Si­ne Frau mit star­ken Ner­ven

5ar­um An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er der per­fek­te Mer­kel-Er­satz wä­re

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG -

Hat An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er schon gleich zu Be­ginn ei­nen Feh­ler ge­macht oder war es Tak­tik? Als Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel an­kün­digt, im De­zem­ber nicht wie­der für den Par­tei­vor­sitz kan­di­die­ren zu wol­len, über­lässt die Saar­län­de­rin erst ein­mal ih­ren Kon­tra­hen­ten das Feld. Fried­rich Merz mel­det sich mit viel Tam­tam auf der Bun­des­pres­se­kon­fe­renz aus sei­ner zehn­jäh­ri­gen po­li­ti­schen Ab­sti­nenz zu­rück. Jens Spahn ver­öf­fent­licht ei­nen Image­film. Ei­ne Wo­che lang wird nur über die bei­den Män­ner ge­re­det.

Kramp-Kar­ren­bau­er hat so viel Show nicht nö­tig. Denn im Ge­gen­satz zu Merz und Spahn hat sie schon be­wie­sen, dass sie Wah­len ge­win­nen kann und für ih­re Par­tei kämpft. Die Frau hat Ner­ven. 2017 geht An­ne­gret Kram­pKar­ren­bau­er, da­mals noch Mi­nis­ter­prä­si­den­tin des Saar­lands, aufs vol­le Ri­si­ko. Dort ste­hen Land­tags­wah­len an, ganz Deutsch­land re­det über den ge­hyp­ten SPD-Kanz­ler­kan­di­da­ten Mar­tin Schulz. Über ei­ne bal­di­ge Ab­lö­sung von Schwarz/Gelb durch Rot/ Rot/Grün wird spe­ku­liert. Kramp-Kar­ren­bau­er ver­kün­det im Fal­le ei­ner Wahl­nie­der­la­ge, sich aus der Po­li­tik zu­rück­zu­zie­hen. Doch die 56Jäh­ri­ge wagt und ge­winnt. Un­ter ih­rer Füh­rung holt die CDU mehr als 40 Pro­zent und sie bleibt Mi­nis­ter­prä­si­den­tin. Seit­dem wird Kramp-Kar­ren­bau­er als mög­li­che Mer­kel­gönnt.

Nach­fol­ge­rin ge­han­delt. Die Kanz­le­rin und Kramp-Kar­ren­bau­er schät­zen sich.

Doch ge­nau die­se Nä­he könn­te für die Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin im Ren­nen um den und mehr zu­hö­ren. Dies ha­be sie auf ih­rer Zu­hör-Tour als Ge­ne­ral­se­kre­tä­rin ge­lernt.

In den Um­fra­gen hat Fried­rich Merz die Na­se vorn. Al­ler­dings hat Kramp-Kar­ren­bau­er et­was, das Merz nicht hat: Glaub­wür­dig­keit. „Wir müs­sen deut­lich ma­chen, dass die­se Par­tei ei­ne gro­ße Volks­par­tei der Mit­te ist und auch bleibt“, sag­te Merz un­ter an­de­rem auf sei­ner viel be­ach­te­ten Pres­se­kon­fe­renz. Ei­ne in­ter­es­san­te Aus­sa­ge, wenn man be­denkt, dass der Kan­di­dat für den Par­tei­vor­sitz ge­nau dies nicht re­prä­sen­tiert. Merz ist kein Mann der Mit­te. Im letz­ten Jahr­zehnt ar­bei­te­te der 62-Jäh­ri­ge un­ter an­de­rem für die US-ame­ri­ka­ni­sche Fonds­ge­sell­schaft Black­rock. Das Un­ter­neh­men ver­wal­tet Geld­be­trä­ge in Hö­he von über sechs Bil­lio­nen US-Dol­lar. Durch sei­ne vie­len an­de­ren Tä­tig­kei­ten in der Pri­vat­wirt­schaft hat Merz sehr viel Geld ver­dient. Das sei ihm auch ge-

Au­to­rin die­ses Bei­tra­ges ist Ta­tia­na Gro­pi­us. Die 25-Jäh­ri­ge wird bei die­ser Zei­tung zur Re­dak­teu­rin aus­ge­bil­det. @ Die Au­to­rin er­rei­chen Sie un­ter Gro­pi­us@in­fo­au­tor.de

CDU-Vor­sitz zum Pro­blem wer­den. Denn Kri­ti­ker se­hen in Kramp-Kar­ren­bau­er nicht mehr als ei­nen Mer­kel-Ab­klatsch. Als sich die Saar­län­de­rin auf ei­ner Pres­se­kon­fe­renz Mit­te der Wo­che zu ih­rer Kan­di­da­tur äu­ßert, muss sie sich vor al­lem von der Bun­des­kanz­le­rin ab­gren­zen. Das ge­lingt ihr nur zum Teil. Cha­ris­ma­tisch ist sie ge­nau so wie An­ge­la Mer­kel – näm­lich gar nicht. Zu Be­ginn spricht Kramp-Kar­ren­bau­er über Mer­kel und ih­re Ver­diens­te. Sie selbst möch­te ei­ne neue Dis­kus­si­ons­kul­tur eta­blie­ren Ei­ner­seits ist er gut ver­netzt, an­de­rer­seits sind hier In­ter­es­sens­kon­flik­te pro­gram­miert. Ei­ne ge­sun­de Dis­tanz zur Wirtschaft sieht an­ders aus.

Jens Spahn, mit 38 Jah­ren der jüngs­te An­wär­ter auf den CDU-Vor­sitz, hat au­ßer gu­ten Ide­en wie dem Vor­schlag ei­ner Wi­der­spruchs­lö­sung bei der Or­gan­spen­de noch nicht viel ge­lie­fert.

„Wir brau­chen jetzt vor al­lem ei­ne Per­sön­lich­keit an der Spit­ze der Bun­des­par­tei, die es schafft zu in­te­grie­ren. Es muss uns ge­lin­gen, all un­se­re Flü­gel wie­der rich­tig zum Schla­gen zu brin­gen“, sag­te Saar­lands Mi­nis­ter­prä­si­dent To­bi­as Hans, als die CDU Saar Kramp-Kar­ren­bau­er ein­stim­mig als Kan­di­da­tin für den Par­tei­vor­sitz no­mi­nier­te.

Kramp-Kar­ren­bau­er ist da­für ge­nau die Rich­ti­ge, denn sie kann mit ih­rer lang­jäh­ri­gen Re­gie­rungs­er­fah­rung punk­ten. Sie weiß, was es heißt, zu ver­mit­teln und zu füh­ren. Da­her kann sie am ehes­ten ein­schät­zen, wel­che Ar­beit auf sie als mög­li­che CDU-Vor­sit­zen­de zu­kommt.

DPA-BILD: NIET­FELD

An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er.

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