Lau­ni­ge Er­öff­nung im „Pla­ne­ten“

Grs­te Sit­zung im neu­en Plenar­saal – Ga­b­rie­le And­ret­ta ein­stim­mig zur Prä­si­den­tin ge­wählt

Nordwest-Zeitung - - HINTERGRUND - VON GUNARS REICHENBACHS, BÜ­RO HAN­NO­VER

S3­hö­ne3ke am­tiert als Al­ters­prä­si­dent. Er er­in­nert an die Ver­ant­wor­tung der Ge­wähl­ten.

HAN­NO­VER – Hei­ner Schöne­cke (71) bringt den Land­tag so­fort zum La­chen mit ei­nem wun­der­vol­len Ver­spre­cher. „Vor we­ni­gen Ta­gen ha­ben wir die­sen Pla­ne­ten ein­ge­weiht“, sagt der CDU-Po­li­ti­ker – um so­fort zu kor­ri­gie­ren: „Äh, die­ses Plenum.“Das Eis ist ge­bro­chen. Fand der Zu­sam­men­tritt des neu­ge­wähl­ten Par­la­ments in den ers­ten Mi­nu­ten spür­bar ver­krampft statt we­gen der neu­en AfDFrak­ti­on ganz rechts­au­ßen, geht’s ab so­fort lo­cker wei­ter.

Schöne­cke nutzt sein Amt als Al­ters­prä­si­dent, um den

Start in die neue Le­gis­la­tur­pe­ri­ode hu­mor­voll über die Büh­ne zu brin­gen. Sei­ne Fra­ge, ob es noch je­man­den Äl­te­ren im Saal ge­be, der die Eh­re der Sit­zun­geröff­nung wahr­neh­men könn­te, wird mit Schwei­gen be­ant­wor­tet. Der Land­wirt aus Buch­holz darf mit Ge­burts­da­tum 21. März 1946 sei­nen Platz für den Land­tags­prä­si­den­ten be­hal­ten. Dass zu sei­ner Sei­te die Jüngs­ten die Er­öff­nung mit­lei­ten, ist ei­ne wirk­lich net­te Ges­te der Ab­ge­ord­ne­ten für Im­ke Byl (24, Grü­ne) und Phil­ipp Raul­ffs (26, SPD), den bei­den „Ta­ges-Vi­ze­prä­si­den­ten“.

Al­le Par­la­men­ta­ri­er er­in­nert der Al­ters­prä­si­dent an die „gro­ße Ver­ant­wor­tung“als ge­wähl­te Volks­ver­tre­ter. Tat­säch­lich hat sich ein re­gel­rech­ter Um­bruch voll­zo­gen. Zu den 137 Ab­ge­ord­ne­ten, die al­le er­schie­nen sind, ge­hö­ren

56 Neu­lin­ge. Das be­deu­tet nicht nur In­te­gra­ti­ons­ar­beit in den Frak­tio­nen, son­dern auch Ei­n­ar­bei­tung in die Ge­schäfts­ord­nung.

Dies­mal klappt’s. Das Trio macht sei­ne Sa­che gut – bis die SPD-Ab­ge­ord­ne­te Ga­b­rie­le And­ret­ta zur neu­en Land­tags­prä­si­den­tin ge­wählt wird – mit al­len Stim­men des Hau­ses aus al­len Par­tei­en, ein­schließ­lich der AfD-Frak­ti­on. Schöne­cke ver­gisst nicht, ge­ra­de den Frisch­lin­gen ei­nen gu­ten Rat­schlag auf Platt­deutsch mit auf den Weg zu ge­ben: „Iss, was gar ist – trink’, was klar ist – sag’, was wahr ist.“Bei­fall von al­len Sei­ten.

Doch da­mit ist’s mit der Har­mo­nie auch weit­ge­hend vor­bei. Die neue AfD-Trup­pe ern­tet skep­ti­sche Bli­cke. Die neun­köp­fi­ge Grup­pe frem­delt sicht­bar, steht weit­ge­hend al­lein. Im Emp­fangs­saal um­gibt

die AfD ein un­sicht­ba­rer Kor­don. Kein Kon­takt.

Im Plenum sitzt AfD-Frak­ti­ons­che­fin Da­na Guth ganz al­lein in der ers­ten Rei­he. Die bei­den an­de­ren Klei­nen im Saal, FDP und Grü­ne, ver­fü­gen über zwei Sit­ze, die Gro­ßen über vier. So hat es der Äl­tes­ten­rat des Land­tags fest­ge­legt. Die AfD fühlt sich dis­kri­mi­niert. Die Göt­tin­ge­rin Guth är­gert sich. „Mich hat man zu fünf Jah­ren Ein­zel­haft ver­ur­teilt“, ge­winnt sie der Ent­schei­dung der an­de­ren Frak­tio­nen et­was Pos­sen­haf­tes ab. Da­ge­gen kla­gen? Geht nicht, ha­ben AfD-Ju­ris­ten er­mit­telt.

Aber da­mit nicht ge­nug. Hin­ter den Ku­lis­sen dro­hen schon die nächs­ten Kon­flik­te mit den Neu­en auf rechts­au­ßen: die Be­set­zung der Aus­schüs­se. Da­mit die AfD nach dem gül­ti­gen Zähl­ver­fah­ren ei­nen Aus­schuss­sitz be­an­spru­chen

könn­te, müss­te sie den Fak­tor 14 er­rei­chen. Die Frak­ti­on be­steht aber nur aus neun Köp­fen. Die Fol­ge: Ent­we­der die an­de­ren Frak­tio­nen kom­men der AfD ent­ge­gen, oder die Rechts­op­po­si­ti­on hat Pech ge­habt: In 14 von 21 Land­tags­aus­schüs­sen wür­de dann kein AfD-Ab­ge­ord­ne­ter als or­dent­li­ches Mit­glied sit­zen dür­fen.

In ih­rer An­tritts­re­de be­schwört Par­la­ments­prä­si­den­tin And­ret­ta die bei­den gro­ßen Frak­tio­nen nach­drück­lich, Rück­sicht auf die Rech­te von Min­der­hei­ten zu neh­men und „be­hut­sam mit der Mehr­heit um­zu­ge­hen“. Ein Test könn­te die Wahl ih­rer Stell­ver­tre­ter wer­den. SPD, CDU, Grü­ne und FDP ha­ben sich ge­ei­nigt, je­weils ei­nen Vi­ze­prä­si­den­ten zu stel­len. Die AfD kommt in die­ser Rech­nung nicht vor.

DPA-BILD: STRATENSCHULTE

100 Pro­zent der Stim­men: Mi­nis­ter­prä­si­dent Ste­phan Weil (SPD) gra­tu­liert Land­tags­prä­si­den­tin Ga­b­rie­le And­ret­ta (SPD) zu ih­rer Wahl.

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