18 Zwei Ga­ran­ten, ein Ziel

Kroa­ti­en Dank ei­nes im­men­sen Kampf­geis­tes ste­hen die Ki­cker vom Bal­kan im Fi­na­le der WM. Zwei her­aus­ra­gen­de Ver­tre­ter sind al­te Be­kann­te aus der Bun­des­li­ga: Ma­rio Mand­zu­kic und Ivan Pe­ri­sic.

NWZ (Göppinger Kreisnachrichten) - - FUSSBALL−WM IN RUSSLAND -

Mil­lio­nen Eu­ro – dies ist der Markt­wert für Ma­rio Mand­zu­kic (32) laut ak­tu­el­lem Stand auf der of­fi­zi­el­len Trans­fer­markt-sei­te.

Hun­dert­tau­sen­de Kroa­ten fei­er­ten in Zagreb das „feu­ri­ge Wun­der“ei­ner his­to­ri­schen Nacht, als Ma­rio Mand­zu­kic im 2000 Ki­lo­me­ter ent­fern­ten Mos­kau ei­ne War­nung an al­le Fran­zo­sen schick­te. „Wir ha­ben wie Lö­wen ge­spielt, und wir wer­den ge­nau­so im Fi­na­le auf­tre­ten“, kün­dig­te der Halb­fi­nal-held an. Die Équi­pe Tri­co­lo­re, der gro­ße Fa­vo­rit am Sonn­tag (17 Uhr ZDF und Sky) im Lu­sch­ni­ki-sta­di­on, darf sich ei­ner Sa­che ge­wiss sein: Die­se Kroa­ten wer­den der här­tes­te Geg­ner auf ih­rem Weg zum Gold­po­kal sein.

„Nur gro­ße Mann­schaf­ten sind so tap­fer, wie wir es wa­ren“, sag­te Mand­zu­kic, nach­dem er die Va­t­re­ni, die Feu­ri­gen, in ei­ner sport­lich dra­ma­ti­schen Ver­län­ge­rung ge­gen En­g­land zum 2:1 (1:1, 0:1) und da­mit ins Fi­na­le ge­schos­sen hat­te. Zum drit­ten Mal in Se­rie hol­ten die Kroa­ten ei­nen Rück­stand auf und ver­setz­ten ihr jun­ges Land in ei­nen Rausch, der noch ta­ge­lang an­hal­ten wird.

Ro­te Fa­ckeln

Die Fans in der Hei­mat er­leuch­te­ten den Nacht­him­mel der Haupt­stadt Zagreb mit ro­ten Feu­er­fa­ckeln. Längst ha­ben Ma­rio Mand­zu­kic, Ivan Pe­ri­sic, Lu­ka Mod­ric und all die an­de­ren gro­ßen Kämp­fer das klei­ne Land mit den gro­ßen Pro­ble­men mit­ge­ris­sen.

Die öko­no­mi­schen Sor­gen, die schwie­ri­gen Be­zie­hun­gen zu den Nach­barn, Kor­rup­ti­on und Vet­tern­wirt­schaft: Al­les ist für ein paar Ta­ge in den Hin­ter­grund ge­rückt. Selbst Pre­mier­mi­nis­ter And­rej Plen­ko­vic kam am Tag nach den To­ren von Pe­ri­sic (68.) und Mand­zu­kic (109.) im Kroa­ti­en-tri­kot zur Ar­beit. 20 Jah­re nach dem sen­sa­tio­nel­len drit­ten Platz in Frank­reich brennt die Zu­ver­sicht lich­ter­loh.

Da­bei hat­ten sich die Kroa­ten ge­gen En­g­land lan­ge durch die Par­tie ge­schleppt, wa­ren mü­de dem frü­hen Rück­stand durch Kier­an Trip­pier (5.) hin­ter­her­ge­he­chelt, Su­per­star Mod­ric wirk­te in sei­nem 55. Pflicht­spiel der Sai­son aus­ge­laugt. Der nächs­te Rück­stand schien zu viel zu sein. Doch dann zeig­ten die Kroa­ten ihr wah­res Ge­sicht, das auch Frank­reich fürch­ten dürf­te. „Ei­ni­ge ha­ben auf ei­nem Bein ge­spielt“, sag­te Na­tio­nal­trai­ner Zlat­ko Da­lic: „Das zeigt Cha­rak­ter. Kei­ner gab auf.“

Al­len vor­an Mand­zu­kic und Pe­ri­sic, einst in der Bun­des­li­ga aus­sor­tiert, kämpf­ten wild ent­schlos­sen und er­folg­reich um ih­ren Fi­nal­traum. Mand­zu­kic, der mit dem FC Bay­ern 2013 die Cham­pi­ons Le­ague ge­won­nen hat, ehe ihn Pep Guar­dio­la ab­säg­te, warf sich un­er­schro­cken in je­den Zwei­kampf und spiel­te so­gar nach ei­nem hef­ti­gen Zu­sam­men­prall mit En­g­lands Tor­hü­ter Jor­dan Pick­ford wei­ter.

Pe­ri­sic, frü­her in Dort­mund und Wolfs­burg tä­tig, be­lohn­te die Kroa­ten mit dem Aus­gleichs­tor. Über­haupt hat der kroa­ti­sche Er­folgs­zug durch die Welt­meis­ter­schaft in Russ­land ei­ne deut­li­che schwarz-rot-gol­de­ne Fär­bung. Vie­le Mit­glie­der des Ka­ders muss­ten in den Neun­zi­ger­jah­ren we­gen des Kroa­ti­en­krie­ges flie­hen. Mand­zu­kic oder auch Ver­tei­di­ger De­jan Lo­v­ren ver­schlug es nach Deutsch­land. Ei­ni­ge von ih­nen spre­chen flie­ßend deutsch, ins­ge­samt zehn spie­len oder spiel­ten in der Bun­des­li­ga. Au­ßer dem von Lu­ka Mod­ric (Re­al Ma­drid) ha­ben ih­re Na­men im Welt­fuß­ball zwar noch nicht den gro­ßen Klang, da­für sind sie im Team bis­lang un­schlag­bar.

„So kann es wei­ter ge­hen: Kroa­ti­en brennt, aber wir sind noch längst nicht au­ge­brannt“, sag­te Tor­wart Da­ni­jel Su­ba­sic. Es war wie­der ei­ne War­nung an die Fran­zo­sen. Ky­li­an Mbap­pe und Co. soll­ten sich in Acht neh­men vor den Men­ta­li­täts­mons­tern vom Bal­kan.

Stars im Netz

Ein Vi­deo von Kroa­ti­ens Na­tio­nal­trai­ner Zlat­ko Da­lic von der Fei­er sei­ner Mann­schaft nach dem Tri­umph im Halb­fi­na­le ist der Ren­ner in den so­zia­len Netz­wer­ken. Der 51-Jäh­ri­ge ver­öf­fent­lich­te auf Ins­ta­gram Bil­der, wie sei­ne Spie­ler – dar­un­ter Ka­pi­tän Lu­ka Mod­ric – im Ho­tel sin­gen und um ei­nen Tisch tan­zen. Dar­auf steht ein Mann mit Gi­tar­re. Bin­nen der ers­ten zwölf St­un­den wur­de der Clip 427 000 Mal auf­ge­ru­fen.

Wir ha­ben wie Lö­wen ge­spielt. Nur gro­ße Mann­schaf­ten sind so tap­fer wie wir.

Ma­rio Mand­zu­kic

Sieg­tor­schüt­ze im Halb­fi­na­le

So kann es wei­ter­ge­hen: Kroa­ti­en brennt, aber wir sind noch längst nicht aus­ge­brannt.

Da­ni­jel Su­ba­sic

Tohü­ter des Fi­na­lis­ten

FOTOS: SHAUN BOTTERILL/GET­TY IMAGES, JU­LI­AN FINNEY/GET­TY IMAGES

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