Dem Sturz zum Trotz

Renn­ro­del-Dop­pel Wendl/Arlt steckt Schreck­se­kun­de im Trai­ning weg und rast zu Gold. Eg­gert/Ben­ecken wäh­len Si­cher­heits­va­ri­an­te und wer­den Drit­te

Ostthüringer Zeitung (Jena) - - Anzeigen Für Jena -

To­ni Eg­gert und Sa­scha Ben­ecken auf. Die Thü­rin­ger ge­wan­nen acht von neun Ren­nen, si­cher­ten sich zu­dem zwei Sprint­sie­ge und hol­ten sou­ve­rän den Ge­samt­welt­cup. Auch das Trai­ning auf der an­spruchs­vol­len Olym­pia-Bahn hat­ten die Sai­son-Über­flie­ger do­mi­niert. Wendl/Arlt muss­ten im letz­ten Trai­nings­lauf so­gar ei­nen Sturz ver­kraf­ten. „In Kur­ve zwölf ha­ben wir mal ei­ne an­de­re Li­nie aus­pro­biert und sind in der Ein­fahrt zur 13 ge­kippt“, er­klär­te Wendl. Weil so ein Miss­ge­schick „nicht ganz so leicht ab­zu­schüt­teln“sei und die ers­te Fahrt da­nach „im­mer et­was wack­lig“ist, hät­te ihn die Zeit im Auf­takt­ren­nen mäch­tig über­rascht. Ver­mut­lich war der Sturz aber der rich­ti­ge Wach­rütt­ler – und be­schwor ei­ne Art Trotz­re­ak­ti­on her­auf. Die Bay­ern leg­ten in bei­den Läu­fen die Best­zeit hin und si­cher­ten sich Gold vor den Ös­ter­rei­chern Pe­ter Penz und Ge­org Fisch­ler. Eg­gert/Ben­ecken blieb zu­min­dest Bron­ze.

„Das ist un­se­re ers­te olym­pi­sche Me­dail­le. Wir sind ab­so­lut glück­lich da­mit“, sag­te Eg­gert. Und Ben­ecken, der ges­tern sei­nen 28. Ge­burts­tag fei­er­te, er­gänz­te: „Wir hat­ten uns vor­her ge­fragt: Wie viel wol­len wir hier ris­kie­ren? Und uns da­für ent­schie­den, ei­ne Num­mer si­che­rer un­ter­wegs zu sein, als im Welt­cup.“Dort kön­ne man ein ver­patz­tes Ren­nen ei­ne Wo­che spä­ter wie­der gut­ma­chen; Olym­pi­sche Spie­le gä­be es nur al­le vier Jah­re. Um die Spon­so­ren und Weg­be­glei­ter nicht zu ent­täu­schen und viel­leicht oh­ne Me­dail­le wie­der nach Hau­se zu fah­ren, mie­den die Thü­rin­ger das letz­te Ri­si­ko. Ben­ecken ge­stand of­fen: „Bron­ze war das Ma­xi­mum für das Se­t­up, das wir ge­wählt ha­ben.“Ei­ne ver­blüf­fen­de Tak­tik, die man an­ge­sichts des Dra­mas um Fe­lix Loch am Sonn­tag durch­aus nach­voll­zie­hen kann.

Deut­lich ge­las­se­ner wa­ren trotz des Trai­nings­stur­zes die al­ten und neu­en Olym­pia­sie­ger an­ge­tre­ten. Arlt: „Wir wuss­ten, wir ha­ben Gold schon zu Hau­se in der Vi­tri­ne. Des­halb sind wir die gan­ze Sa­che ent­spann­ter an­ge­gan­gen und konn­ten uns auf un­ser Su­per-Ma­te­ri­al ver­las­sen.“ Die Bay­ern sind das drit­te Paar nach den Ober­ho­fern Hans Rinn und Nor­bert Hahn (1976/1980) so­wie den Ös­ter­rei­chern Andre­as und Wolf­gang Lin­ger (2006/2010), die zwei­mal in Fol­ge Olym­pia­sie­ger im Dop­pel­sit­zer wur­den. Die Par­ty da­nach fiel in­des nur kurz aus. Zum Ab­schluss der Ro­del-Wett­be­wer­be steht heu­te, 13.30 Uhr (MEZ), noch das Team­staf­fel­Ren­nen auf dem Pro­gramm. Da will das Gold-Dop­pel ge­mein­sam mit Gei­sen­ber­ger und Jo­han­nes Lud­wig den nächs­ten Coup lan­den. Die här­tes­ten Kon­kur­ren­ten sind Ös­ter­reich, Ka­na­da und die USA.

In der St­un­de des Er­fol­ges hat­te To­bi­as Wendl al­ler­dings noch ein Kom­pli­ment für die ge­schla­ge­nen Geg­ner pa­rat: „Oh­ne To­ni und Sa­scha wä­ren wir nicht dort, wo wir jetzt wie­der ste­hen. So ei­ne star­ke Kon­kur­renz in­tern zu ha­ben, pusht enorm. Da muss man stän­dig an sich ar­bei­ten, um schnel­ler zu wer­den“, sag­te er. Bei­de deut­sche Dop­pel kün­dig­ten noch am Abend an, die Spie­le 2022 in Pe­king in An­griff neh­men zu wol­len. Wei­te­re span­nen­de Schlit­ten-Du­el­le sind ga­ran­tiert. Und wohl auch Me­dail­len.

Me­dail­len­ge­win­ner ma­chen bis 2022 wei­ter

Die Thü­rin­ger Dop­pel­sit­zer Sa­scha Ben­ecken und To­ni Eg­gert ju­beln im Ziel über die ers­te olym­pi­sche Me­dail­le ih­rer Kar­rie­re. Fo­to: Sa­scha Fromm

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