Viel­leicht an­rü­chig, aber nicht straf­bar

Trump Ju­ni­or soll zwei­fel­haf­te Ver­bin­dun­gen zu Wi­ki­leaks un­ter­hal­ten

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG - VON ?RIEDEMANN DIE­DE­RICHS, BÜ­RO WA­SHING­TON

Mi­ke Pom­peo, der von US-Prä­si­dent Do­nald Trump ein­ge­setz­te CIA-Chef, sieht Wi­ki­leaks of­fi­zi­ell als „nicht­staat­li­che feind­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on“, die von Russ­land un­ter­stützt wer­de. Auch des­halb ent­behrt es nicht ei­ner ge­wis­sen Iro­nie, dass nun ein Nach­rich­ten­ver­kehr der Ent­hül­lungs-Platt­form mit Do­nald Trump ju­ni­or aus dem Jahr 2016 an die Öf­fent­lich­keit ge­lang­te – ku­rio­ser­wei­se und ir­gend­wie pas­send durch ein „Leck“in ei­nem Kon­gress-Un­ter­su­chungs­aus­schuss, vor dem sich der Trump-Sohn kürz­lich ver­trau­lich zu die­sen Mit­tei­lun­gen ge­äu­ßert hat­te.

Der Auf­ge­regt­heits-Fak­tor ist nun groß in Wa­shing­ton und vor al­lem bei den Trump­kri­ti­schen Me­di­en in den USA. Füh­ren­de De­mo­kra­ten glau­ben, dass da­mit ein wei­te­res Mo­sa­ik­stück für die Be­haup­tung ge­fun­den wor­den ist, dass das Trump-La­ger ak­tiv mit Russ­land zu Las­ten von Hil­la­ry Cl­in­ton ko­ope­riert hat.

Doch wie be­las­tend ist die Wi­ki­leaks-Kom­mu­ni­ka­ti­on tat­säch­lich? Un­be­streit­bar ist, dass die Re­pu­bli­ka­ner nach „Schmutz“such­ten, mit dem man dann Cl­in­ton be­wer­fen woll­te. Im Cl­in­ton-La­ger wie­der­um wur­den ähn­li­che An­stren­gun­gen über ei­nen frü­he­ren bri­ti­schen Spi­on mit gu­ten Mos­kau-Kon­tak­ten un­ter­nom­men, die schließ­lich in ei­nem „Trump-Dos­sier“en­de­ten, das dem Be­wer­ber un­ter an­de­rem von Trump hef­tig de­men­tier­te Kon­tak­te zu rus­si­schen Pro­sti­tu­ier­ten un­ter­stell­te. Die nun ent­hüll­ten Wi­ki­leaks-Mit­tei­lun­gen, die meis­tens von der We­bPlatt­form aus­gin­gen, schei­nen auf den ers­ten Blick je­den­falls kei­ne von der Jus­tiz ver­wert­ba­re ne­ga­ti­ve Fak­ten zu ent­hal­ten.

In ei­ner Nach­richt an Wi­ki­leaks vom 3. Ok­to­ber 2016 über das Twit­ter-Nach­rich­ten­sys­tem frag­te Trump ju­ni­or, was hin­ter ei­ner an­ge­kün­dig­ten Ver­öf­fent­li­chung der Web­sei­te ste­cke. So et­was ist in den USA nicht il­le­gal – zu­mal ja auch Me­di­en wie die „New York Ti­mes“eng mit Wi­ki­leaks ko­ope­rier­ten. Ei­ne Wo­che spä­ter ant­wor­te­te Wi­ki­leaks mit dem Vor­schlag, Trump ju­ni­or sol­le doch den Va­ter bit­ten, bei sei­nen Tweets auf Wi­ki­leaks-Ent­hül­lun­gen von De­mo­kra­tenMails zu ver­lin­ken. Trump ju­ni­or ant­wor­te­te dar­auf­hin nicht mehr. Rund 15 Mi­nu­ten spä­ter twit­ter­te der heu­ti­ge Prä­si­dent dann sei­nen Fans: Die „un­ehr­li­chen Me­di­en“wür­den sich nur we­nig mit den „un­glaub­li­chen In­for­ma­tio­nen von Wi­ki­leaks“be­fas­sen. Der äl­tes­te Trump-Sohn igno­rier­te spä­ter zahl­rei­che Nach­rich­ten der Web­sei­te – wie un­ter an­de­rem die Auf­for­de­rung, doch die Steu­er­er­klä­run­gen sei­nes Va­ters der Web­sei­te zu­zu­spie­len. Ob die­se Kor­re­spon­denz auch ju­ris­tisch re­le­vant ist, dar­über dürf­ten sich in den USA Ex­per­ten je nach po­li­ti­schem Blick­win­kel strei­ten.

Trump ju­ni­or for­der­te je­den­falls nach dem bis­he­ri­gen Kennt­nis­stand nie­mals Wi­ki­leaks auf, ak­tiv Ne­ga­ti­ves über die De­mo­kra­ten aus­zu­gra­ben. Und die Fra­ge al­ler Fra­gen lau­tet oh­ne­hin: Kann die Web­sei­te so ein­fach mit Russ­land gleich­ge­setzt wer­den?

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