Cha­os an Schu­len „Ta­ges­ge­schäft“

Kul­tus­mi­nis­te­rin Hei­li­gen­stadt sieht trotz Kla­gen kei­ne be­son­de­re La­ge

Nordwest-Zeitung - - NIEDERSACHSEN - VON GUNARS REICHENBACHS, BÜ­RO HAN­NO­VER

Leh­rer wer­den hin- und her­ge­scho­ben. Stel­len in Cux­ha­ven sind äu­ßerst un­be­liebt.

HAN­NO­VER – Der Chef der Lan­des­schul­be­hör­de, Ul­rich Demp­wolf, ver­steht die Auf­re­gung nicht. Um rie­si­ge Per­so­nal­lü­cken vor al­lem in Grund­schu­len zu stop­fen und Pflicht­un­ter­richt zu ga­ran­tie­ren, wur­den seit Be­ginn des neu­en Schul­jahrs vor al­lem Gym­na­si­al­leh­rer zwangs­wei­se „ab­ge­ord­net“. An Gym­na­si­en und Ge­samt­schu­len fällt da­für Un­ter­richt aus. „All­tags­ge­schäft“nennt der Spit­zen­be­am­te von Kul­tus­mi­nis­te­rin Frau­ke Hei­li­gen­stadt (SPD) das rie­si­ge Per­so­nal­ka­rus­sell, dem schon 4000 Päd­ago­gen zum Op­fer fie­len. Schil­de­run­gen aus die­sem „All­tags­ge­schäft“ mu­ten an wie ein Stück aus dem Toll­haus.

„Im­mer wie­der ist fest­zu­stel­len, dass die Be­rech­nun­gen der Schul­be­hör­den über­haupt nicht ak­tu­ell sind und Lehr­kräf­te auf­grund völ­lig fal­scher Zah­len ab­ge­ord­net wer­den“, kri­ti­siert Horst Au­dritz von Phi­lo­lo­gen­ver­band: „So kommt es vor, dass Lehr­kräf­te an Grund­schu­len ih­re Ar­beit auf­neh­men wol­len, dort aber er­fah­ren, dass sie gar nicht ge­braucht wer­den, wäh­rend gleich­zei­tig an ih­rem Gym­na­si­um der Un­ter­richt aus­fällt.“Für den Chef der Lan­des­schul­be­hör­de sind das Pro­ble­me, „die im Ein­zel­fall un­ter­schätzt wur­den“.

„Die ab­ge­ben­den Schu­len müs­sen ei­nen Kraft­akt stem­men“, sagt Pe­tra Wie­den­roth vom Lan­des­ver­band der El­tern­rä­te an Gym­na­si­en. Un­ter­richt wür­de eben­so ge­stri­chen wie vie­le Ver­an­stal­tun­gen und AG’s. Die El­tern

em­pört be­son­ders, „dass sich die Kul­tus­mi­nis­te­rin die­ser Rea­li­tät ver­wei­gert“.

Hei­li­gen­stadt selbst gab sich am Frei­tag vor dem Kul­tus­aus­schuss des Land­tags ge­las­sen. Mot­to: Al­les im Griff. „Ab­ord­nun­gen sind kein neu­es In­stru­ment“, ver­steht Hei­li­gen­stadt die gan­ze Auf­re­gung nicht. Sie rech­net mit ei­ner durch­schnitt­li­chen Un­ter­richts­quo­te von 98 Pro­zent über al­le Schul­for­men in Nie­der­sach­sen hin­weg. Pro­ble­me ge­be es nur „in länd­li­chen Räu­men an klei­nen Schu­len“. Die Kul­tus­mi­nis­te­rin muss aber ein­räu­men, dass von 481 aus­ge­schrie­be­nen Grund­schul-Leh­rer­stel­len nur 360 be­setzt wer­den konn­ten. Oft fehlt die At­trak­ti­vi­tät. Für ei­ne Stel­le in Cux­ha­ven, nennt Demp­wolf ein Bei­spiel, „muss man bei Be­wer­bern schon drei oder vier Mal an­ru­fen“. Bet­teln per Te­le­fon.

Für den FDP-Schul­ex­per­ten Björn Förs­ter­ling war der flä­chen­de­cken­de Un­ter­richts­aus­fall zu Be­ginn die­ses Schul­jah­res vor­her­seh­bar. Dar­auf nicht zu re­agie­ren sei „mehr als igno­rant“, so Förs­ter­ling. Der CDU-Schul­ex­per­te Kai See­fried nennt die Kul­tus­mi­nis­te­rin „völ­lig über­for­dert“. Un­ter­richts­aus­fall sei bit­te­re Nor­ma­li­tät.

DPA-BILD: STEF­FEN

Grund­schü­ler im Un­ter­richt in Amel­gat­zen

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