Im Abi bloß )in) Vi)r in D)utsch

Best­sel­ler­au­tor Klaus-Pe­ter 4olf über treue Fans und ers­te Ge­schich­ten

Nordwest-Zeitung - - KULTUR - VON RE­GI­NA JERICHOW

Zwi­schen dem Schrift­stel­ler und sei­nen Le­sern be­steht ei­ne in­ten­si­ve Bin­dung. Tou­ris­ten kom­men in sei­nen 4ohn­ort Nor­den in Ost­fries­land, um die Schau­plät­ze sei­ner Kri­mis zu se­hen.

FRA­GE: err Wolf wie lebt es sich als Best­sel­ler­au­tor in der Pro­vinz? Wird man er­kannt? WOLF: Lch war ge­ra­de in der Kon­di­to­rei „Ten Ca­te“, die auch in mei­nen Bü­chern ei­ne gro­ße Rol­le spielt, um mir ei­nen Ku­chen zu ho­len. Dort sit­ze ich gern und schrei­be. Als ich eben dort war, ka­men ganz vie­le Tou­ris­ten her­ein, weil sie das Ca­fé aus den Bü­chern ken­nen. Die woll­ten al­le Au­to­gram­me ha­ben und Sel­fies mit mir ma­chen. Als ich nach et­wa ei­ner St­un­de wie­der am Au­to stand, hat­te ich den Ku­chen ver­ges­sen. (lacht) Man­che Tou­ris­ten kom­men nach Ost­fries­land, um die Schau­plät­ze der Mor­de in mei­nen Bü­chern zu be­su­chen. FRA­GE: Kann die­se Auf­merk­sam­keit auch mal auf die Ner­ven ge­hen? WOLF: Nein, das geht mir über­haupt nicht auf die Ner­ven, son­dern löst ein Glücks­ge­fühl in mir aus. Das sind ja Men­schen, die Tau­sen­de Sei­ten von mir ge­le­sen ha­ben. Mein Ver­lag ist der An­sicht, dass mei­ne Kri­mi-Rei­he und ich mit den nor­ma­len Ge­set­zen des Buch­mark­tes nichts mehr zu tun ha­ben. Ich neh­me das als Kom­pli­ment. FRA­GE: Dann be­kom­men Sie wohl auch vie­le Zu­schrif­ten% WOLF: Mei­ne Bü­cher er­schei­nen stets an ei­nem Don­ners­tag. Vie­le mei­ner Fans neh­men sich ei­gens den Frei­tag frei, um das Buch in Ru­he le­sen zu kön­nen. Und am Sams­tag­abend, spä­tes­tens am Sonn­tag­mor­gen be­kom­me ich die ers­ten Brie­fe be­zie­hungs­wei­se E-Mails. Nach Er­schei­nen ei­nes neu­en Ro­mans er­hal­te ich in den ers­ten Wo­chen 250 bis 300 Le­ser­zu­schrif­ten am Tag. Da­zu kommt noch Face­book. FRA­GE: Wor­an liegt das? WOLF: Das ist ei­ne sehr merk­wür­dig in­ten­si­ve Bin­dung zu

mei­nen Le­sern. Sie iden­ti­fi­zie­ren sich sehr mit mir als Au­tor und zu den ein­zel­nen Per­so­nen in den Bü­chern. FRA­GE: Sie ha­ben als Acht­jäh­ri­ger Ih­re ers­te Ge­schich­te ge­schrie­ben% Hat das Schrei­ben Ih­re Kind­heit ge­prägt? WOLF: Ichwoll­te­nie­et­wa­san­de­res. Und ich bin da­für viel aus­ge­lacht wor­den. FRA­GE: Wie ha­ben Ih­re Deutsch­leh­rer die­sen Be­rufs­wunsch auf­ge­nom­men?

WOLF: Die ha­ben auch dar­über ge­lacht, weil ich so vie­le Feh­ler in mei­nen Tex­ten hat­te. Noch im Abitur war nicht si­cher, ob ich in Deutsch ei­ne Vier oder ei­ne Fünf er­hal­te. Ei­nen Tag vor dem Abitur ha­be ich je­doch den Li­te­ra­tur­preis für die bes­te deut­sche Kurz­ge­schich­te be­kom­men. Ich war Deutsch­lands jüngs­ter Li­te­ra­tur­preis­trä­ger. FRA­GE: Was hat­te es mit der Ge­schich­ten­er­zäh­ler­ban­de auf sich, die Sie ge­grün­det ha­ben? WOLF: Heu­te wür­den wir das Gan­ze „in­ter­ak­tiv“nen­nen, aber das Wort kann­ten wir da­nicht. mals In Gel­sen­kir­chen ha­be ich als Acht- oder Neun­jäh­ri­ger mit Freun­den ei­ne Ban­de ge­grün­det. Ge­meins­ind sam wir auf ei­nem dooSchot­ter­hof fen spa­zie­ren ge­gan­gen, im­mer nur im Kreis, und ha­ben die tolls­ten Aben­teu­er er­lebt. Denn ich ha­be Ge­schich­ten er­fun­den, in de­nen al­le mit­spiel­ten. Al­le durf­ten über den Ver­lauf der Hand­lung mit­ent­schei­den. FRA­GE: Und was wa­ren das für Ge­schich­ten? WOLF: Ich hat­te drei Se­ri­en. Ei­ne spiel­te un­ter Rit­tern, ei­ne un­ter Pi­ra­ten und ei­ne wei­te­re un­ter Cow­boys und In­dia­nern. Die ers­te Ent­schei­dung mei­ner Freun­de be­traf im­mer die Aus­wahl der Se­rie, die ich dann wei­ter­erzäh­len muss­te. FRA­GE: Wie wirk­te sich das auf Ih­re Ro­ma­ne aus? WOLF: Heu­te ma­che ich das ganz ähn­lich. Mei­ne Freun­mein de, Be­kann­ten­kreis, sind Fi­gu­ren mei­ner Bü­cher, et­wa der Mau­rer Pe­ter Gren­del, der Kon­di­tor Jörg Tap­per oder die Sän­ge­rin Bet­ti­na Göschl, mit der ich üb­ri­gens ver­hei­ra­tet bin. Das sind al­les wich­ti­ge Fi­gu­ren, die mit der Kom­mis­sa­rin Ann Kath­rin Klaa­sen be­freun­det sind. Fik­ti­on und Rea­li­tät ver­mi­schen sich. FRA­GE: In Ih­rem ak­tu­el­len Buch .To­ten­stil­le im Watt“ha­ben Sie ei­ne neue Fi­gur ein­ge­führt, den Psych­ia­ter Dr% Som­mer­feldt% Brauch­ten Sie mal ei­ne Aus­zeit von Kom­mis­sa­rin Klaa­sen? WOLF: Som­mer­feldt ist ein li­te­ra­ri­sches Ex­pe­ri­ment: Zum ers­ten Mal ha­be ich ei­nen gan­zen Ro­man aus Tä­ter­sicht ge­schrie­ben. Bei ei­nem Spa­zier­gang am Deich war plötz­lich die­ser Som­mer­feldt da, und ich merk­te gleich: Das ist ei­ne raf­fi­nier­te Fi­gur. Ich fand den so fas­zi­nie­rend, dass ich beim Schrei­ben dann ge­merkt ha­be, dass ich nicht die Per­spek­ti­ve wech­seln, son­dern in sei­nem Kopf blei­ben woll­te. FRA­GE: Hat es funk­tio­niert? WOLF: Mit dem Buch bin ich zum fünf­ten Mal in Fol­ge, von Null auf Platz eins der Ta­schen­buch-Best­sel­ler­lis­te des „Spie­gel“ge­lan­det.

BILD: GA­BY GERS­TER

Ein Wahl-Ost­frie­se in an­ge­mes­se­ner Klei­dung: der Best­sel­ler­au­tor KlausPe­ter Wolf

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