Nach der Wahl ist vor der Wahl

Nordwest-Zeitung - - MEINUNG - An­ja Kohl über die Fol­gen der US-Wah­len

Ame­ri­ka hat ge­wählt. Der Kon­gress ist nun zwei­ge­teilt. Im Re­prä­sen­tan­ten­haus er­lang­ten die De­mo­kra­ten die Ober­hand, im Se­nat ge­wan­nen klar die Re­pu­bli­ka­ner. Für die Trump-Re­gie­rung heißt dies: sie kann in­nen­po­li­tisch wir­ken, zum Bei­spiel wich­ti­ge Rich­ter­pos­ten be­set­zen. Doch wirt­schafts- und fi­nanz­po­li­tisch wird sie mehr Wi­der­stand spü­ren. Wei­te­re Steu­er­sen­kun­gen und De­re­gu­lie­run­gen im Ban­ken­sek­tor sind nun un­wahr­schein­lich.

Mit der Mehr­heit der De­mo­kra­ten im Re­prä­sen­tan­ten­haus exis­tiert zu­dem ein Ge­gen­ge­wicht zu Trumps Zoll­po­li­tik. Zu­letzt hat­te sich bei US-Un­ter­neh­men und Ver­brau­chern Wi­der­stand ge­gen die pro­tek­tio­nis­ti­sche Po­li­tik der Re­gie­rung ge­regt. Dass der US-Prä­si­dent Wa­ren wie High-Tec-Pro­duk­te von App­le von der Chi­na-Zoll­lis­te strich, war dem ge­schul­det. Trump wird zwangs­läu­fig den Fuß vom Gas neh­men müs­sen. Die hoch­pro­ble­ma­ti­schen Fol­gen der Zoll­po­li­tik auf die Schwel­len­län­der, die un­ter der Last des star­ken US-Dol­lars, der ih­re Dol­lar­kre­di­te ver­teu­ert, äch­zen, dürf­te dies et­was ab­mil­dern.

Auf dem Feld der Wirtschaft kann Trump nur noch schwer ge­win­nen. Dies wird ihn zum Prag­ma­tis­mus zwin­gen. Mit Süd­ko­rea und Ja­pan hat er be­reits bi­la­te­ra­le Han­dels­ab­kom­men ge­schlos­sen. Sie dürf­ten die Blau­pau­se für ähn­li­che Ver­trä­ge mit der EU und mög­li­cher­wei­se auch mit Chi­na wer­den. Die An­le­ger an der US-Wall Street ha­ben, was sie woll­ten. Ei­nen do­mes­ti­zier­ten Prä­si­den­ten. Die schwer ge­prü­gel­ten Kur­se dürf­ten sich nun suk­zes­si­ve er­ho­len.

In den Fol­ge­mo­na­ten nach US-Kon­gress­wah­len ha­ben sich die Märk­te in den al­ler­meis­ten Fäl­len oh­ne­hin po­si­tiv ent­wi­ckelt, weil die Un­ru­he des oft schmut­zi­gen Wahl­kampfs wich. Do­nald Trump wird künf­tig wohl wei­ter im ge­wohn­ten Stil laut­stark tö­nen. Das letz­te Por­zel­lan des be­ste­hen­den Auf­schwungs aber wird er nicht zer­schla­gen. Nicht zu­letzt, weil die De­mo­kra­ten ihn mit Un­ter­su­chungs­aus­schüs­sen zur Rol­le Russ­lands im Wahl­kampf schwer be­schäf­tigt hal­ten wer­den.

Ein Amts­ent­he­bungs­ver­fah­ren ist den­noch un­wahr­schein­lich, da­für gibt es im Kon­gress kei­ne Mehr­hei­ten. Ist ei­ne zwei­te Prä­si­dent­schafts­pe­ri­ode Trumps al­so pas­sé?

Nein. Die Re­pu­bli­ka­ner ge­wan­nen teils mit gro­ßem Ab­stand ih­re Sit­ze. Für den Bun­des­staat Ohio aber, der wie kein an­de­rer die USA als Gan­zes spie­gelt, zieht ein De­mo­krat ins Re­prä­sen­tan­ten­haus, au­ßer­dem ein Nicht-Trum­pist in den Se­nat. Ame­ri­ka bleibt tief ge­spal­ten. Nach der Wahl ist vor der Wahl.

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