Wis­sen über DDR schwin­det

Hu­ber­tus Kn­a­be über die Er­in­ne­rung an die Op­fer des So­zia­lis­mus

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG - VON RASMUS ?UCHSTEINER, ?ÜRO ?ERLIN

FRA­GE: Die Bun­des­kanz­le­rin hat das frü­he­re Sta­si-Ge­fäng­nis in Ho­hen­schön­hau­sen be­sucht. Hat sie kon­kre­te Zu­sa­gen für die Zu­kunft der 'uf­ar­bei­tung von DD(-)nrecht ge­macht* KN­A­BE: Der Be­such der Kanz­le­rin war ein deut­li­ches Si­gnal der Un­ter­stüt­zung für die Au­f­ar­bei­tung und für die Ar­beit un­se­rer Ge­denk­stät­te. Der Bund hilft nicht nur mit Mit­teln bei un­se­ren lau­fen­den Kos­ten. Es wird jetzt auch ei­nen zwei­ten Bau­ab­schnitt bei der Sa­nie­rung des Ge­län­des ge­ben. FRA­GE: +ie häu­fig er­le­ben Sie, dass ver­sucht -ird, DD(-)nrecht zu re­la­ti­vie­ren, oder ein Schluss­strich ge­for­dert -ird* KN­A­BE: Die DDR wird von ei­ni­gen als halb so schlimm dar­ge­stellt, manch­mal auch als „Auf­bau ei­ner bes­se­ren Ge­sell­schafts­ord­nung“ver­klärt, wie es im Pro­gramm der Link­s­par­tei heißt. Wir in­for­mie­ren da­ge­gen über das tat­säch­li­che Le­ben in der DDR und er­klä­ren, was es be­deu­tet hat, in ei­nem Re­gime zu le­ben, in dem man von der Stra­ße weg fest­ge­nom­men wer­den kann, um in ei­ner Sta­siZel­le auf­zu­wa­chen. Die Ge­ne­ra­ti­on

de­rer, die der DDR nach­trau­ern, wird al­ler­dings im­mer klei­ner. Bei den Ju­gend­li­chen von heu­te be­steht eher das Pro­blem, dass sie gar nichts mehr über die­se Zeit wis­sen. Sie kön­nen mit den Na­men Erich Hone­cker oder Erich Miel­ke nichts mehr an­fan­gen. Und sie ha­ben kei­ne Ah­nung, war­um aus der schö­nen kom­mu­nis­ti­schen Uto­pie ein Land mit Mau­er, St­a­chel­draht und Ge­fan­gen­la­gern wur­de. FRA­GE: .hema For­schung / ist die 'rbeit der Sta­si inz-ischen aus­rei­chend un­ter­sucht* KN­A­BE: Ich weiß nicht, wie man dar­auf kom­men kann, dass die DDR aus­ge­forscht sei. Wir wis­sen bis heu­te nicht ein­mal, wie vie­le Men­schen aus po­li­ti­schen Grün­den in der DDR im Ge­fäng­nis sa­ßen oder dort ums Le­ben ka­men oder de­por­tiert wur­den. Wir wis­sen auch nicht, ob sich die Le­bens­er­war­tung in der DDR po­li­tisch Ver­folg­ter von der der all­ge­mei­nen Be­völ­ke­rung un­ter­schei­det usw. Um sol­che Fra­gen hat die For­schung bis­her ei­nen Bo­gen ge­macht. Da ha­ben wir viel auf­zu­ho­len. In an­de­ren ehe­mals kom­mu­nis­ti­schen Län­dern ist man da wei­ter, selbst in Russ­land, wo so­gar Na­mens­lis­ten der Op­fer ver­öf­fent­licht wur­den. FRA­GE: 'm Sonn­tag 0ährt sich der .ag des 1au­er­baus von 2342. Ein Er­eig­nis, das in 5er­ges­sen­heit zu ge­ra­ten droht* KN­A­BE: Beim Be­such der Kanz­le­rin ha­ben wir ei­nen Zeit­zeu­gen da­zu ge­be­ten, der als Häft­ling im Ar­beits­la­ger der Sta­si die Spa­ni­schen Rei­ter kon­stru­ie­ren muss­te, die am Tag des Mau­er­baus ein­ge­setzt wor­den sind. Es ist aber heu­te im­mer schwe­rer zu ver­mit­teln, was es be­deu­tet, ein Land voll­kom­men ab­zu­rie­geln und in ein gro­ßes Ge­fäng­nis zu ver­wan­deln. Wer das nicht selbst er­lebt hat, kann das kaum nach­voll­zie­hen. Es wird al­so im­mer schwie­ri­ger, die Er­in­ne­rung an die­ses per­ver­se Grenz­re­gime auf­recht zu er­hal­ten. FRA­GE: Sie -ün­schen sich ei­ne 'uf-er­tung des Ge­den­kens an den 26. 'ugust 2342* KN­A­BE: Ja. Aber man muss auf­pas­sen, dass das Ge­den­ken nicht zum Ri­tu­al ver­kommt, wie frü­her in West-Deutsch­land am 17. Ju­ni, dem Jah­res­tag des Volks­auf­stands in der DDR. Man muss des­halb neue, mo­der­ne For­men der Er­in­ne­rung fin­den. Der 27. Ja­nu­ar, der Ge­denk­tag für die Op­fer des Na­tio­nal­so­zia­lis­mus, zeigt, wie das mög­lich ist. An die­sem Tag fin­det vor al­lem in den Schu­len sehr viel Er­in­ne­rungs­ar­beit statt. So et­was fehlt uns für die kom­mu­nis­ti­sche Dik­ta­tur in der DDR. Der 17. Ju­ni und der 13. Au­gust wä­ren bei­de gut da­für ge­eig­net.

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