End­spurt auf d)r Jagd nach d)m Gold)n)n L)opard)n

Schwei­zer Film­fes­ti­val Lo­car­no nä­hert sich dem En­de – Preis­ver­ga­be an die­sem Sams­tag

Nordwest-Zeitung - - KULTUR - VON PE­TER CLAUS

LO­CAR­NO – Ob in den Ca­fés un­ter den Pal­men am Schwei­zer Ufer des La­go Mag­gio­re oder in den stets lan­gen Schlan­gen vor den Ki­nos: In Lo­car­no wird der­zeit über­all spe­ku­liert, wer am Sams­tag­abend den Gol­de­nen Leo­par­den des 70. in­ter­na­tio­na­len Film­fes­ti­vals be­kommt. Zwei Na­men fal­len da­bei be­son­ders häu­fig: der von Schau­spie­le­rin Jo­han­na Wo­ka­lek aus Deutsch­land und der ih­res US-ame­ri­ka­ni­schen Kol­le­gen Har­ry De­an Stan­ton.

Jo­han­na Wo­ka­lek gilt un­an­ge­foch­ten als Fa­vo­ri­tin für die Aus­zeich­nung als bes­te Schau­spie­le­rin. Ihr fein­ner­vi­ges Por­trät ei­ner 40-Jäh­ri­gen auf der Flucht vor sich selbst im Fa­mi­li­en­dra­ma „Frei­heit“von Re­gis­seur Jan Spe­cken­bach be­kam ein­hel­li­gen Bei­fall. Hol­ly­wood-Alt-Star Har­ry De­an Stan­ton hat als 90-jäh­ri­ger

phi­lo­so­phi­scher Kauz in der me­lan­cho­li­schen Ko­mö­die „Lu­cky“(Re­gie John Car­roll Lynch) be­geis­tert.

Weit aus­ein­an­der ge­hen hin­ge­gen die Mei­nun­gen, wel­cher Film den Haupt­preis, den Gol­de­nen Leo­par­den, ge­winnt.

Von den 18 Bei­trä­gen des „Con­cor­so In­ter­na­zio­na­le“kom­men ei­ni­ge in­fra­ge. Die Ju­ry un­ter Vor­sitz des fran­zö­si­schen Re­gis­seurs Oli­vier As­sa­yas, pro­mi­nent be­setzt auch mit der ös­ter­rei­chi­schen Schau­spie­le­rin Bir­git Mi­nich­mayr, hat die Qu­al der Wahl.

Soll gu­tes Er­zähl­ki­nos aus­ge­zeich­net wer­den, ha­ben „Frei­heit“und „Lu­cky“gu­te Chan­cen. Wol­len die Ju­ro­ren sti­lis­ti­schen Wa­ge­mut prä­mie­ren, dürf­ten die fran­zö­sisch-por­tu­gie­si­sche Ge­sell­schafts­pa­ra­bel „9 Fin­ger“(Re­gie F.J. Ossang) oder die chi­ne­si­sche Lo­ve­sto­ry „Li­bel­len­au­gen“von Xu Bing weit vorn in der Ju­ry-Gunst lie­gen.

Be­vor­zu­gen die Ju­ro­ren je­doch po­li­tisch am­bi­tio­nier­tes Kino, könn­te der fil­mi­sche An­ti-Ras­sis­mus-Es­say „Hast Du drü­ber nach­ge­dacht, wer ge­schos­sen hat?“vom USA­me­ri­ka­ner Tra­vis Wil­ker­son den Haupt­reis er­hal­ten. Dann hat aber eben­so die pa­läs­ti­nen­si­sche Va­ter-Sohn-Ge­schich­te „Pflicht“gu­te Chan­cen.

Gleich meh­re­re Fil­me kom­men für die Aus­zeich­nung mit dem be­gehr­ten Pu­bli­kums­preis in­fra­ge. Er wird an ei­nen der au­ßer­halb des Wett­be­werbs ge­zeig­ten Fil­me der abend­li­chen Frei­luft­auf­füh­run­gen auf der Piaz­za Gran­de ver­ge­ben. Deutsch­land darf hof­fen: Das His­to­rien­epos „Ice­man“(„Der Mann aus dem Eis“) mit Jür­gen Vo­gel als „Öt­zi“und das Fa­mi­li­en­dra­ma „Drei Zin­nen“mit Alex­an­der Fehling lie­gen gut im Ren­nen.

Doch auch die Piaz­za-Kon­kur­renz ist stark. Kan­di­da­ten für den Pu­bli­kums­preis sind zu­dem das fran­zö­si­sche Dra­ma „Lo­la Pa­ter“mit Fan­ny Ar­dent, das US-ame­ri­ka­ni­sche Ac­tion-Spek­ta­kel „Ato­mic Blon­de“mit Char­li­ze The­ron, die ita­lie­ni­sche Tra­gi­ko­mö­die „Lie­bes­ge­schich­ten, die nicht von die­ser Welt sind“mit der in ih­rer Hei­mat durch das Fern­se­hen sehr po­pu­lä­ren Schau­spie­le­rin Lu­cia Ma­sci­no und die US-ame­ri­ka­ni­sche Romanze „The Big Sick“.

DPA-BILD: URS FLUEELER

Kino-Zau­ber un­term Re­gen­schirm: Zu­schau­er auf der Piaz­za Gran­de in Lo­car­no sind gut ge­rüs­tet.

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