Klei­ner Mann mit 15 Lun­gen

Al­le schwär­men von Ky­li­an Mbap­pé oder An­toi­ne Griez­mann. Doch oh­ne den de­fen­si­ven Mit­tel­feld­spie­ler N’go­lo Kan­té wä­re die Fi­nal­teil­nah­me nicht mög­lich ge­we­sen.

NWZ (Göppinger Kreisnachrichten) - - FUSSBALL−WM IN RUSSLAND -

Ist von Wm-fi­na­list Frank­reich die Re­de, dann schwär­men die Fuß­ball­an­hän­ger welt­weit von Ky­li­an Mbap­pé. Sie be­wun­dern An­toi­ne Griez­mann und lo­ben Ben­ja­min Pa­vard, den Senk­recht­star­ter vom VFB Stuttgart. Doch oh­ne den im Ver­gleich zu die­sen Stars re­la­tiv un­schein­ba­ren N‘go­lo Kan­té wä­re Frank­reich nie­mals ins Wm-fi­na­le ein­ge­zo­gen. Da­von ist die gro­ße Mehr­heit der Fuß­ball-ken­ner über­zeugt.

Wenn es gilt, die Stär­ken die­ses klei­nen, un­schein­ba­ren Abräu­mers im fran­zö­si­schen Mit­tel­feld zu be­schrei­ben, wer­den die Men­schen krea­tiv. Paul Pog­ba et­wa sagt über sei­nen Ne­ben­mann, er ha­be 15 Lun­gen. Die an­de­ren Kol­le­gen im Team des Wm-fi­na­lis­ten scher­zen: N‘go­lo Kan­té ha­be nach dem Vier­tel­fi­na­le ge­gen Uru­gu­ay den Flug zu­rück nach Mos­kau sau­sen las­sen und sei statt­des­sen lie­ber zu­rück­ge­rannt.

„Der Bes­te der Welt“

Den kom­pak­ten Kan­té (27) nur auf sei­ne Lauf­stär­ke zu re­du­zie­ren, wird der zen­tra­len Fi­gur im Team der Équi­pe Tri­co­lo­re je­doch nicht im An­satz ge­recht. Ar­sè­ne Wen­ger, mit dem FC Ar­senal in der Pre­mier Le­ague ein ums an­de­re Mal an Kan­tés FC Chel­sea ge­schei­tert, nennt sei­nen Lands­mann „ei­nen der ein­fluss­reichs­ten Mit­tel­feld­spie­ler, die ich je ha­be Fuß­ball spie­len se­hen“. Für Bel­gi­ens Eden Ha­zard, selbst ein Gro­ßer sei­ner Bran­che, der Kan­té bei Chel­sea täg­lich im Trai­ning sieht, ist er „auf sei­ner Po­si­ti­on der Bes­te der Welt“.

Das muss­te Ha­zard im Halb­fi­na­le selbst schmerz­haft er­fah­ren. Er wuss­te, wel­che Ge­fahr auf sei­ne Ro­ten Teu­fel zu­kommt, Ha­zard fürch­te­te nicht Su­per­sprin­ter Ky­li­an Mbap­pé oder Zau­ber­fuß An­toi­ne Griez­mann. N‘go­lo Kan­té, des­sen Wir­ken so sel­ten Auf­merk­sam­keit er­regt, war sein Angst­geg­ner. Er soll­te Recht be­hal­ten. Dass die bes­te Wm-of­fen­si­ve beim 0:1 in St. Pe­ters­burg nach der Pau­se harm­los wirk­te, war zu gro­ßen Tei­len dem nur 1,68 m gro­ßen Kan­té zu­zu­schrei­ben.

„Wenn er in Form ist, hast du ei­ne 95 pro­zen­ti­ge Chan­ce zu ge­win­nen“, hat­te Ha­zard schon vor dem di­rek­ten Du­ell dem Sen­der bein-sports ge­sagt. Was ei­ne schlech­te Nach­richt für sei­ne Bel­gi­er war, dürf­te in der Gran­de Na­ti­on gro­ßen An­klang fin­den. Kan­té be­fin­det sich vor dem End­spiel am Sonn­tag (17 UHR/ZDF und Sky Deutsch­land) ge­gen Kroa­ti­en in der Form sei­nes Le­bens – an­ders als im Fi­na­le der Heimem 2016 ge­gen Por­tu­gal (0:1 n.v.) wird Trai­ner Di­dier De­schamps nicht mehr auf sei­nen Ab­fang­jä­ger ver­zich­ten.

Das Spiel am Sonn­tag im Mos­kau­er Lu­sch­ni­ki-sta­di­on ist der Hö­he­punkt ei­nes ra­san­ten und stei­len Auf­stiegs, der ganz un­ten in ei­nem der be­rüch­tig­ten Ban­lieues vor den To­ren von Pa­ris be­gann. Dort wuchs Kan­té mit acht Ge­schwis­tern auf. Sein Va­ter, der aus Ma­li kam, schlug sich als Müll­mann durch und starb früh. Doch N‘go­lo Kan­té ver­folg­te un­be­irrt sei­nen Weg, auch wenn der ihn an­fangs durch die Nie­de­run­gen des fran­zö­si­schen Fuß­balls führ­te.

Ra­s­an­ter Auf­stieg

Erst mit 23 Jah­ren de­bü­tier­te er beim SM Ca­en in der ers­ten fran­zö­si­schen Li­ga, von da an ging es je­doch in je­nem un­heim­li­chen Tem­po wei­ter, das Kan­té auf dem Ra­sen auf den ers­ten Me­tern an­schlägt. 2016 eng­li­scher Meis­ter mit Leices­ter Ci­ty, 2017 mit dem FC Chel­sea. Bei bei­den Ti­teln war der klei­ne Mann der­art spiel­be­stim­mend und ent­schei­dend, dass Kan­té so­wohl in Frank­reich als auch En­g­land zum Fuß­bal­ler des Jah­res ge­wählt wur­de.

In sei­ner ei­nen Sai­son bei Leices­ter Ci­ty hat­ten sich die Fans hoff­nungs­los in Kan­té ver­liebt – und ihm zu Eh­ren ei­nen Witz kre­iert, aus dem al­le An­er­ken­nung für sei­ne Leis­tun­gen spricht: „Zwei Drit­tel der Er­de wer­den von Was­ser ab­ge­deckt“, er­zähl­ten sie sich: „Das üb­ri­ge Drit­tel von N‘go­lo Kan­té.“

Zwei Drit­tel der Er­de wer­den von Was­ser ab­ge­deckt. Das üb­ri­ge Drit­tel von N’go­lo Kan­té.

Fans von Leices­ter Ci­ty

über ih­ren ehe­ma­li­gen Spie­ler

N’go­lo Kan­té spielt im fran­zö­si­schen Na­tio­nal­team ei­ne emi­nent wich­ti­ge Rol­le.

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