„Wir brau­chen die Flücht­lin­ge für un­se­re Wirt­schaft“

OZ-Le­ser dis­ku­tie­ren über die In­te­gra­ti­on von Mi­gran­ten in den Ar­beits­markt

Ostsee Zeitung - - DIALOG - Von Ju­lia­ne Lan­ge

Ros­tock. Wer als Flücht­ling nach Deutsch­land kommt, ist meist hoch mo­ti­viert. Die­ses Po­ten­zi­al möch­te Wirt­schafts­mi­nis­ter Har­ry Gla­we (CDU) nut­zen. Denn die In­te­gra­ti­on von Mi­gran­ten ist nach sei­ner An­sicht „für die wirt­schaft­li­che Ent­wick­lung Meck­len­burg-Vor­pom­merns von zen­tra­ler Be­deu­tung.“OZ-Le­ser de­bat­tie­ren über den Um­gang mit den Ge­flüch­te­ten und ei­ne mög­li­che In­te­gra­ti­on in den Ar­beits­markt.

In­go Mül­ler schreibt: „Wir ha­ben zur­zeit ei­nen ekla­tan­ten Fach­kräf­te­man­gel in vie­len Be­rei­chen. Die Ein­stel­lung be­stimm­ter deut­scher Fach­kräf­te kann und will ich nicht än­dern. Ich er­war­te Leis­tungs­fä­hig­keit, und die al­ler­meis­ten Mi­gran­ten sind hoch mo­ti­viert, be­last­bar und sehr flei­ßig – mei­ne Er­fah­rung.“Jens Werm­ke sieht das ge­nau­so, wie er be­tont. „Die mir be­kann­ten Mi­gran­ten sind lern­wil­lig, spre­chen schnell und gut Deutsch und ge­ben sich viel Mü­he. Wil­li­ge und Nicht­wil­li­ge gibt es im­mer und über­all. Ei­ne grö­ße­re Aus­wahl an Wil­li­gen kann nicht ver­kehrt sein.“

Frank Dam­köh­ler schaut in die Zu­kunft und gibt zu be­den­ken. „Noch sind es ge­nug, doch in den nächs­ten Jah­ren schmilzt der Be­stand an Ar­beits­kräf­ten. Statt wie mo­men­tan 51,5 Mil­lio­nen theo­re­ti­sche Ar­beits­kräf­te (al­le zwi­schen 20 und bis un­ter 67) ha­ben wir in 15 Jah­ren nur noch 47,5 Mil­lio­nen und noch mal 15 Jah­re spä­ter nur noch 43,5 Mil­lio­nen Ar­beits­kräf­te.“Tors­ten Schlie­ker mahnt an: „Zahlt ver­nünf­ti­ge Löh­ne, dann wan­dern die Fach­kräf­te auch nicht ab.“

Ro­bert Ku­row­ski hält da­ge­gen: „Ich bin sel­ber Ar­beit­ge­ber und ich sa­ge, wir ha­ben ge­nug ei­ge­ne Leu­te, die ar­bei­ten kön­nen! Die soll­ten bloß mal ’ne an­de­re Ein­stel­lung be­kom­men, denn mo­men­tan ha­ben wir vie­le Weich­ei­er, die nicht mal sechs Mo­na­te durch­ar­bei­ten kön­nen. Man kann sich glück­lich schät­zen über je­den gu­ten Mit­ar­bei­ter.“

Ra­mon Rog­gen­sack denkt: „Der de­mo­gra­fi­sche Wan­del wirkt sich in den nächs­ten Jah­ren rich­tig aus. Stich­wort Di­gi­ta­li­sie­rung. Es wird über­legt, wie die Men­schen ab­ge­si­chert wer­den, et­wa durch das be­din­gungs­lo­se Grund­ein­kom­men. Und dann holt man noch mehr an­geb­li­che Fach­kräf­te, die am En­de eh’ vom So­zi­al­staat le­ben . . .“Er fragt: „Kann man nicht die, de­ren Jobs weg­fal­len wer­den, um­schu­len und in der Aus­bil­dungs­zeit fi­nan­zi­ell un­ter­stüt­zen, dass sie nicht vom Lehr­lings­ge­halt le­ben müs­sen? Das wä­re even­tu­ell we­nigs­tens ein An­reiz, recht­zei­tig ei­nen neu­en Weg ein­zu­schla­gen.“

FO­TO: DPA

Flücht­lin­ge in der Aus­bil­dung zum Schweiß­bren­ner: Wirt­schafts­mi­nis­ter Har­ry Gla­we (CDU) möch­te mehr in den Ar­beits­markt in­te­grie­ren.

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