen-Ab­ge­ord­ne­ten El­ke Twes­ten zur CDU und dem da­mit ver­bun­de­nen Ver­lust der Mehr­heit von Rot/ Grün. Doch zu­vor er­lebt das Plenum an die­sem Don­ners­tag ei­ne hit­zi­ge Ver­balSchlacht. Be­vor­zug­tes Ein­satz­mit­tel: die Moral-Keu­le. Droht jetzt ei­ne Schlamm­schlacht bis zur Neu­wahl am 15. Ok­to­ber?

Die Über­läu­fe­rin taucht der­weil in der dritt­letz­ten Rei­he der CDU-Frak­ti­on ab. Vor sich ei­nen gro­ßen Block aus „Re­cy­cling-Pa­pier“, wie es sich für ei­ne Ex-Grü­ne ge­hört. Auf dem Tisch kei­ne Blu­men für die Neue, kein Will­kom­mens­gruß. Ex-Land­wirt­schafts­mi­nis­ter Hans-Hein­rich Eh­len gibt der von Ka­me­ras Ver­folg­ten mit sei­nem

brei­ten Rü­cken Ge­leit­schutz. „Die Weil-Re­gie­rung ist schon vor dem Schwar­zen Frei­tag ins Strau­cheln ge­ra­ten“, gei­ßelt Se­kun­den spä­ter CDUFrak­ti­ons­chef Björn Thüm­ler Rot/Grün. Auch oh­ne den Twes­ten-Wech­sel sei die­se Re­gie­rung „am En­de“mit ei­nem „ka­ta­stro­pha­len Un­ter­richts­aus­fall“, „Äm­ter­pa­tro­na­ge“und ei­ner „Po­li­tik fürs Schau­fens­ter“N die Frak­ti­on klatscht be­geis­tert. Twes­ten

nicht. Vie­le Vor­wür­fe Thüm­lers tref­fen die vier­ein­halb Jah­re, als Twes­ten mit ih­rer Stim­me rot-grü­ner Po­li­tik zur Mehr­heit ver­half. Erst als Thüm­ler die Het­ze in so­zia­len Me­di­en ge­gen Twes­ten klagt, klatscht die Be­trof­fe­ne.

SPD-Frak­ti­ons­che­fin Jo­han­ne Mod­der ar­bei­tet sich („Frau Twes­tenO“) mit ih­rer viel­leicht bes­ten Re­de in der Le­gis­la­tur­pe­ri­ode an der Ab­weich­le­rin ab. „Kei­ne mo­ra­li­sche Recht­fer­ti­gung“ge­be es, klagt Mod­der. Wä­ren die Ge­wis­sen­qua­len so groß ge­we­sen wie be­haup­tet, „dann wä­re es kon­se­quent, das Man­dat zu­rück­zu­ge­ben“, kri­ti­siert Mod­der. „Aus Ei­gen­nutz“sei der Wech­sel zur CDU er­folgt, wirft die SPD-Po­li­ti­ke­rin Twes­ten vor, weil die­se kei­ne Chan­ce mehr bei den Grü­nen ge­habt ha­be. „Was für ein Preis wur­de ge­zahlt?“fragt ei­ne em­pör­te Mod­der. Der gan­ze Vor­gang sei „ein Ar­muts­zeug­nis“.

Ge­nüss­lich zi­tiert Grü­nen­Frak­ti­ons­che­fin An­ja Piel die Über­läu­fe­rin mit ei­nem Satz vom 12. Ju­ni in ei­ner Zei­tung: „Kei­ne Par­tei wird ak­tu­ell so ge­braucht wie die Grü­nen.“Wo­chen spä­ter sitzt die glei­che Twes­ten bei der CDU.

Für FDP-Chef Ste­fan Birk­ner be­steht den­noch kein Ge­schmäck­le bei die­sem Fron­ten­wech­sel. Ge­schei­tert sei Rot/Grün nicht an El­ke Twes­ten, „son­dern an der ei­ge­nen Un­fä­hig­keit“, sagt Birk­ner, der der Ko­ali­ti­on Het­ze in den Me­di­en und das Be­die­nen ei­ner „Mit­leids­num­mer“vor­wirft. Wie al­le Red­ner zu­vor en­det Birk­ner mit dem Hin­weis: „Jetzt hat der Wäh­ler das Wort.“Wie wahr.

DPA-BILD: HOLLEMANN

Son­der­sit­zung des Land­tags: Die Ab­ge­ord­ne­ten be­ra­ten über die Auf­lö­sung des Par­la­ments.

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