Trau­er­spiel am Ver­lie­rer­tisch

„Ta­ble 19“ei­ne et­was an­de­re Hoch­zeits­ko­mö­die – Mehr als bloß Staf­fa­ge

Nordwest-Zeitung - - KULTUR - VON CHRIS­TI­AN FAHRENBACH

In sei­nen bes­ten Mo­men­ten er­in­nert der Film an ein Buch des Bri­ten Nick Horn­by. Ob­wohl die Ko­mö­die auch ei­ni­ge Schwä­chen hat, wächst ei­nem die schrul­li­ge Trup­pe ans Herz.

NEW YORK – Bei je­der Hoch­zeit gibt es sol­che Gäs­te: Nett, aber sie ste­hen ei­nem eben nicht mehr nah. Ei­gent­lich sind die­se Men­schen aus dem Le­ben des Paa­res ver­schwun­den, aber aus Pflicht­ge­fühl be­kom­men sie doch ei­ne Ein­la­dung. In „Ta­ble 19 – Lie­be ist fehl am Platz“(Ki­no­start an die­sem Don­ners­tag) sit­zen all die­se Gäs­te am sel­ben Tisch.

Da ist zum Bei­spiel die Ver­flos­se­ne

des Bru­ders der Braut (wie so oft un­ter­for­dert: An­na Kend­rick, „Pitch Per­fect“), die eins­ti­ge Ba­by­sit­te­rin (Ju­ne Squibb, „Ne­bras­ka“) und der im Ge­fäng­nis sit­zen­de Nef­fe der Fa­mi­lie (Ste­phen Mer­chant) auf Frei­gang.

Net­te Spie­le­rei

Kurz nach ih­rem Ken­nen­ler­nen sit­zen die­se Men­schen oh­ne Il­lu­sio­nen her­um: „Ich kann von hier aus das Klo rie­chen, das zeigt doch, wie gut wir das Paar ken­nen“, sagt ein wei­te­rer Gast von ih­nen, ein Ge­schäfts­freund der Fa­mi­lie (Craig Ro­bin­son, Da­ryl aus „The Of­fice“), ent­täuscht ver­hei­ra­tet mit ei­ner schnip­pi­schen Frau, die hier von Li­sa Ku­drow (Pho­ebe aus „Fri­ends“) ge­spielt wird.

Die Be­set­zung ist al­so er­fah­ren in ähn­li­chen Fil­men

des Gen­res. Und auch die Au­to­ren­brü­der Mark und Jay Du­plass sind be­kannt da­für, aus ein­fa­chen Ide­en, kleine und smar­te In­de­pen­dent-Fil­me zu schrei­ben. Gu­te Bei­spie­le sind das in­ti­me Al­te-Lie­be-ros­tet­nicht-Dra­ma „Blue Jay“oder „The Puf­fy Chair“, ein Road­mo­vie über ei­nen jun­gen Mann, der quer durch die USA fährt, um sei­nem Va­ter ei­nen Ses­sel zu lie­fern.

Auch „Ta­ble 19“fühlt sich zu Be­ginn nach ei­ner sol­chen net­ten Spie­le­rei an. Gnä­di­ge 82 Mi­nu­ten Net­to­lauf­zeit oh­ne Vor­spann und Cre­dits sor­gen zu­dem da­für, dass der Film flott vor­an­schnurrt und „Ta­ble 19“in den bes­ten Mo­men­ten an ein Buch des Bri­ten Nick Horn­by er­in­nert.

Nach ei­ner Wei­le ent­schei­det sich aber die schrul­li­ge Trup­pe, ihr Schick­sal selbst in die Hand zu neh­men. Sie ver­las­sen

die Fei­er und er­zäh­len ein­an­der aus ih­ren Le­ben. Schon vor­her klin­gen man­che Gags wie aus ei­ner kaum zu­sam­men­hän­gen­den Sket­chRe­vue und ab der Mit­te sinkt die Dich­te an gu­ten La­chern noch ein­mal spür­bar – spä­tes­tens da ent­glei­tet dem Film auch die Hand­lung voll­ends.

Nicht oh­ne Charme

Da­für pas­siert et­was an­de­res, denn trotz al­ler Pro­ble­me mit den Cha­rak­te­ren vom Reiß­brett und kaum zün­den­den Wit­zen, sind die­se Ver­lie­rer nicht oh­ne Charme. Je län­ger der Film vor­an­schrei­tet, des­to mehr wach­sen sie ei­nem ans Herz. Am En­de ist es eben doch ei­ne Idee, die zieht: End­lich ein­mal ste­hen die Fi­gu­ren im Zen­trum, die sonst in Hoch­zeits­ko­mö­di­en nur Staf­fa­ge sind.

DPA-BILD: TWENTIETH CENTURY FOX

Schrul­li­ge Trup­pe von Ver­lie­rern (von links): Li­sa Ku­drow, Craig Ro­bin­son, Ju­ne Squibb, Ste­phen Mer­chant, To­ny Re­vo­lo­ri und An­na Kend­rick in ei­ner Sze­ne des Films „Ta­ble 19 – Lie­be ist fehl am Platz“

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