DDR nicht nur auf Sta­si be­schrän­ken

Alt­bi­schof Hoff­mann zur Au­f­ar­bei­tung

Ostthüringer Zeitung (Bad Lobenstein) - - Thüringen -

Wei­mar. Die Be­schäf­ti­gung mit der DDR-Ver­gan­gen­heit darf aus Sicht des frü­he­ren Thü­rin­ger Lan­des­bi­schofs Ro­land Hoff­mann nicht al­lein auf die Sta­si be­schränkt wer­den. Die Dis­kus­si­on über das Buß­wort der Lan­des­syn­ode im Herbst 2017 in Er­furt zei­ge, dass der Weg zur Ver­söh­nung zu schmal an­ge­legt sei, sag­te Hoff­mann im Ge­spräch mit der Mit­tel­deut­schen Kir­chen­zei­tung „Glau­be + Hei­mat“. In dem Pa­pier hat­te die Evan­ge­li­sche Kir­che in Mit­tel­deutsch­land (EKM) Ver­säum­nis­se bei der Be­glei­tung und Un­ter­stüt­zung von Op­fern der DDR-Dik­ta­tur in der Kir­che ein­ge­räumt und die­se um Ver­ge­bung ge­be­ten.

Sein frü­he­rer Vor­schlag, ein Trau­er­jahr in der Lan­des­kir­che ein­zu­le­gen, um sich aus­führ­lich mit dem The­ma zu be­schäf­ti­gen, sei lei­der weit­ge­hend ab­ge­lehnt wor­den, be­klag­te Hoff­mann, der am Mon­tag sei­nen 80. Ge­burts­tag be­ging. „Da­mit hät­ten wir die ge­sam­te Brei­te des Er­in­nerns ge­habt und nicht nur die Eng­füh­rung, die­se Schmal­spurVer­ar­bei­tung in Sa­chen Sta­si.“Hoff­mann sprach sich ge­gen ei­nen Schluss­strich un­ter die DDR-Ge­schich­te der Kir­che aus. Die Ver­gan­gen­heit sol­le aber sei­ner Mei­nung nach oh­ne Schuld­zu­wei­sung ana­ly­siert wer­den. (epd) Er­furt. Au­e­rhen­nen ma­chen es ih­ren Hä­schern wahr­lich leicht. Of­fen­bar tie­fen­ent­spannt sit­zen sie wäh­rend der Balz­zeit an den We­ges­rän­dern in Mit­tel­schwe­den. Selbst ein na­hen­des Au­to bringt Te­trao uro­gal­lus nicht so schnell aus der Ru­he. Die Tie­re neh­men meist auch kei­ner­lei No­tiz von dem Ke­scher, der sich ih­nen aus dem Au­to­fens­ter ent­ge­gen streckt. Erst wenn sie im Fang­netz zap­peln, schwant dem Fe­der­vieh nichts Gu­tes.

Die­se tem­po­rä­re Dö­sig­keit der hol­den Weib­lich­keit macht sich auch Thü­rin­gen­forst zu Nut­ze. Be­reits zum zwei­ten Mal fuhr ein Team der Lan­des­forst­an­stalt gen Schwe­den, um dort ei­ni­ge Tie­re ein­zu­fan­gen. Und um sie dann in Thü­rin­gen wie­der aus­zu­set­zen – da­mit sie die hie­si­gen Be­stän­de ge­ne­tisch auf­fri­schen. „Für uns ist klar: So­lan­ge sich die Tier­art nicht aus ei­ge­ner Kraft er­hal­ten kann, müs­sen wir halt nach­hel­fen“, er­klärt da­zu Horst Sproß­mann, Spre­cher von Thü­rin­gen­forst.

Bis zum Jahr 2023 soll dem­nach wie­der ei­ne sta­bi­le Au­er­huhn-Po­pu­la­ti­on im Frei­staat eta­bliert wer­den – an­ge­peilt wer­den 100 Tie­re. Ne­ben der Aus­wil­de­rung ge­hört auch das Aus­brü­ten von Kü­ken zum au­ßer­ge­wöhn­li­chen Schutz­pro­gramm. „Zu­sätz­lich for­cie­ren wir die Ha­bi­tat­ver­än­de­rung, wo­mit die Wald­struk­tur für die Auer­hüh­ner­be­stän­de ins­ge­samt ver­bes­sert wird“, so Sproß­mann wei­ter. Denn Le­bens­grund­la­ge für den größ­ten hei­mi­schen Wald­vo­gel sind lich­te Fich­ten­wäl­der mit aus­ge­dehn­tem Hei­del­beer­be­wuchs, der den Tie­ren als Nah­rung und Schutz dient.

Die stand­ort­treu­en Auer­hüh­ner brau­chen je­de Men­ge Platz: Häh­ne et­wa 250 Hekt­ar und die al­lein­er­zie­hen­den Hen­nen mit ih­rem Nach­wuchs 150 Hekt­ar. Die Wild­fän­ge aus Schwe­den ha­ben ei­nen gro­ßen Vor­teil – sie sind nicht so phleg­ma­tisch wie hie­si­ge Zucht­tie­re. Heißt: Sie wer­den seltener von Raub­tie­ren ver­speist und sind kar­ge Kost ge­wöhnt.

Einst wa­ren Auer­hüh­ner in Thü­rin­gens Wäl­dern weit ver­brei­tet. Noch vor ei­ni­gen Jahr­zehn­ten wur­den die Tie­re re­gel­mä­ßig be­jagt. Doch schon in den 70er-Jah­ren hat­te sich ihr Be­stand auf nur noch 300 Tie­re de­zi­miert und 1990 stol­zier­ten nur noch 20 bis 50 Ex­em­pla­re durchs Wäl­der­di­ckicht. Heu­te ste­hen die Tie­re auf der Ro­ten Lis­te der be­droh­ten Ar­ten.

Und des­halb wer­den in je­dem Jahr die Tie­re aus Schwe­den ein­ge­flo­gen und aus­ge­setzt. Im­mer in der Hoff­nung, dass sich die Zu­ge­reis­ten hier auch wohl füh­len. Zu­sam­men mit den Thü­rin­ger Nach­zuch­ten flat­ter­ten 500 Vö­gel seit dem Jahr 1990 in die neue Thü­rin­ger Frei­heit.

Glück­lich aber wur­den nur die we­nigs­ten Tie­re. Denn Wild­schwei­ne, Füch­se, Wasch­bä­ren, aber auch Ha­bich­te ha­ben bis­her so gut wie je­dem im Frei­staat aus­ge­wil­der­ten Um­sied­ler den Gar­aus ge­macht. Ex­per­ten ge­hen da­von aus, dass es in Thü­rin­gen ge­ra­de ein­mal 25 bis 30 wild­le­ben­de Vö­gel gibt. Vor­ran­gig im Ilm-Kreis, na­he Geh­ren, Neu­haus oder Paulin­zel­la.

„Ge­naue Zah­len gibt es lei­der nicht, denn die Tie­re sind ex­trem scheu“, er­läu­tert Jür­gen Bod­den­berg, Sach­ge­biets­lei­ter Wald­na­tur­schutz beim Thü­rin­gen­forst. Der Ex­per­te ist sich aber si­cher, dass ei­ni­ge Tie­re be­reits Nach­wuchs ge­zeugt ha­ben. „Wir sind al­so wei­ter­hin zu­ver­sicht­lich, die Auer­hüh­ner lang­fris­tig an­sie­deln zu kön­nen.“

Ge­naue An­ga­ben zu den Kos­ten der Um- und An­sied­lungs­ak­ti­on gibt es in­des nicht. Schät­zun­gen zu­fol­ge wer­den pro Jahr rund 200 000 Eu­ro in die Zu­kunft der gro­ßen Hüh­ner­vö­gel in­ves­tiert. „Der Be­trag, den wir in die Hand neh­men, ist si­cher nicht ge­ring, aber Ar­ten­schutz kos­tet eben Geld“, er­klärt da­zu Thü­rin­gen­forst-Spre­cher Sproß­mann. Und das müs­se es ei­ner Ge­sell­schaft auch Wert sein.

Die­ser Mei­nung ist man auch beim Na­tur­schutz­bund Thü­rin­gen (Na­bu). „Doch es reicht nicht, die Tie­re ein­fach aus­zu­set­zen“, er­klärt der Vi­ze-Lan­des­vor­sit­zen­de Dirk Hof­mann. Vor al­len Din­gen muss man Fuchs, Wasch­bär & Co. ver­stärkt zu Lei­be rü­cken. „Da sind die Jä­ger ver­stärkt in der Pflicht.“

In die­sem Jahr wer­den die Räu­ber üb­ri­gens kein Frisch­fleisch aus Schwe­den vor­ge­setzt be­kom­men. Denn die Aus­wil­de­rung der Auer­hüh­ner ist kurz­fris­tig ab­ge­sagt wor­den. Schuld dar­an – man glaubt es kaum – sind som­mer­li­che Tem­pe­ra­tu­ren im ho­hen Nor­den.

Durch die­se ha­ben die Au­e­rhen­nen frü­her als üb­lich mit dem Brü­ten des Ge­le­ges an­ge­fan­gen. Und in ei­nem sol­chen Fall ver­bie­tet das Tier­schutz­ge­setz die Ke­scher­jagd. Die vier Weib­chen, die be­reits in die Net­ze ge­gan­gen wa­ren, wur­den wie­der frei­ge­las­sen.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.