Men­schengleich in St­ein ge­mei­selt

Ein­mal mehr schlägt der re­nom­mier­te Bild­hau­er Chris­toph Traub in und um die Ober­ho­fen­kir­che den Bo­gen von in­nen nach au­ßen, in mehr­fa­cher Hin­sicht.

NWZ (Göppinger Kreisnachrichten) - - VORDERSEITE - Von Mar­git Haas

Ein­mal mehr schlägt der re­nom­mier­te Bild­hau­er Chris­toph Traub in und um die Ober­ho­fen­kir­che den Bo­gen von in­nen nach au­ßen, in mehr­fa­cher Hin­sicht. Die Aus­stel­lung wird am Sonn­tag er­öff­net.

Groß­for­ma­ti­ge St­ein­skulp­tu­ren zie­hen im Al­ten Fried­hof bei der Ober­ho­fen­kir­che die Bli­cke auf sich, füh­ren den Be­trach­ter in die Kir­che hin­ein. „Men­schen-gleich“sind die Abs­trak­tio­nen von Chris­toph Traub über­schrie­ben, die in den kom­men­den Mo­na­ten im Got­tes­haus und auf dem Al­ten Fried­hof An­stö­ße zum Nach­den­ken ge­ben wer­den.

Der Bild­hau­er ist kein Un­be­kann­ter in Göp­pin­gen. Be­reits zwei Mal hat er an Ober­ho­fen aus­ge­stellt. Sei­ne „An­ony­men Hei­li­gen“im Chor und über dem Haupt­ein­gang sei­en „Platz­hal­ter für Men­schen wie du und ich“, sagt Pfar­rer Andre­as Weid­le. Dass frei­lich zwei Post­a­men­te leer ge­blie­ben wa­ren, hat Gläu­bi­ge wie Ernst Bir­ze­le ir­ri­tiert. Dank „an­ony­mer Spen­der“kön­nen jetzt al­le Ni­schen wie­der mit ei­nem Kunst­werk zum Dia­log ein­la­den.

Über der Kan­zel zieht ei­ne „Trini­ta­tis“Bli­cke auf sich. Weid­le: „Sie passt zu un­se­rer Kir­che – theo­lo­gisch steil und doch ganz nah“. Die in­ten­si­ve Aus­ein­an­der­set­zung der Kir­chen­ge­mein­de mit der Kunst von Chris­toph Traub – er ist En­kel von Fritz und Nef­fe von Karl Ul­rich Nuss – ließ die Idee ent­ste­hen, ihn zu ei­ner wei­te­ren Aus­stel­lung ein­zu­la­den.

Die Skulp­tu­ren aus Stahl und Gra­nit er­schei­nen bei al­ler Mas­si­vi­tät und Grö­ße leicht, sind nicht sta­tisch wie der „Tor­so ver­ti­kal“, „der in sei­ner Be­we­gung tän­ze­risch ist“, er­läu­tert der Künst­ler. Im­mer haf­tet den prä­zi­se be­ar­bei­te­ten Skulp­tu­ren zu­tiefst Men­sch­li­ches an, sind sie „men­schengleich“. „Di­rekt vor der Kan­zel steht ei­ne der größ­ten Skulp­tu­ren, teils auf Hochglanz po­liert, teils roh be­las­sen. Sie be­steht aus zwei Tor­si. „Ei­ner blickt zum Pre­di­ger, ei­ner zur Ge­mein­de. Die­se Skulp­tur will ver­mit­teln. Und sie stellt Fra­gen. Was ist oben, was un­ten, wer steht auf dem Kopf? Ist sie männ­lich oder weib­lich?“. Die­se Fra­gen lässt der Künst­ler den Be­trach­ter selbst be­ant­wor­ten.

Am Ein­gang der Kir­che steht der „Zeu­ge“. Ei­ne ge­wis­se Span­nung strahlt er aus, aber auch Ru­he, hat die Hän­de in den Schoß ge­legt und sym­bo­li­siert für Wal­ter Kel­ler, frü­her Vor­sit­zen­der des „Ver­ein zu Er­hal­tung der Ober­ho­fen­kir­che“, „auch die bei­den Tür­me der Kir­che, die den Men­schen Halt ge­ben“.

Im­mer wie­der be­ar­bei­tet Chris­toph Traub Gr­ab­stei­ne, die ih­re Auf­ga­be er­füllt ha­ben, und gibt ih­nen da­mit wie­der Le­ben. Ge­mein­sam mit den „Zwei-flüg­lern“aus der frü­hen Erd­ge­schich­te schafft er ei­nen zeit­ge­schicht­li­chen Span­nungs­bo­gen, steht für den Be­ginn und das En­de des Le­bens, aber eben auch für den Neu­an­fang.

Fo­to: Mar­git Haas

Chris­toph Traub (2. v.l.) und Ober­ho­fen – das passt zu­sam­men. Am Sonn­tag er­öff­net be­reits die drit­te hie­si­ge Aus­stell­lung des En­kels von Fritz Nuss – zur Freu­de von Wal­ter Kel­ler (l.), Ernst Bir­ze­le und Andre­as Weid­le (r.).

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.