Stra­ßen­aus­bau: Land will An­woh­ner-Bei­trä­ge kip­pen

Ge­hei­me Plä­ne von SPD und CDU / Hö­he­re Grund­er­werb­steu­er ge­plant

Ostsee Zeitung - - MADSACK - Von Frank Pu­bantz

Ros­tock. Vie­le tau­send Men­schen ha­ben sich per Un­ter­schrift da­für ein­ge­setzt – jetzt re­agiert die Lan­des­re­gie­rung: Wenn Städ­te und Ge­mein­den in MV künf­tig Stra­ßen er­neu­ern, sol­len An­woh­ner da­für nicht mehr die Ze­che zah­len. Nach OZ-In­for­ma­tio­nen wol­len SPD und CDU die Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­ge kom­plett ab­schaf­fen. Als Ge­gen­fi­nan­zie­rung ist ei­ne Er­hö­hung der Grund­er­werbs­steu­er an­ge­dacht – von der­zeit fünf auf sechs Pro­zent.

Seit Jah­ren gibt es Pro­test ge­gen die Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­ge. Bis zu sechs­stel­li­ge Be­trä­ge müs­sen ein­zel­ne An­woh­ner zah­len, bis zu 90Pro­zent der Kos­ten ho­len sich Kom­mu­nen auf die­se Wei­se. Un­ge­recht, fin­den die Frei­en Wäh­ler im Land und in­iti­ier­ten vor Mo­na­ten ei­ne Un­ter­schrif­ten­samm­lung. Denn An­woh­ner von Bun­des- oder Lan­des­stra­ßen blei­ben von der For­de­rung ver­schont; hier wird Steu­er­geld ein­ge­setzt. Wo­che für Wo­che de­mons­triert die In­itia­ti­ve „Fai­re Stra­ße“vor der Staats­kanz­lei in Schwe­rin. Star­ke Pro­tes­te gibt es auch in Bad Do­beran, Ros­tock oder auf Rü­gen. 44 000 Un­ter­schrif­ten ka­men zu­sam­men, ein­ge­reicht im Land­tag. „Groß­ar­tig“– so kom­men­tiert Gus­tav Graf von We­starp, Lan­des­vor­sit­zen­der der Frei­en Wäh­ler, die Nach­richt vom ge­plan­ten Ab­ga­ben-Aus. „Vor ei­nem Jahr woll­te man das The­ma noch nicht ein­mal auf die Ta­ges­ord­nung set­zen.“

Ei­ne hö­he­re Grund­er­werb­steu­er soll es nun rich­ten, ist aus der SPD/ CDU-Ko­ali­ti­on zu hö­ren. Die­se Steu­er zah­len al­le, die Grund­stü­cke kau­fen – das Land kas­siert. Ein Pro­zent­punkt brin­ge die er­for­der­li­chen rund 30 Mil­lio­nen Eu­ro Ein­nah­men jähr­lich. Das Geld sol­le an die Städ­te und Ge­mein­den flie­ßen, denn Stra­ßen­bau sei wich­tig. Da­zu müss­ten Fi­nanz­aus­gleichs- und Kom­mu­nal­ab­ga­ben­ge­setz ge­än­dert wer­den.

Vor­stell­bar sei, dass dies zum Ja­nu­ar 2020 ge­schieht, die Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­ge so­gar rück­wir­kend zum Ja­nu­ar 2019 ent­fal­len. An­de­re Län­der ma­chen es vor: Bay­ern hat die An­woh­ner­be­las­tung beim Stra­ßen­bau ab­ge­schafft, Thü­rin­gen hat Har­ry Gla­we (CDU) es an­ge­kün­digt. Ob­wohl meh­re­re Qu­el­len die Plä­ne be­stä­ti­gen, hält man sich of­fi­zi­ell in der Schwe­ri­ner Ko­ali­ti­on noch be­deckt. „Wir ha­ben ver­schie­de­ne Va­ri­an­ten in Ar­beit“, sagt SPD-Frak­ti­ons­chef Tho­mas Krü­ger. Es ge­be drei Op­tio­nen, sagt Vin­cent Ko­kert (CDU): Al­les blei­be, wie es ist. Ein­zel­ne Här­te­fäl­le wer­den ent­schärft. Oder aber die Bei­trä­ge fal­len kom­plett. Laut In­si­dern ist die Ent­schei­dung für Letz­te­res ge­fal­len. „Ich ha­be ein In­ter­es­se dar­an, dass wir es gut lö­sen“, be­tont Ko­kert. Wirt­schafts­mi­nis­ter Har­ry Gla­we (CDU) er­klärt: „Ich hal­te die Stra­ßen­aus­bau­bei­trä­ge in der jet­zi­gen Form für über­holt. Es muss ei­ne Lö­sung ge­ben, die un­se­re Bür­ger kom­plett ent­las­tet.“

Die Lin­ke im Land­tag for­dert die Ab­schaf­fung der Aus­bau­bei­trä­ge seit lan­gem. „Ich glau­be, das ist ein an­stän­di­ger Kom­pro­miss“, re­agiert Frak­ti­ons­che­fin Si­mo­ne Oldenburg. Wich­tig sei aber, dass die Kom­mu­nen nicht zu­sätz­lich be­las­tet wer­den. Auch AfD und BMV im Land­tag spra­chen sich ge­gen die jet­zi­ge Re­ge­lung aus. Sei­te 6

Es muss ei­ne Lö­sung ge­ben, die un­se­re Bür­ger kom­plett ent­las­tet. Wirt­schafts­mi­nis­ter

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