Be­flü­gelt durch die Fah­ne

Kom­bi­nie­rer Eric Fren­zel ver­steht es per­fekt, zum Hö­he­punkt in Best­form zu sein – und wird er­neut Olym­pia­sie­ger

Ostthüringer Zeitung (Jena) - - Anzeigen Für Jena -

Fünf­ter; Rieß­le stürm­te von Rang 16 auf sie­ben. Gei­ger lan­de­te auf dem neun­ten Platz.

„Es war halt Lot­te­rie. Letzt­end­lich hat der Wind ent­schie­den, wer die Mög­lich­keit hat, ei­ne Me­dail­le zu ge­win­nen oder nicht“, re­sü­mier­te Bun­des­trai­ner Her­mann Wein­buch. Auch Fren­zel gab zu: „Si­cher war et­was Wind­glück da­bei. Ich hat­te ei­nen op­ti­ma­len Sprung.“36 Se­kun­den hin­ter der Spit­ze sei­en ei­ne „per­fek­te Aus­gangs­po­si­ti­on“ge­we­sen. Mit Wa­t­a­be und Klap­fer „sam­mel­te“er die bei­den Sprung­bes­ten schnell ein und mar­schier­te dann vor­ne­weg – bis ins Ziel. Dort pras­sel­te Lob von al­len Sei­ten auf ihn ein. Rydzek mein­te: „Eric ist ein ganz Gro­ßer. Wie er da am letz­ten An­stieg at­ta­ckiert hat, das ist sen­sa­tio­nell.“Und Wein­buch er­klär­te vol­ler Be­wun­de­rung: „Er ist kein nor­ma­ler Mensch.“

Fa­mi­lie gibt ihm im­mer wie­der neue Kraft

Da­bei lief es in die­sem Win­ter al­les an­de­re als rund. Vor al­lem mit sei­nen Sprün­gen ha­der­te der klei­ne Gro­ße. Be­harr­lich such­te er nach den Ur­sa­chen und fand sie im neu­en Bin­dungs­sys­tem. Der so­ge­nann­te An­stell­win­kel sei­nes Fu­ßes ge­gen­über dem Ski war dar­in nicht op­ti­mal. Hin­zu ka­men Pro­ble­me mit der Ober­schen­kel-Mus­ku­la­tur, die ihn in der An­fahrts­ho­cke be­hin­der­ten. Die Be­hand­lung bei ei­nem Spe­zia­lis­ten in Pots­dam zahl­te sich aus. Fren­zel kram­te zu­dem die al­te Bin­dung wie­der her­vor und hat­te so­fort ein bes­se­res Ge­fühl.

Sei­ne be­mer­kens­wer­te Ge­las­sen­heit hat ganz si­cher auch mit sei­nem Fa­mi­li­en­glück zu tun. Fren­zel ist drei­fa­cher Va­ter und fin­det im Krei­se sei­ner Liebs­ten die nö­ti­ge Er­ho­lung zwi­schen dem Wett­kampfs­tress. Am Mon­tag sind sei­ne Ehe­frau Lau­ra und sein äl­tes­ter Sohn Phil­ipp in Süd­ko­rea an­ge­kom­men – ih­re Un­ter­stüt­zung an der Stre­cke war ihm ge­wiss. „Mei­ne Fa­mi­lie“, sag­te Fren­zel, „ist mir das Wich­tigs­te.“Sie hät­te ihn in die­ser Sai­son oft ent­beh­ren müs­sen; ge­ra­de in den Pha­sen, in de­nen es hak­te. „Doch ich ha­be im­mer ih­re Rü­cken­de­ckung ge­spürt. Das gab mir Kraft.“Am spä­ten Abend konn­te er sei­ne Frau und sei­nen Sohn dann end­lich die Ar­me neh­men.

Sei­ne schöns­te Be­loh­nung – ne­ben Gold.

Völ­lig los­ge­löst: Nach der Gold­me­dail­le von Sot­schi krön­te sich Kom­bi­nie­rer Eric Fren­zel nun in Pyeongchang zum zwei­ten Mal zum Olym­pia­sie­ger. Fo­to: Dmi­tri Lo­vets­ky, dpa

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