Ver­nunft re­giert

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG - VON GUNARS REICHENBACHS, BÜ­RO HAN­NO­VER

Wenn nicht al­les täuscht, wird Nie­der­sach­sen bald von ei­ner Ko­ali­ti­on der Ver­nunft re­giert. Was bis­her aus den Ver­hand­lun­gen von SPD und CDU nach au­ßen dringt, be­weist, dass sich bei­de gro­ßen Par­tei­en nicht viel mit ideo­lo­gi­schem Bal­last auf­hal­ten. Al­le Teil­neh­mer lo­ben die sehr fo­kus­sier­te Ar­beits­at­mo­sphä­re – welch’ ein Ge­gen­satz zum Hau­en, Ste­chen und Fin­tie­ren bei den Son­die­rungs­run­den für Ja­mai­ka auf der Ber­li­ner Büh­ne.

Fast schon atem­be­rau­bend, wie schnell sich da­ge­gen So­zi­al­de­mo­kra­ten und Unio­nis­ten in Nie­der­sach­sen in ei­nem po­li­ti­schen Boot wie­der­fin­den. FDP und Grü­ne kön­nen in die­sem Fall nur stau­nend zu­schau­en. Bei­de Op­po­si­ti­ons­par­tei­en ha­ben sich selbst aus dem Spiel ge­nom­men mit ei­nem strik­ten Nein zu ei­ner Am­pel (durch die FDP) und zu Ja­mai­ka (durch die Grü­nen). Wer bei den Li­be­ra­len viel­leicht ge­glaubt ha­ben mag, dass die FDP ge­for­dert sein könn­te als Ret­ter fest­ge­fah­re­ner Ko­ali­ti­ons­ge­sprä­che zwi­schen SPD und CDU, wird bit­ter ent­täuscht. Die Stra­te­gie ist kra­chend ge­schei­tert. Auf den Flu­ren des Land­tags trau­ern FDP-Po­li­ti­ker längst der ver­ge­be­nen Chan­ce nach, mit der SPD und den Grü­nen Re­gie­rungs-Mög­lich­kei­ten we­nigs­tens aus­ge­lo­tet zu ha­ben. Vor­bei.

Die Gro­ße Ko­ali­ti­on wird die po­li­ti­sche Zu­kunft ge­stal­ten. Die schwach­brüs­ti­ge Op­po­si­ti­on kann an­ge­sichts ei­ner rie­si­gen Mehr­heit der bei­den Gro­ßen im Land­tag nur zu­se­hen, nicht völ­lig er­drückt zu wer­den. Es wird Grü­nen, FDP und AfD schwer ge­nug fal­len, in den nächs­ten vier­ein­halb Op­po­si­ti­ons­jah­ren über­haupt öf­fent­lich wahr­ge­nom­men zu wer­den. Tem­po und The­men be­stim­men an­de­re.

Die neu­en Re­gie­rungs­part­ner räu­men da­bei Kon­flik­te na­he­zu ge­räusch­los ab. Bes­tes Bei­spiel: Trotz er­bit­ter­ten Streits im Wahl­kampf über die In­klu­si­on ge­lingt es bin­nen we­ni­ger Ver­hand­lungs­stun­den, ei­nen trag­fä­hi­gen Kom­pro­miss zu fin­den – mit Au­gen­maß und ei­ner gu­ten Por­ti­on Prag­ma­tis­mus.

Die Gro­ße Ko­ali­ti­on be­schränkt sich of­fen­bar auf das Mach­ba­re, das bei­de Wäh­ler­la­ger nicht in Angst und Schre­cken ver­setzt. Ei­ne klu­ge Stra­te­gie, von der bei­de Par­tei­en am En­de pro­fi­tie­ren kön­nen.

@ Den Au­tor er­rei­chen Sie un­ter Reichenbachs@in­fo­au­tor.de

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