Ver­steck­spiel vor letz­ter Show

2sain Bolt vor Staf­fel­fi­na­le ab­ge­taucht – Kein Nach­fol­ger in Sicht

Nordwest-Zeitung - - SPORT - VON KRISTOF STÜHM

Nach sei­ner Nie­der­la­ge über 100 Me­ter ist der Ja­mai­ka­ner kaum zu se­hen. Sei­nem Sport feh­len die prä­gen­den Ge­sich­ter.

LON­DON – Usain Bolt ist ab­ge­taucht. Kein Spon­tan­be­such bei ei­ner be­rühm­ten Fast­food-Ket­te, kei­ne Par­ty­bil­der aus ei­ner Lon­do­ner Dis­co, noch nicht ein­mal Spon­so­ren­ter­mi­ne oder ei­ne Pres­se­kon­fe­renz – der Su­per­star, der Laut­spre­cher der Leicht­ath­le­tik, be­rei­tet sich ganz still auf sei­nen Ab­schied vor.

Am Wo­che­n­en­de fällt für Bolt der Vor­hang. End­gül­tig. An die­sem Sams­tag (22 50

nd s t steigt das Fi­na­le über 4x100 Me­ter, es ist der letz­te Auf­tritt des 30-Jäh­ri­gen auf der WMBüh­ne. In den Stra­ßen von Lon­don lä­chelt Bolt der­zeit von Wer­be­pla­ka­ten, er rennt dy­na­misch und sie­ges­si­cher über Vi­deo­lein­wän­de. Doch per­sön­lich lässt sich der Ja­mai­ka­ner nach sei­ner Nie­der­la­ge über 100 Me­ter ge­gen Jus­tin Gat­lin nicht bli­cken.

Auf den Ti­tel über sei­ne Lieb­lings­stre­cke 200 Me­ter hat Bolt ja schon vor­her frei­wil­lig ver­zich­tet, weil er wohl wuss­te, dass die Kräf­te nicht rei­chen wür­den. Wenn er ge­lau­fen wä­re, wä­re es „noch

schlim­mer“ge­wor­den als über die 100 Me­ter, sag­te er nach dem ver­lo­re­nen Fi­na­le.

Bolts Ab­we­sen­heit hat aber auch kein an­de­rer Ath­let ge­nutzt, um nach­hal­tig auf sich auf­merk­sam zu ma­chen oder sei­nen An­spruch als neu­er Su­per­star der Sze­ne zu er­he­ben. Way­de van Nie­kerk hät­te das Po­ten­ti­al da­zu, doch der Süd­afri­ka­ner ist vom Typ her das Ge­gen­teil des Spaß­ma­chers – höf­lich, nett, aber

eben (noch) kein Un­ter­hal­ter.

Im deut­schen La­ger hofft man, dass nach Bolt „wie­der mehr die Viel­falt der Leicht­ath­le­tik in den Fo­kus rückt“. Aber ob sich da­mit 60 000 Zu­schau­er ins Sta­di­on lo­cken las­sen? Oder Mil­lio­nen vor die Fern­se­her? Es darf zu­min­dest be­zwei­felt wer­den. Nicht nur Welt­ver­bands-Prä­si­dent Se­bas­ti­an Coe trau­ert Bolt be­reits nach. „Die­ser Kerl ist ein Ge­nie“, sag­te Coe: „In mei­nem

gan­zen Le­ben ha­be ich noch kei­nen Sport­ler – ne­ben Mu­ham­mad Ali – er­lebt, der die Men­schen so in sei­nen Bann ge­zo­gen hat.“

Der deut­sche Re­kord­hal­ter Jo­han­nes Vet­ter hat in­des mit ei­nem Pau­ken­schlag das Fi­na­le im Speer­wurf (die­sen Sams­tag, 21.15 Uhr) er­reicht. Der 24-Jäh­ri­ge warf im ers­ten Ver­such der Qua­li­fi­ka­ti­on gran­dio­se 91,20 Me­ter und kam da­mit in die Nä­he des Meis­ter­schafts-Re­kords des tsche­chi­schen Welt­re­kord­lers Jan Ze­lez­ny (2001/92,80 Me­ter).

Olym­pia­sie­ger Thomas Röh­ler und Andre­as Hof­mann folg­ten Vet­ter ins Fi­na­le. Der Jena­er Röh­ler qua­li­fi­zier­te sich am Don­ners­tag­abend mit 83,87 Me­tern, sein Mann­hei­mer Team­kol­le­ge Hof­mann kam auf 85,62 Me­ter.

DPA-BILD: MAT­THI­AS SCHRA­DER

Hält sich der­zeit be­deckt: Usain Bolt

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