Schwes­ter es c s

Nordwest-Zeitung - - WORT Z SO T ZEI E - VON ALKE SOLLING Alke S&lling ist Leh­re­rin an der IGS Flö­ten­teich, Ol­den­burg

Der Som­mer neigt sich so lang­sam dem En­de ent­ge­gen, und in vie­len Ge­sprä­chen wird nun re­sü­miert, ob er zu nass, zu kurz, zu heiß oder zu kalt war. Nur in den al­ler­sel­tens­ten Fäl­len hört man: Er war ge­nau rich­tig. Ei­gent­lich er­staun­lich, die­se la­ten­te Un­zu­frie­den­heit. Da­bei lässt sich die Zuf­rie­den­heit deut­lich stei­gern, oh­ne dass glück­li­che­re Um­stän­de ein­tre­ten müs­sen. Glück, wenn un­ser Herz über­voll ist und wir uns mit der Welt in völ­li­gem Gleich­klang füh­len, ist ein sel­te­nes und lei­der auch flüch­ti­ges Ge­fühl. Al­lein schon weil un­ser Kör­per die Glücks­hor­mo­ne in un­se­rer Blut­bahn zü­gig wie­der ab­baut. Wil­lent­lich kön­nen wir dies nicht be­ein­flus­sen.

An­ders ist dies bei der klei­nen Schwes­ter des Glücks: der Zuf­rie­den­heit. Sie wird maß­geb­lich von un­se­rem Ver­stand be­stimmt, in­dem wir un­se­re Le­bens­si­tua­ti­on be­wer­ten. Wenn sich un­se­re Wirk­lich­keit mit un­se­ren Ide­al­vor­stel­lun­gen deckt, sind wir zu­frie­den. Je grö­ßer aber der Un­ter­schied ist, des­to un­zu­frie­de­ner sind wir. Wie exis­ten­zi­ell das Zu­sam­men­spiel von An­spruch und Wirk­lich­keit ist, zeigt auch die Schöp­fungs­ge­schich­te (Gen 1,12,4a). Nach (fast) je­dem Schöp­fungs­akt heißt es dort: Gott sah, dass es gut war.

Lei­der klin­gelt aber der mor­gend­li­che We­cker ge­fühlt im­mer ei­ne St­un­de zu früh, und auch die To-do-Lis­te des Ta­ges ist abends meist noch nicht voll­stän­dig ab­ge­ar­bei­tet. Wel­che Denk­pro­zes­se füh­ren in die­sen Si­tua­tio­nen nun zu mehr Zuf­rie­den­heit? Ent­we­der muss die Wirk­lich­keit oder aber die Wunsch­vor­stel­lung ver­än­dert wer­den. In un­se­rer Leis­tungs­ge­sell­schaft be­vor­zu­gen wir eher den ak­ti­ven Weg und ver­su­chen, die Welt un­se­ren Vor­stel­lun­gen an­zu­pas­sen. Dies ist auch rich­tig, da es uns an­treibt und Zie­le er­rei­chen lässt. Mit zu­neh­men­der Le­bens­er­fah­rung er­ken­nen wir aber, dass es manch­mal klü­ger ist, un­se­re An­sprü­che zu ver­än­dern. Na­tür­lich sol­len wir nicht zu an­triebs­lo­sen „couch po­ta­toes“mu­tie­ren. Es ist viel­mehr ein Auf­ruf zu mehr Be­schei­den­heit. Los­las­sen und sich be­schei­den ist in un­se­rer Kon­sum­ge­sell­schaft si­cher kein ein­fa­cher Weg, aber kom­bi­niert mit Dank­bar­keit und Wohl­wol­len, auch sich selbst ge­gen­über, kön­nen wir Zuf­rie­den­heit in un­se­rem Le­ben er­rei­chen, ob­wohl die Welt nicht per­fekt ist.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.