Ein Flug ins Un­ge­wis­se

Das 0il­li­ar­den-Ge­schäft, die Angst der 0it­ar­bei­ter und die War­nun­gen der Wett­be­werbs­hü­ter

Nordwest-Zeitung - - HINTERGRUND - VON RAS­MUS BUCH­STEI­NER, BÜ­RO BER­LIN

Luft­han­sa tri­um­phiert bei der Über­nah­me­schlacht um Air Ber­lin. Doch nicht je­der freut sich dar­über.

BER­LIN – Don­ners­tag um zwölf Uhr ging es zum No­tar: Der Mil­li­ar­den-De­al über den Ver­kauf gro­ßer Tei­le der in­sol­ven­ten Flug­li­nie Air Ber­lin an Luft­han­sa ist be­sie­gelt. „In der Tat ist das heu­te ein gro­ßer Tag“, er­klär­te Cars­ten Sp­ohr, Chef der Luft­han­sa. Über den ver­blei­ben­den Rest von Air Ber­lin soll wei­ter ver­han­delt wer­den – mit Ea­sy­jet, wo­mög­lich bald auch mit an­de­ren. Luft­han­sa tri­um­phiert, Tau­sen­de Air-Ber­lin-Be­schäf­tig­te ban­gen um ih­re Jobs, vie­le Ver­brau­cher blei­ben auf den Kos­ten für be­reits ge­kauf­te Ti­ckets sit­zen. Wel­che Fol­gen hat der Air-Ber­lin-De­al im Ein­zel­nen?

LUFT­HAN­SA

Der Kon­zern über­nimmt mit sei­ner Bil­lig­flug­toch­ter Eu­ro­wings 81 der zu­letzt rund 130 Flug­zeu­ge von Air Ber­lin samt Start- und Lan­de­rech­ten, in­ves­tiert da­für 1,5 Mil­li­ar­den Eu­ro. An den Flug­hä­fen Ber­lin-Te­gel und Düs­sel­dorf wird Luft­han­sa da­mit zur HauptAir­line. Auf ei­ni­gen Stre­cken – Bei­spiel Mün­chen-Köln – sol­len dem­nächst Jets so­wohl von Luft­han­sa als auch von Eu­ro­wings star­ten. Un­term Strich stärkt die Kra­nich-Air­line ih­ren Markt­an­teil durch das Ge­schäft deut­lich und plant auch Langstre­cken-Ver­bin­dun­gen, die bis­lang von Air Ber­lin ge­flo­gen wur­den. Of­fen ist noch, was aus dem ver­blei­ben­den Rest von Air Ber­lin wird. Über 20 bis 30 Jets wird der­zeit mit Ea­sy­jet ver­han­delt, doch die Ge­sprä­che wa­ren zu­letzt ins Sto­cken ge­ra­ten. Mög­lich, dass nun an­de­re zum Zu­ge kom­men – Con­dor et­wa.

DIE KAR­TELL­BE­HÖR­DEN

Der De­al muss von der deut­schen und von der eu­ro­päi­schen Wett­be­werbs­auf­sicht ge­neh­migt wer­den. Achim Wam­bach, Chef der Mo­no­pol­kom­mis­si­on, geht da­von aus, dass da­bei Auf­la­gen er­teilt wer­den. „Mög­lich wä­ren Ver­pflich­tun­gen, be­stimm­te Start- und Lan­de­rech­te an Wett­be­wer­ber ab­zu­ge­ben. Bei je­der Stre­cke wird ge­prüft, ob Al­ter­na­ti­ven vor­han­den sind“, sag­te er. Das Prüf­ver­fah­ren könn­te ei­ni­ge Zeit dau­ern. Luft­han­sa rech­net mit ei­ner Über­gangs­pha­se von sechs bis neun Mo­na­ten.

DIE BE­SCHÄF­TIG­TEN

Das Ma­nage­ment von Air Ber­lin geht da­von aus, dass 6400 der 8000 Mit­ar­bei­ter bei an­de­ren Un­ter­neh­men ei­nen neu­en Job fin­den kön­nen. Ve­r­un­si­che­rung und Em­pö­rung bei den Be­schäf­tig­ten sind groß, denn bis­her gibt es die von den Ge­werk­schaf­ten ver­lang­ten So­zi­al­plä­ne und Über­gangs­re­ge­lun­gen nicht. Ins­ge­samt 3000 Mit­ar­bei­ter von Air Ber­lin sol­len ei­ne Stel­le bei Luft­han­sa/Eu­ro­wings er­hal­ten. 1500 Be­schäf­tig­te der nicht in­sol­ven­ten Ge­sell­schaf­ten Ni­ki und LG Wal­ter wer­den di­rekt über­nom­men, bei Eu­ro­wings sind 1500 Neu­ein­stel­lun­gen ge­plant – wenn auch wahr­schein­lich zu deut­lich ver­schlech­ter­ten Kon­di­tio­nen.

DIE KUN­DEN

Al­le Air-Ber­lin-Ti­ckets für die Zeit nach dem 28. Ok­to­ber ver­fal­len. Kun­den, die ih­re Ti­ckets nach dem 15. Au­gust ge­kauft ha­ben, sol­len das Geld für ih­ren aus­ge­fal­le­nen Flug zu­rück­er­stat­tet be­kom­men. „Es ist zu hof­fen, dass dies schnell und un­bü­ro­kra­tisch pas­siert“, er­klär­te Ing­mar Stree­se vom Ver­brau­cher­zen­tra­le Bun­des­ver­band am Don­ners­tag. „Gänz­lich im Re­gen ste­hen die Kun­den, die vor dem 15. Au­gust ge­bucht ha­ben. Sie kön­nen nicht mehr flie­gen und be­kom­men kei­ner­lei Geld zu­rück.“Die Po­li­tik müs­se da­für sor­gen, dass Flug­gäs­te künf­tig mit ei­ner ver­pflich­ten­den In­sol­venz­ver­si­che­rung für Flug­bu­chun­gen ge­schützt wür­den.

DER BUND

Über die staat­li­che Kre­dit­an­stalt für Wie­der­auf­bau (KfW) war Air Ber­lin ein 150-Mil­lio­nen-Eu­ro-Kre­dit ge­währt wor­den, um den Flug­be­trieb nach der In­sol­venz bis in den Herbst hin­ein si­cher­zu­stel­len. In der Bun­des­re­gie­rung geht man da­von aus, dass das Geld zu­rück­fließt, da es mit dem Ver­kauf gro­ßer Tei­le von Air Ber­lin nun wie­der Ein­nah­men gibt.

DPA-BILD: ANSPACH DPA-BILD: KUMM

Düs­te­re Aus­sich­ten: Ei­ne AirBer­lin-Ma­schi­ne star­tet auf dem Flug­ha­fen Ber­lin-Te­gel in den Re­gen­him­mel.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.