Vor­bild­li­ches Ca­fé

SO­ZIA­LES Ho­he Aus­zeich­nung für Pro­je9t der Ge­mein­nüt­zi­gen Wer9st:tten am ;rei­tag­abend in Ber­lin

Nordwest-Zeitung - - VORDERSEITE - VON CHRIS­TOPH KIE­FER

Aus­zeich­nung für die Ge­mein­nüt­zi­gen Werk­stät­ten und die rus­si­sche Or­ga­ni­sa­ti­on „Le­ben oh­ne Trä­nen“: Das Ol­den­bur­ger Ca­fé Kurs­wech­sel stand Pa­te für das ers­te Ca­fé in Russ­land, in dem Men­schen mit Be­hin­de­run­gen ar­bei­ten.

Das Ca­fé Kurs­wech­sel in der VHS Oldenburg stand Pa­te für das ers­te Ca­fé in Russ­land, in dem Men­schen mit Be­hin­de­run­gen qua­li­fi­ziert wer­den sol­len.

OLDENBURG/HAT­TEN/BER­LIN – Men­schen mit Be­hin­de­rung fin­den als gleich­be­rech­tig­te Mit­glie­der An­er­ken­nung in der Ge­sell­schaft – die­sem Ge­dan­ken ver­schrei­ben sich die Ge­mein­nüt­zi­gen Werk­stät­ten Oldenburg e.V. (GWO) un­ter an­de­rem mit dem Pro­jekt Ca­fé Kurs­wech­sel. Seit 2010 wer­den in dem Ca­fé in den Räu­men der Volks­hoch­schu­le Oldenburg an der Karl­stra­ße Men­schen mit Be­hin­de­run­gen fach­lich an­ge­lei­tet auf das Be­rufs­le­ben vor­be­rei­tet. Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter über­neh­men hier al­le Ar­bei­ten von Ser­vice, Zubereitung der Spei­sen, bis The­ken­dienst und Kas­se selbst­stän­dig.

Das Pro­jekt fand so viel An­klang bei der Zi­vil­or­ga­ni­sa­ti­on „Le­ben oh­ne Trä­nen“aus Machatschka­la (Da­ges­tan/ Rus­si­sche Fö­de­ra­ti­on), dass in Machatschka­la in die­sen Wo­chen das ers­te Ca­fé die­ser Art in Russ­land über­haupt öff­net.

Mi­nis­ter gra­tu­liert

Die­ser Er­folg der deut­schrus­si­schen Zu­sam­men­ar­beit wur­de am Frei­tag auf ho­her Ebe­ne ge­wür­digt. „Le­ben oh­ne Trä­nen“und Ge­mein­nüt­zi­ge Werk­stät­ten er­hiel­ten im Rah­men der Ab­schluss­kon­fe­renz des Deutsch-Rus­si­schen Jah­res kom­mu­na­ler und re­gio­na­ler Part­ner­schaf­ten in Ber­lin ei­ne Aus­zeich­nung. Zu den pro­mi­nen­ten Teil­neh­mern ge­hör­ten die Au­ßen­mi­nis­ter von Deutsch­land und Russ­land, Hei­ko Maas (SPD) und Ser­gej La­w­row. Das Ca­féPro­jekt ist ei­nes von zehn Initia­ti­ven bun­des­weit, die ge­ehrt wur­den; be­wor­ben hat­ten sich rund 500.

Die Aus­zeich­nung nah­men GWO-Vor­stand Ger­hard Wes­sels, der GWO-Auf­sichts­rats­vor­sit­zen­de und Vor­sit­zen­de der Ge­sell­schaft Deutsch­lan­dRuss­land / Da­ges­tan in der Re­gi­on Oldenburg, Hel­mut Hin­richs, so­wie Er­tan As­lan, Be­schäf­tig­ter des Ca­fé Kurs­wech­sel, und Da­ni­el Lüll­mann, Be­triebs­lei­ter Gas­tro­no­mie GWO, ent­ge­gen.

Seit 2012 be­steht ein Aus­tausch über die Rech­te von Men­schen mit Be­hin­de­run­gen und der Ar­beit für die­sen Per­so­nen­kreis zwi­schen den Ge­mein­nüt­zi­gen Werk­stät­ten und „Le­ben oh­ne Trä­nen“in Machatschka­la, Da­ges­tan. Ziel ist es, theo­re­ti­sche und prak­ti­sche Er­fah­run­gen in der Be­hin­der­ten­hil­fe zu tei­len. Ent­stan­den ist der Kon­takt durch die Initia­ti­ve der Ge­sell­schaft Deutsch­land-Russ­land/Da­ges­tan, Mit­glied im Bun­des­ver­band Deut­scher Ost-West Ge­sell­schaf­ten.

Als prak­ti­sche Um­set­zung des ln­klu­si­ons­ge­dan­kens stieß das Ca­fé Kurs­wech­sel der ge­mein­nüt­zi­gen Ge­sell­schaft Teil­ha­be Ar­beit und Bil­dung – ei­ne Toch­ter­ge­sell­schaft der GWO – auf be­son­de­res In­ter­es­se. Das Ca­fé bie­tet un­ter ar­beits­markt­na­hen Be­din­gun­gen Qua­li­fi­zie­rungs­und Ar­beits­plät­ze für Men­schen mit Be­hin­de­run­gen an.

In An­leh­nung an das Kon­zept des Ca­fé Kurs­wech­sel soll noch im Sep­tem­ber 2018 in Machatschka­la ein Ca­fé mit glei­cher Ziel­set­zung öff­nen. Es wer­de das ers­te die­ser Art in Russ­land sein, be­ton­te die Vor­sit­zen­de des Ver­eins, Ay­shat Gam­zae­va.

Er­reicht wird die För­de­rung der Men­schen mit Be­hin­de­rung im Ca­fé Kurs­wech­sel durch Ein­satz ei­nes Sym­bol­sys­tems, das par­al­lel zur Schrift ein­ge­setzt wird. Dies bie­tet Mit­ar­bei­tern mit Be­hin­de­rung die Chan­ce, ei­ne Be­stel­lung auf­zu­neh­men, auch wenn sie nicht le­sen und schrei­ben kön­nen. Auch Kun­den, die Schwie­rig­kei­ten mit dem ge­schrie­be­nen Wort ha­ben, dient es als Hil­fe.

So­wohl Deutsch­land (2009) als auch Russ­land (2012) ha­ben die UN-Be­hin­der­ten­rechts­kon­ven­ti­on ra­ti­fi­ziert. Durch die Ra­ti­fi­zie­rung wur­den zu­sätz­li­che Ga­ran­ti­en für Si­cher­heit, Schutz und Ent­wick­lung der so­zia­len und wirt­schaft­li­chen Rech­te von Be­hin­der­ten ma­ni­fes­tiert. „Trotz gro­ßer Be­mü­hun­gen, die­se um­zu­set­zen, ha­ben Men­schen mit Be­hin­de­run­gen durch viel­fäl­ti­ge Bar­rie­ren im­mer noch ei­nen sehr ein­ge­schränk­ten Zu­gang zu fast al­len Le­bens­be­rei­chen“, be­rich­tet GWO-Vor­stand Wes­sels.

Der lang­jäh­ri­ge Aus­tausch zwi­schen GWO und dem Ver­ein „Le­ben oh­ne Trä­nen“ha­be ein ers­tes, prak­tisch greif­ba­res, Er­geb­nis ge­führt, freut sich Wes­sels.

BILD: PE­TER BIEL

Part­ner­schaft trägt Früch­te (von links): Russ­lands Au­ßen­mi­nis­ter Ser­gej La­w­row, Ay­shat Gam­zae­va („Le­ben oh­ne Trä­nen“), Ger­hard Wes­sels, Vor­stand Ge­mein­nüt­zi­ge Werk­stät­ten Oldenburg, und der deut­sche Au­ßen­mi­nis­ter Hei­ko Maas (SPD) am Frei­tag­abend in Ber­lin.

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