Wenn die Zun­ge zum Kno­ten wird

Der Arzt Alex­an­der Wolff von Gu­den­berg stot­ter­te als Kind. Um an­de­ren zu hel­fen, ent­wi­ckel­te er nun ei­ne The­ra­pie

Ostthüringer Zeitung (Jena) - - Ratgeber -

über Jah­re auf­ge­bau­ten Ängs­te und das Ver­mei­den von Wör­tern oder Kon­tak­ten in den Griff be­kom­men.

Die Stot­ter­mo­di­fi­ka­ti­on ist ei­ne wei­te­re Be­hand­lungs­mög­lich­keit: Da­bei soll der Be­trof­fe­ne ler­nen, kon­trol­lier­ter zu stot­tern und sich selbst aus ei­ner Sprach­blo­cka­de her­aus­zu­ho­len. „Rück­schlä­ge gibt es da­bei im­mer wie­der“, er­klärt Ul­ri­ke Geng­law­ski von der Selbst­hil­fe­ver­ei­ni­gung. „Man muss sich al­so pha­sen­wei­se mit den Tech­ni­ken be­schäf­ti­gen.“Wer es bis zur Pu­ber­tät nicht schafft, flüs­sig zu spre­chen, muss nach ih­ren Wor­ten da­mit rech­nen, sein Le­ben lang zu stot­tern.

Aus die­sem Grund will von Gu­den­berg mit der Kas­se­ler Stot­ter­the­ra­pie mög­lichst früh an­set­zen. Er hat sie seit En­de der 80er-Jah­re aus ei­nem ame­ri­ka­ni­schen Sprech­trai­ning ent­wi­ckelt, das be­reits von ei­ner Soft­ware un­ter­stützt wur­de. Von Gu­den­berg über­trug sie für al­le Al­ters­grup­pen ab sechs Jah­ren auf deut­sche Ver­hält­nis­se, an ei­ner Ver­si­on für Vor­schul­kin­der wird ge­ra­de ge­ar­bei­tet. In­zwi­schen gibt es meh­re­re Va­ri­an­ten – ei­ne Vor-Ort-Be­hand­lung mit ei­ner in­ten­si­ven Grup­pen­the­ra­pie in Bad Em­s­tal und an zwei an­de­ren Stand­or­ten, dar­un­ter Hat­tin­gen. An­ge­bo­ten wird auch ei­ne rei­ne On­line­form mit der selbst ent­wi­ckel­ten Platt­form „freach“. Auch die­se The­ra­pie wird von den meis­ten Kas­sen be­zahlt.

Vor­aus­set­zung ist, dass die Pa­ti­en­ten zu ei­nem Dia­gnos­tik­tag kom­men und ei­nen Tech­nik­check ab­sol­vie­ren. „Da­nach üben sie ei­nen Mo­nat lang in­ten­siv im Ein­zel­trai­ning, an­schlie­ßend we­ni­ger häu­fig in Grup­pen­stun­den“, er­klärt von Gu­den­berg. Die Nach­sor­ge läuft über ein Jahr. Da­bei neh­men die Pa­ti­en­ten im­mer wie­der in der vir­tu­el­len Platt­form ge­mein­sam mit dem The­ra­peu­ten Platz und üben et­wa ei­ne Re­de oder das Te­le­fo­nie­ren.

Kin­der fan­gen meist im Al­ter zwi­schen zwei und fünf Jah­ren zu stot­tern an. Es gibt un­ter­schied­li­che The­ra­pi­en, um Sprech­mus­ter zu ver­än­dern. Fo­to: Get­ty/IStock

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